09. Juni 2017, 12:00 Uhr

Vereinstreue

Florian Großmann und Philipp Möbs – Wenn Legenden gehen

Florian Großmann und Philipp Möbs haben drei Dinge gemeinsam: Sie spielen gerne Handball, sie waren immer beim selben Verein und sie beenden nun ihre aktive Laufbahn: Ein Doppelinterview.
09. Juni 2017, 12:00 Uhr
Auf Wiedersehen: Florian Großmann verlässt zum Saisonende die HSG Münzenberg/Gambach. (Foto: Nici Merz)

Mit den Worten »Dahäm is Dahäm« erklärte einst Fußball-Legende Fritz Walter in waschechtem pfälzisch die Tatsache, Transferangebote anderer Vereine abgelehnt zu haben und seinem 1. FC Kaiserslautern die Treue zu halten. Er ist damit neben Uwe Seeler zum großen Sinnbild für Vereinstreue geworden. Im Handballsport haben sicherlich die beiden 78er-Weltmeister Heiner Brand und Horst Spengler den Status des »großen Fritz« inne. Früher blieben Spieler ihrem Verein oftmals ein Leben lang treu. Das hat sich geändert.

Was für den großen Sport gilt, findet sich auch an der Basis wieder. Im Amateurbereich verbindet man mit dem Mannschaftssport Attribute wie Mannschaftsgeist, Geselligkeit, Wir-Gefühl und Solidarität mit Mannschaftskameraden und Verein. In der Wetterauer Handball-Szene haben zum Ende der Spielzeit 2016/2017 mit Florian Großmann (HSG Münzenberg/Gambach) und Philipp Möbs (HSG Mörlen) zwei Spieler in den ersten Mannschaften ihrer Vereine ihre Laufbahnen beendet. Beide waren herausragende Spieler, nicht nur ihrer HSG, sondern der Region. Sie verkörperten all das, was man mit dem Begriff Vereinstreue verbindet.

Was war für Sie der auslösende Faktor, Handball zu spielen?

Philipp Möbs von der HSG Mörlen. beendet zum Saisonende seine Laufbahn in der ersten Herre...

Florian Großmann: Meine Eltern haben es mir quasi in die Wiege gelegt. Beide waren Handballer. Außerdem spielten auch viele meiner Freunde Handball.

Philipp Möbs: Wir hatten einen Handballverein im Ort, bei dem viele meiner Freunde spielten.

Welche Person oder welcher Trainer hat Ihre Karriere nachhaltig beeinflusst?

Großmann: Zunächst die Vereinstrainer Stefan Wiebach und Bernd Walter. Weiteren Feinschliff haben mir dann Stefan Mappes und Claus Well verpasst. Auch von den Auswahltrainern Eberhard Lang, Frank Hansel, Louis Rack, Martin Ewinger und Wolfram Spengler habe ich profitiert.

Möbs: Sven Tauber, Dirk Marker und Bernd Geffert.

Mannschaftssportler zu sein bedeutet, Teil eines großen Ganzen zu sein

Philipp Möbs

Was bedeutet es für Sie, ein Mannschaftssportler zu sein?

Großmann: Eigene Interessen in den Hintergrund stellen zu können und im Sinne des Teams zu arbeiten. Sich ein- und unterzuordnen, um erfolgreich sein zu können. Es heißt, als erfahrener Spieler gewisse Dinge und Tipps an jüngere weiterzugeben und dadurch einen Wissenstransfer herzustellen. Aber auch wir alten Spieler können von den Jungen viel mitnehmen.

Möbs: Es bedeutet, Teil eines großen Ganzen zu sein. Der dazugehörige Teamgeist innerhalb einer Mannschaft fasziniert mich und hat mich immer angespornt, das wird auch der Punkt sein, den ich am meisten vermissen werde

Gab es während Ihrer Zeit bei der HSG einen Moment, in dem Sie Ihren Verein verlassen wollten?

Großmann: Nein, zu keiner Zeit.

Möbs: Nein, den gab es nie.

Was war der Grund beim Heimatverein zu bleiben?

Großmann: Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt, wir waren sozusagen eine große Familie. Bei uns haben alle immer wegen der Kameradschaft und dem tollen Umfeld im gesamten Verein gespielt.

