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Frischer Anstrich: Ober-Mörler TC macht sich hübsch

Sportvereinen fällt es immer schwerer, Mitglieder zu gewinnen und zu binden. Beim Ober-Mörler Tennisclub haben die Verantwortlichen deswegen vielen Dingen einen neuen Anstrich verpasst.
08. Mai 2019, 07:00 Uhr
Erik Scharf
Terence Dürauer (M.), Vorstandsvorsitzender des Ober-Mörler Tennisclubs, im Gespräch mit den neuen Vereinstrainern Marc Wäschle (l.) und Kristina Pauel.	(Foto: pm)
Terence Dürauer (M.), Vorstandsvorsitzender des Ober-Mörler Tennisclubs, im Gespräch mit den neuen Vereinstrainern Marc Wäschle (l.) und Kristina Pauel. (Foto: pm)

Mitglied im Sportverein zu sein, ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Schon gar nicht, einem Verein, meistens dem Heimatverein, über Jahrzehnte treu zu bleiben. Auch die Wetterauer Tennisvereine sind gezwungen, sich den heutigen Gegebenheiten anzupassen, um das Vereinsleben aufrechtzuerhalten. Beim Ober-Mörler Tennisclub haben die Verantwortlichen an allen Schrauben gedreht. Der Vorsitzende Terence Dürauer erklärt im Interview, was hinter dem Motto »Alles neu macht der Mai« steckt und spricht über seine Vision mit dem OMTC.

 

Terence Dürauer, Sie machen gerade ziemlich viel neu.

Terence Dürauer: Genau, nach dem Motto »Alles neu macht der Mai« haben wir ein paar Dinge angepackt. Wir haben die Club-Gastronomie neu aufgestellt, die Räumlichkeiten aufgehübscht, und vor allem einen komplett neuen Auftritt kreiert. Bestehend aus einem neuen Logo, neuem Design und neuen Farben, einem neuen Internetauftritt und allem, was dazugehört. Zudem haben wir mit Marc Wäschle einen zusätzlichen Vereinstrainer, der den Trainingsbetrieb weiter ausbauen wird

Warum das Ganze?

Dürauer: Die Anforderungen haben sich geändert. Heutzutage ist alles viel schnelllebiger. Kindern steht mittlerweile weniger Freizeit zur Verfügung und wir konkurrieren nicht nur mit anderen Sportvereinen, sondern mit einer wachsenden Zahl von kommerziellen Sportanbietern. Früher war zudem die Bindung eines Mitglieds zu seinem Verein größer. Uns war es wichtig, dass unser Angebot zu den heutigen Bedingungen passt.

Stichwort Digitalisierung.

Dürauer: Das ist immer ein massives Schlagwort. Es heißt aber nichts anderes, als dass die Kommunikationswege andere sind. Kaum einer fährt noch auf gut Glück in den Tennisclub und schaut, ob er jemanden trifft. Die Kontakte werden über soziale Netzwerke hergestellt. Für uns ist es wichtig, da auf mehreren Ebenen aktiv zu sein. Zum Beispiel sind wir im Rahmen der Neuausrichtung auch bei der Foto-Plattform »Instagram« an den Start gegangen.

Sind das nicht Aufgaben, mit denen man die jüngere Generation für Vereinsarbeit begeistern kann?

Dürauer: Ob man die Mehrheit der Jugendlichen begeistern kann, weiß ich nicht. Aber man kann sicher Aufgaben bei der Pflege von Homepage, Facebook- und Instagram-Kanal auf mehrere Schultern verteilen und so eine Bindung schaffen.

Häufig wirkt es wie eine Frage nach einer Spende, wenn wir mit potenziellen Sponsoren in Kontakt treten

Terence Dürauer

Die Bindung an den Verein ist überall eine großes Thema. Wie geht der OMTC das an?

Dürauer: Wir führen regelmäßige Veranstaltungen durch, beispielsweise zweimal im Jahr einen »Tag der Anlage«. Dort laden wir Mitglieder ein, bei der Pflege der Anlage zu helfen. Beim vergangenen Einsatz waren es über 40 Personen, die geholfen haben.

