21. Mai 2020, 18:47 Uhr

Gegen die Strömung: Münzenberger Ehepaar kann jetzt Schwimmtraining im Garten machen

Die Schwimmbäder sind geschlossen, der Pool ist zu klein, die Seen zu kalt. Triathleten und Schwimmer haben es in der Coronavirus-Krise nicht leicht - außer einem Münzenberger Ehepaar.
21. Mai 2020, 18:47 Uhr
Triathletin Imke Jagau (Eintracht Frankfurt) testet die Gegenstromanlage von Rebekka Ott und Matthias Ott in deren Pool in Münzenberg. (Foto: Keßler)

Die Bilder gingen um die Welt: Triathlon-Star Jan Frodeno absolviert Mitte April in seinem Haus in Spanien einen Ironman. Der Marathon wird auf dem Laufband abgespult, die 180 Kilometer Radfahren mithilfe einer Rolle absolviert. Und das Schwimmen? 3,8 Kilometer wären im hauseigenen Pool zu viel gewesen, hätte Frodeno nicht eine sogenannte Gegenstromanlage eingebaut - ein Wort, das plötzlich Berühmtheit erlangte. Die Technik ist einfach erklärt: Eine oder mehrere Turbinen sorgen für eine Strömung, gegen die der Athlet anschwimmt.

Noch bevor Frodeno zu seinem Abenteuer für den guten Zweck inmitten der Coronavirus-Krise aufgebrochen war, hat sich auch das Münzenberger Ehepaar Rebekka und Matthias Ott für eine solche Investition entschieden. Dieser Tage nun wurde die Anlage von der Firma »Griesmann Pools & more« aus Butzbach-Hausen eingebaut - und gleich ausprobiert.

Es ist sonnig, der Pool hat 20 Grad und Rebekka Ott, Triathletin und Schwimmlehrerin, tippt auf der App für die Gegenstromanlage von Weltmarktführer Binder aus Hameln. Schon sorgen die zwei Turbinen, die mit denen eines Jetski vergleich sind, bei überraschend geringer Lautstärke für eine deutlich sichtbare Strömung in dem sechs mal drei Meter großen Pool in ihrem Garten. Testperson heute ist Freundin Imke Jagau. Die Triathletin von Eintracht Frankfurt hatte in diesem Jahr sportlich viel vor - dann kam Corona.

Keine 15 Minuten später strahlt Jagau über das ganze Gesicht: »Boah ist das geil. Das macht richtig Spaß und ist sehr angenehm. Nach den vielen Wochen einfach nur ein bisschen zu kraulen, ist brilliant«, sagt die gebürtige Namibierin - und taucht wieder ab. Unterdessen steht Rebekka Ott am Beckenrand und überwacht die Einheit. Zur besseren Orientierung hat sie links und rechts ein Hütchen aufgestellt, auf dem Boden des Beckens liegt ein großes Glas Nutella. »Ich brauchte etwas, das groß und schwer ist, und an dem man sich farblich gut orientieren kann«, erklärt sie. Denn: Die Strömung ist nicht überall im Becken gleich, der Schwimmer muss versuchen, seine ideale Position zu halten, um den besten Trainingseffekt zu erzielen.

Wie im Freiwasser

Um das Training abwechslungsreicher zu gestalten, ist die Anlage, die es je nach Größe für einen Preis ab 10 000 Euro aufwärts gibt, per App regelbar - samt programmierbarer Trainingsinhalte. »Ich tüftel aktuell noch etwas mit der App herum, aber insgesamt fühlt es sich so an, wie in einem See oder Kanal. Es gibt schon etwas Wellengang«,sagt Rebekka Ott. Eine weitere Ähnlichkeit Die Abwechslung fehlt, da der Schwimmer sich effektiv nicht von der Stelle bewegt. »Es ist ungefähr wie beim Radfahren auf der Rolle«, sagt Rebekka Ott. »Man verliert schnell das Zeitgefühl.«

Wie ihr Mann Matthias ebenfalls Triathlet und Pädagoge, hatte Rebekka Ott genug vom Ersatztraining mithilfe von Seilen im kleinen Becken oder Übungen an Land. Nach dem Probeschwimmen bei der Butzbacher Firma Probe waren sie sofort überzeugt. Für Firmeninhaber Tim Griesmann kein Wunder: »Die Anfragen sind hoch. Viele planen so eine Anlage gleich beim Bau ihres Pools mit ein, wir haben aber auch viele Nachrüster. Der Vorteil bei einer solchen Anlage, die technisch einfach unschlagbar ist, ist, dass es auch für den Otto-Normalverbraucher ein sehr angenehmes Schwimmen ist.« Deshalb seien unter den Kunden keineswegs nur Sportler, sondern auch Familien oder Rentner, die keine Lust mehr auf volle Schwimmbäder und Seen hätten, oder auch in Zeiten von Corona nicht auf ihr Hobby verzichten wollen. Alles, was dazu nötig ist, sei ein kleiner Pool, Strom und Internet. Das alles hatte das Ehepaar Ott in seinem Haus in Münzenberg schon, es brauchte nur drei Stunden Arbeit der Monteure.

Das wissen inzwischen auch Freunde und Bekannte aus der Triathlon-Szene und überhäufen Rebekka Ott derzeit nicht nur mit Anfragen zur Anlage, sondern auch mit Besuchsankündigungen zum Testen - wie Imke Jagau. Für Rebekka Ott kein Problem: »Ich freue mich darauf, auch anderen den Spaß am Schwimmtraining zurückgeben zu können.«

Zusätzlich bietet sie auf Nachfrage Techniktraining an. Der Vorteil: »Der Schwimmer ist immer auf der Stelle und wir sind alleine, sodass ich direkt Feedback geben kann. Das ist deutlich angenehmer als in einem vollen Schwimmbad oder am See, wo ich mit einem Boot nebenher fahren müsste«, erklärt Rebekka Ott - und greift sofort bei Freundin Imke ein: »Achte auf den kleinen Finger beim Eintauchen und auf deinen linken Arm, der rutscht weg.« Ihre Bilanz nach der gut 30-minütigen Einheit: »Einfach herrlich!«

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