19. Juli 2018, 22:23 Uhr

American Football

Frankfurt Universe: Zusammengerückt für den Traum vom German Bowl

Frankfurt Universe wollte die Top-Teams in der German Football League wieder ärgern, vielleicht sogar den German Bowl gewinnen. Doch dann ging es erst einmal nur ums Überleben.
19. Juli 2018, 22:23 Uhr
David Giron und die Frankfurt Universe träumen nach einer turbulenten Saison vom German Bowl. (Foto: A2/Hartenfelser)

Es hätte schief gehen können. Auflösungserscheinungen hätte es geben können. Die Verantwortlichen der Frankfurt Universe wussten zu Saisonbeginn nicht, ob das nächste Spiel überhaupt steigen kann. Doch fast alle Leistungsträger blieben in Frankfurt, nahmen die brenzlige Lage als Herausforderung an – und eilten von Erfolg zu Erfolg. In sechs von sieben GFL-Spielen verließen die »Men in Purple« als Sieger das Feld, mussten sich nur dem amtierenden Deutschen Meister Schwäbisch Hall Unicorns geschlagen geben.

»Uns war es wichtig, dass wir transparent sind. Die Jungs sollten die Entwicklungen rund um den Verein von uns und nicht durch die Medien erfahren«, erläutert Headcoach Brian Caler, der erst Anfang Januar eine Vollzeitstelle bei der Universe angetreten hat. »Wir haben sehr viele Gespräche geführt und den Jungs gezeigt, dass sie uns vertrauen können. Ich bin sehr beeindruckt, wie fokussiert sie immer waren.«

Fast vier Monate ist es mittlerweile her, dass die Frankfurt Universe Betriebs GmbH einen Insolvenzantrag stellte. Zwischenzeitlich sah es nach einem vorzeitigen Saisonende aus. Der Rückzug von Hauptsponsor Samsung stand im Raum. Und Stadionbetreiber FSV Frankfurt GmbH wollte den Klub aufgrund von Mietrückständen nicht mehr am Bornheimer Hang spielen lassen. Und viele Fans blieben fern – oder tobten. Denn erworbene Dauerkarten verloren ihre Gültigkeit. Insolvenzverwalter Thomas Rittmeister hatte daher alle Hände voll zu tun, um neues Vertrauen aufzubauen. Er erzielte nicht nur eine neue Vereinbarung zur Nutzung der Spielstätte, sondern hielt auch Sponsoren – und gewann sogar neue hinzu.

Auf Augenhöhe mit Top-Klubs

Mittlerweile ist die komplette Saison gesichert – und damit lebt bei Spielern und Verantwortlichen auch wieder der Traum vom Gewinn des German Bowl. »Nach den bisherigen Leistungen können wir nicht sagen, dass wir nicht zu den Favoriten zählen«, weiß Defensive Coordinator Thomas Kösling und ergänzt: »Wir bewegen uns mit den Top-Teams Schwäbisch Hall Unicorns und Braunschweig Lions auf Augenhöhe. Fakt ist aber, dass wir gegen beide Mannschaften noch nie gewinnen konnten.«

Seit 2016 spielen die »Men in Purple« im deutschen Oberhaus und galten auf Anhieb als Spitzenteam. Doch in den Spielen gegen die zwei »Großen« bekamen sie stets die Grenzen aufgezeigt. Vor allem wohl deshalb, weil Schwäbisch Hall und Braunschweig in puncto Erfahrung weit voraus sind. Beide Klubs können seit vielen Jahren auf ein eingespieltes Gefüge zurückgreifen, während sich die Universe immer wieder im Umbruch befand. Vor allem auf der Position des Quarterbacks, dem zentralen Akteur im American Football. Ende Mai verletzte sich Steve Cluley am Knie. Sein vorzeitiges Saison-Aus schmerzte. Doch die Verantwortlichen hatten ein glückliches Händchen, holten mit Andrew Elffers einen Spieler, der sich als adäquater Ersatz entpuppte und im jüngsten Match bei den Allgäu Comets (66:7) fast alle Pässe an den Mann brachte.

Drei Wochen Pause hatte die Mannschaft vor dem Allgäu-Spiel, derzeit hat sie eine weitere dreiwöchige Pause. 14 Tage gab das Trainerteam den Spielern frei, danach beginnt die Vorbereitung auf die heiße Saisonphase vor den Playoffs. »Wir haben uns in der ersten Saisonhälfte zu viele Strafen geleistet«, weiß Kösling. »In den nächsten Spielen müssen es weniger sein. Sonst könnte uns das zum Verhängnis werden.«

Dass die oftmals vermeidbaren Strafen bislang nicht ins Gewicht fielen, liegt auch am großen Leistungsgefälle in der Südgruppe. Früh hatte sich angebahnt, dass Schwäbisch Hall und Frankfurt die Süddeutsche Meisterschaft unter sich ausmachen werden. Selbst die Marburg Mercenaries können als Tabellendritter nicht annähernd mithalten, bezogen in Frankfurt eine heftige 7:63-Klatsche.

Headcoach Caler glaubt aber nicht daran, dass sich der fehlende Wettbewerb in den Playoffs gegen die Nord-Teams als Nachteil erweisen könnte. »Der Spieltag ist nur der Test, gearbeitet wird unter der Woche. Unsere Spieler werden in den Playoffs ab Ende September bereit sein, weil wir sie sehr fordern«, sagt der US-Amerikaner, der bis dahin auf die Rückkehr von Joe Bergeron hofft. Der US-amerikanische Runningback ist nach einer Sprunggelenksverletzung noch nicht zurück im Trainingsbetrieb, macht aber in der Physiotherapie sehr gute Fortschritte. »Wir können Joe natürlich gut gebrauchen, machen ihm aber überhaupt keinen Druck«, betont Caler. »Wir sind sehr gut besetzt und haben allen Grund selbstbewusst aufzutreten.« Das wollen die »Men in Purple« vor allem am 5. August tun, wenn Schwäbisch Hall seine Visitenkarte im Stadion am Bornheimer Hang abgeben wird.

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