Möbs: Ich hatte super gute Freundschaften innerhalb der Mannschaft und des Vereins. Mir hat das Spielen für meinen Verein immer Spaß gemacht. Ich wollte meine Mannschaft einfach nicht im Stich lassen und vor allem nie gegen meinen Verein, gegen meine Freunde spielen. Wenn ich den Verein gewechselt hätte, wäre ein gewisser Leistungsdruck da gewesen. Den wollte ich mir nie auferlegen, da Handball für mich ein Hobby ist, das Spaß machen muss und für dass ich keinen Druck benötige.

Hand aufs Herz: Was war das attraktivste Angebot, dass Ihnen vorlag?

Großmann: Das hat ich als Nachwuchsspieler von der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen bekommen, mit der Perspektive bei den Profis mittrainieren zu können. Als Aktiver hatte ich eine Anfrage eines Oberligisten aus der Region.

Möbs: Ich bin lediglich einmal mal aus Neugier auf ein detaillierteres Gespräch eingegangen. Ansonsten hat sich das erübrigt, da ich zu keiner Zeit in Erwägung gezogen habe, den Verein zu wechseln.

ei uns haben alle immer wegen der Kameradschaft und dem tollen Umfeld im gesamten Verein gespielt

Florian Großmann

Was waren im Rückblick gesehen, das herausragende Ereignis und das negativste Erlebnis Ihrer Karriere?

Großmann: Positiv waren die knappen Entscheidungsspiele um die A-Jugend-Oberliga-Meisterschaft gegen den TV Hüttenberg vor über 1000 Zuschauern. So etwas erlebt man als Amateursportler nicht oft. Dazu die Hessenmeisterschaft und die inoffizielle Südwestdeutschen Meisterschaft in der D-Jugend. Negativ waren die Verletzungen wie ein Kreuzbandriss und diverse Muskelfaserrisse. Sportlich war das zudem der Abstieg aus der Landesliga.

Möbs: Die Aufstiege in die Bezirksoberliga mit der ersten Mannschaft waren die Höhepunkte. Demgegenüber steht der Abstieg in die A-Klasse.

Wird man Sie in Zukunft in einer anderen Funktion im Handball erleben, oder haben Sie unter das Thema einen Schlussstrich gezogen?

Großmann: Da ich im Vorstand der HSG tätig bin, bleibe ich dem Handballsport erhalten. Eventuell später in einer anderen Funktion. Jetzt heißt es erstmal, Abstand gewinnen und der Familie mehr Zeit zu widmen.

Möbs: Ich werde mich nicht ganz aus dem Verein herausziehen, aber keine offizielle Funktion übernehmen. Wenn Not am Mann ist, werde ich auch gerne noch als Spieler aushelfen.

Warum beenden Sie gerade jetzt Ihre Spielerkarriere?

Großmann: Da gibt es mehrere Gründe: mehr Zeit für die Familie zu haben, die meine Handball-Leidenschaft all die Jahre tapfer ertragen hat, größere berufliche Beanspruchung durch meine neue Tätigkeit als Filialleiter in Bad Nauheim und schließlich die Gesundheit und der Körper. Gerade mein Knie macht sich hier stark bemerkbar.

Möbs: Es wurde in der Vergangenheit zeitlich immer enger. Meine Trainingsbeteiligung gerade in der Vorbereitung wurde sehr rar, was ich dann die ganze Runde über gemerkt habe. Aus diesem Grund habe ich mich jetzt aus der ersten Mannschaft zurückgezogen.

Was bleibt im Rückblick haften?

Großmann: Durch den Handball habe ich vor allem gelernt, aus Rückschlägen gestärkt hervorzugehen. Ich habe viele tolle Menschen kennen gelernt und so manche Freundschaft geschlossen.

Möbs: Viele sehr schöne Erinnerungen, an Erfolge, die dazugehörigen Feiern und sehr enge Freundschaften. Die Stimmung in der Halle bei Heimspielen, den Teamgeist und den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft, aber auch im Verein und, und, und. Das kann man alles gar nicht aufzählen.

Welchen Ratschlag können Sie dem Nachwuchs Ihres Vereins geben?

Großmann: Neben der eigenen Entwicklung darf man nie den Blick auf die Gemeinschaft verlieren. Man soll sich immer bewusst machen, was es heißt, Mannschaftssport auszuüben, nämlich, dass es immer noch andere Personen gibt, die sich auf mich verlassen. Man sollte immer ein Ziel vor Augen haben, welches man erreichen will.

Möbs: Immer am Ball bleiben, auch wenn es mal nicht so super läuft oder der Trainer auch mal nicht der bester Freund ist.

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