Sie verzichten also auf verpflichtende Arbeitsstunden und Geldstrafen, falls diese nicht gleistet werden?

Dürauer: Das Modell haben wir im Vorstand natürlich diskutiert. Wir sind diesen Schritt aber nicht gegangen, weil wir schauen wollten, ob sich das auf freiwilliger Basis etabliert. Das ist der schönere Weg, und auf diesem sieht es momentan sehr gut aus.

Wie bewerten Sie die Entwicklung im Verein insgesamt?

Dürauer: Wir sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen, haben aktuell rund 350 Mitglieder und tun alles dafür, dass diese Entwicklung noch nicht am Ende ist. Das Potenzial für Tennis ist auf jeden Fall da, auch wenn es nicht mehr so stark ist, wie in den Achtzigern, als es Richtung Warteliste und Aufnahmestopp ging.

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350 Mitglieder sind für den OMTC sicher eine starke Zahl. Allein 74 Mitglieder sind maximal 14 Jahre alt. Setzt die Infrastruktur beim Wachstum bald eine Grenze?

Dürauer: Da haben wir noch Luft. In den Achtzigern waren es rund 500 Mitglieder. Auch wenn es schön wäre, bin ich mir nicht so sicher, ob wir da so schnell wieder hinkommen. Aber: Die Zahl bei den bis zu 14-jährigen Mitgliedern ist in den vergangenen Jahren signifikant gestiegen. Mit unseren acht Plätzen sind wir gut aufgestellt und weit davon entfernt, in Stoßzeiten damalige Wartezeiten von zwei Stunden zu erreichen. Wir planen auch langfristig und sind auf dem richtigen Weg, sodass die Zahl 500 durchaus eines unserer Ziele ist.

In anderen Vereinen wird das Angebot speziell auf Senioren ausgelegt. Auch beim OMTC sind knapp zwei Drittel der Mitglieder mindestens 40 Jahre alt.

Dürauer: Uns ist wichtig, dass wir für alle Altersbereiche und sportlichen Ambitionen interessant sind.

Wie sehen denn die sportlichen Zielsetzungen in dieser Saison aus?

Dürauer: Wir haben mit den Damen 60 erstmals in der Vereinsgeschichte eine überregional spielende Mannschaft. Der Klassenerhalt in der Regionalliga wäre natürlich großartig. Gleiches gilt für die Herren 40, die den Aufstieg in die Hessenliga geschafft haben. Ganz wichtig ist aber der Spaß am Spiel.

Ihre Herrenmannschaft spielt in der Gruppenliga, die Damen in der Bezirksliga. Besteht mittelfristig nicht die Gefahr, dass ambitionierte Spieler den Verein deswegen verlassen?

Dürauer: Das ist natürlich ein Problem. Südlich von uns gibt es einige Vereine, mit deren Finanzkraft wir nicht konkurrieren können und wollen. Natürlich ist es schön, wenn so viele OMTC-Mannschaften wie möglich hochklassig spielen. Aber uns ist wichtig, kein Strohfeuer entstehen zu lassen, das aufhört zu brennen, sobald Geldmittel versiegen.

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Für externe Sponsoren ist Tennis aber selten eine lukrataive Investition.

Dürauer: Das ist ein schwieriges Feld. Häufig wirkt es wie eine Frage nach einer Spende, wenn wir mit potenziellen Sponsoren in Kontakt treten. Es ist eine große Herausforderung, Beziehungen aufzubauen, die beiden Partnern nutzen.

Insgesamt klingt das alles nach einem großen Puzzle, das beim OMTC nach und nach fertiggestellt wird.

Dürauer: Das klingt ein bisschen zu sehr nach Zufall. Wir haben schon einen klaren Plan für alle Bereiche, die auch mit diversen Aktionen hinterlegt sind. Diesen Plan wollen wir nach und nach umsetzen. Alles auf einmal geht nicht, schließlich ist Tennis auch für uns im Vorstand immer noch eine Freizeitbeschäftigung.

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