31. Dezember 2017, 10:00 Uhr

EC Bad Nauheim

Enthusiasmus im Ehrenamt: Andreas Ortwein feiert seinen 40. Geburtstag

Er sitzt in Vorständen, in Beiräten und Ausschüssen. In Hilfsprojekten ist er ebenso engagiert wie der Politik und dem Sport. Alles in der Freizeit. Andreas Ortwein lebt und liebt das Ehrenamt.
31. Dezember 2017, 10:00 Uhr
Ein ehrenamtlicher Tausendsassa: Andreas Ortwein ist vielerorts engagiert. Morgen feiert der Geschäftsführer des EC Bad Nauheim seinen 40. Geburtstag. (Foto: Chuc)

EC Bad Nauheim


Feuerwehr, Gesangsverein, Vereinsring(e), Sportverein(e), Fanklub, Förderverein(e) – die Liste der Vereinsmitgliedschaften ist lang. Sie umfasst sage und schreibe 16 Klubs, zeigt aber dennoch nicht das komplette Spektrum des Jubilars. Im Winter 2007/08 hatte er seiner Jugendliebe, den Roten Teufeln, Unterstützung angeboten und trägt – mit kurzer Unterbrechung – auch zehn Jahre später noch immer Verantwortung; nun in der Deutschen Eishockey-Liga 2. Einst war nur von einem Übergangsjahr die Rede. Inzwischen ist aus einem 500 000 Euro-Budget ein 2,5 Millionen-Euro-Etat geworden. Amtsmüdigkeit lässt er nicht erkennen, gerade mit Blick auf die Spielstätte, die auf diesem sportlichen Level nicht mehr zeitgemäß ist. »Wir haben den Standort zehn Jahre lang entwickelt und sind nun in einer ganz entscheidenden Phase, in der wir an Grenzen stoßen, in der es darum geht, perspektivisch ein Projekt auf den Weg zu bringen, damit diese Arbeit nicht umsonst war.«

Mitglied in 16 Vereinen 

Ortwein, der mit seinem älteren Bruder Michael sowie seiner jüngeren Schwester Susanne in Nieder-Weisel aufgewachsen ist und dort auch heute auch wieder lebt, hat schon früh Führungsaufgaben übernommen. Ob als Klassensprecher während seiner Zeit am St. Lioba-Gymnasium oder als Kapitän der Tennis-, Tischtennis- oder Fußballmannschaft. Wenige Tage nach Abschluss seiner Ausbildung im Logistikunternehmen Rhenus, wo er heute als Einkaufsleiter tätig ist, wurde ihm die Aufgabe als stellvertretender Betriebsleiter anvertraut.

In den Fußstapfen des Vaters

In seiner Heimat beerbte er seinen Vater, als dieser 2004 schwer erkrankt war, als Vorsitzender des Vereinsrings. Planung und Bau der dortigen Mehrzweckhalle hat er begleitet, ebenso war er in die Organisation des Hessentages 2007 in Butzbach involviert. Seit dem 2016 repräsentiert er die SPD im Ortsbeirat. »Ich fühle mich meiner Heimat verbunden und denke, dass es durchaus einige Dinge gibt, die dort angeschoben werden sollten.« Seit zwölf Jahren ist Ortwein zudem Vorsitzender des Prüfungsausschusses für Logistikfachkräfte der Industrie- und Handelskammer. Ein »Steckenpferd«, wie er sagt, welches ihn auch schon über zehn Jahre begleitet, ist der Elternverein für leukämie- und krebskranke Kinder in Gießen. »Das erdet und schärft das Bewusstsein. Im Leben gibt es weit Schlimmeres als eine sportliche Niederlage.«

Als Workoholic sieht er sich nicht. »Nicht alles ist das, was andere als Arbeit bezeichnen. Vieles ist Spaß, Freude und erfüllt mich. Ich nehme auch nur wenig Zeit für mich selbst in Anspruch und kann auch abends sehr gut abschalten«, sagt Ortwein. Die tägliche Fülle an Aufgaben und Fragestellungen benötige ein hohes Maß an Disziplin. Die Entscheidung – mal eine Therme oder doch die Geschäftsstelle zu besuchen – stelle sich nicht. »Für den EC muss ich 100 Prozent bringen. Ich habe mich freiwillig in die Situation begeben, und zu dieser Verantwortung stehe ich.«

Ein hoher Preis

Den Umgang mit Kritik hat Ortwein gelernt. »In dem Umfeld, in dem ich mich bewege, gibt es selten Lob und oft Gegenwind. Ein Geschäftsführer wird nie auf der Seite der Helden stehen. Diese Rolle ist den Spielern überlassen. Wegen ihnen kommen die Menschen ins Stadion. Als Fan habe ich früher auch selbst so gedacht. Wenn man Verantwortung hat, trifft man zu einem gewissen Prozentsatz auch falsche Entscheidungen. Keiner ist davon frei. Aber nur wer Verantwortung trägt, kann auch Fehler machen.«

Die wichtigste Entscheidung in seinem Leben habe er allerdings im persönlichen Bereich treffen müssen, damals als Betreuer seines schwerkranken Vaters. »Das sind Dinge, die man nie vergisst, die einen prägen.«

Perspektive schaffen

Das zeitintensive Engagement fordert einen hohen Preis; gerade im privaten Bereich. Rund die Hälfte seiner Urlaubszeit gehen für den EC oder aber die Arbeit im DEL 2-Ausschuss drauf. Zwei Beziehungen, die oft zurückstehen mussten, sind zerbrochen. Im Urlaub, so richtig klassisch, war Ortwein schon lange nicht mehr. Der Wunsch nach privater Zeit werde aber stärker, sagt er im WZ-Gespräch. Solange er aber Gesundheit, den Willen sowie das Vertrauen der Gesellschafter spüre, wolle er weiter an der Perspektive für den Standort Bad Nauheim mitarbeiten.

Seine Wünsche zum Geburtstag und Jahreswechsel: »Zum einen möchte ich in den nächsten zehn Jahren mehr Zeit für Familie, Freunde und Dinge haben, die ich in den letzten zehn Jahren nicht hatte. Zum anderen erhoffe ich mir bei Sponsoren, Fans und der Stadt Verständnis und wirtschaftliche Unterstützung für unseren Weg und wünsche mir, irgendwann als Fan in einer modernen Arena mit einem wettbewerbsfähigen Umfeld zu sitzen und die Spiele der Roten Teufel verfolgen zu können.«

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