09. Januar 2020, 12:00 Uhr

DER WERBEBLOCK

Fair, fordernd, Ultimate Frisbee

Sie werfen eine Scheibe durch die Halle, und der »Spirit of the Game« ist die wichtigste Regel. Eine Frage muss erlaubt sein: Was macht ihr da?
09. Januar 2020, 12:00 Uhr
Ultimate Frisbee bei Fun-Ball Dortelweil ist noch recht unbekannt. Das soll sich bald ändern. FOTO: ESA

Nur wenige Zentimeter trennen die beiden Gesichter voneinander. Der Verteidiger reizt das Mögliche maximal aus und steht unmittelbar vor seinem Gegenspieler, um ihm die Sicht und die Bewegungsfreiheit zu nehmen. In manchen Sportarten würden an dieser Stelle die Alarmglocken schrillen. Aber nicht hier. Willkommen beim Ultimate Frisbee - »der fairsten Sportart der Welt«. So bewirbt sich Ultimate Frisbee selbst.

In der Sporthalle der Europäischen Schule (ESRM) in Bad Vilbel feiert an diesem Freitagabend die Badminton-Abteilung des SV Fun-Ball Dortelweil ihre Weihnachtsfeier. Allerdings gehört ein Viertel der Halle einer kleinen Gruppe, die seit rund zwei Jahren den Verein um eine Sportart bereichert hat: Ultimate Frisbee. »Der Sport war im Verein schon immer populär, oft wurde bei Vereinsveranstaltungen Ultimate gespielt. Irgendwann kam die Nachfrage, ob wir das nicht als feste Sparte anbieten wollen«, erzählt Abteilungsleiter Lars Meyer. In die Wege geleitet hat das Ganze Niklas Hübel. Der 24-jährige Mechatronik-Student hatte schon Erfahrungen mit dem Sport, absolvierte zudem eine Fortbildung als Trainer.

Das Spiel ist einfach zu verstehen. Ziel ist es, die 175 Gramm leichte Scheibe in der Endzone des Gegners zu fangen - ähnlich zum Football. Auf dem Großfeld unter freiem Himmel wird »Sieben gegen Sieben« gespielt, unter dem Hallendach »Fünf gegen Fünf«. Allerdings ist, wie eingangs erwähnt, kein Körperkontakt erlaubt, der Spieler in Scheibenbesitz darf zudem keine Schritte zurücklegen. Nur wenn er die Scheibe fängt, darf er so viele Schritte machen, wie er zum Stehenbleiben braucht.

Schwierige Spielersuche

Ultimate Frisbee ist eine Kombination aus vielen taktischen Elementen, aber man muss auch physisch fit sein - laufen, werfen, springen. Viele kurze Antritte, um sich in der Offensive vom Gegenspieler zu lösen, wechseln sich mit langen Sprints ab, wenn es in die andere Richtung geht. Die »alten Hasen« lösen dafür viele Situationen mit Köpfchen. Je erfahrener man ist, desto mehr helfen eine gute Wurftechnik und das Auge, um Spielsituationen zu erkennen. Vor allem indoor haben gute Werfer Vorteile, während outdoor Athletik und Taktik das Spiel prägen.

Geregelt wird alles ohne Schiedsrichter, das ist gleichzeitig die wichtigste Regel: der »Spirit of the Game«. Dort heißt es: »Alle Spieler sind dafür verantwortlich, die Regeln zu befolgen. Es wird davon ausgegangen, dass kein Spieler absichtlich die Regeln bricht.« Das funktioniert, wie die Praxis vor einem Jahr bei Frisbee Fieber Gießen zeigte. Beim entscheidenden Aufstiegsspiel zur ersten Indoor-Bundesliga der Männer stand es gegen Würzburg kurz vor Schluss 12:12. Gießen nahm eine Auszeit, hatte aber schon die erlaubten zwei Besprechungspausen pro Halbzeit genutzt. »Keiner war sich sicher, wer nun im Anschluss die Scheibe bekommt, also haben wir gemeinsam nach einer Lösung im offiziellen Regelwerk des Verbandes nachgeschaut«, sagte Gießens Abteilungsleiter Christian Senft. Das Smartphone spuckte aus: Scheibenbesitz Würzburg. In der Verlängerung erzielte Gießen den ersten Punkt und stieg auf.

Ganz so weit sind sie aus sportlicher Sicht in Dortelweil noch nicht. Das liegt einerseits daran, dass Ultimate Frisbee noch recht unbekannt ist. Andererseits, so Meyer, »ist die Trainingszeit am Freitagabend nicht optimal und erschwert es, neue Spieler zu finden. Der Großteil der Gruppe kannte sich vorher schon durch andere Abteilungen beim SV Fun-Ball«. Im Sommer wird die Scheibe über den Sportplatz an der ESRM geworfen, da beginnt das Training auch 90 Minuten früher. »Da sind wir in der Regel auch mehr Leute«, sagt Meyer.

Was noch fehlt, ist die Wettkampferfahrung. Hin und wieder sind die Fun-Baller bei Turnieren dabei, doch auch hier gibt es ein elementares Problem, das mehr Spielpraxis oder sogar die Teilnahme am Ligabetrieb verhindert. »Es müssen, je nach Vorgabe, meistens mindestens zwei Frauen auf dem Feld und mindestens drei im Kader stehen«, sagt Meyer. Da habe es die nebenan feiernde Badminton-Abteilung, die ähnliche Regularien zu befolgen hat, einfacher. »Das ist hier im Verein deutlich populärer«, sagt Meyer.

Um Ultimate Frisbee ins Rampenlicht zu rücken, wurde der Sport auch auf der Vereinshomepage besser beworben und steht nun unter »Frisbee und Fun-Sports« in einer Reihe mit Badminton, Basketball und Handball. Es sei ein Anfang, jetzt soll der nächste Schritt folgen, sagt Meyer: »Wir freuen uns über jeden Neuzugang, der bei uns Ultimate Frisbee spielen möchte.«

Ultimate Frisbee ist der geilste Sport, weil »viel Taktik ein einfaches Spiel verändern kann und Koordination und Kondition selten so verbunden werden wie beim Ultimate Frisbee«, sagen die Dortelweiler Spieler.

Trainingszeiten sind freitags von 19.30 bis 21 Uhr in der Sporthalle der Europäischen Schule Rhein Main in Bad Vilbel-Dortelweil, im Sommer von 18 bis 20 Uhr auf dem Sportplatz an der Europäischen Schule.

Die Fix-Kosten pro Jahr liegen bei 117,60 Euro Mitgliedsbeitrag (9,80 Euro pro Monat). Dazu kommt je nach Bedarf Sportkleidung sowie Sportschuhe für Rasen und Hallenboden. (esa)

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