26. Juli 2020, 07:00 Uhr

Eine Familie auf der Überholspur

Fünf Menschen - eine Leidenschaft. Bei der Butzbacher Familie Dörr dreht sich alles um schnelle Autos - beruflich und privat. Mit der Dörr Group besitzen die Eltern nicht nur ein Unternehmen für exklusive Fahrzeuge, sondern auch einen eigenen Rennstall, in dem die drei Söhne das Zepter in der Hand halten.
26. Juli 2020, 07:00 Uhr
Familienbetrieb Dörr (v. l.): Motorsport-Chef Robin Dörr, GT 4-Fahrer Phil Dörr, Mutter Evelyn Dörr als Mitglied der Geschäftsführung, Firmeninhaber Rainer Dörr und Ben Dörr als jüngster Sohn wollen auch zukünftig die deutsche Motorsportszene aufmischen. FOTO: NICI MERZ

Rainer Dörr hatte keine große Wahl, Autos sind seine Leidenschaft. In eine Familie hineingeboren, in der der Vater ein BMW-Autohaus führte, war früh klar, wo die Reise hinführt: »Ich habe mit zehn Jahren schon in der Werkstatt gestanden und Autos repariert«, sagt der 49-Jährige heute. Inzwischen führt er sein eigenes Auto-Imperium in der Frankfurter »Klassikstadt«.

Als Elfjähriger beginnt der gebürtige Langgönser Motocross beim örtlichen AMC zu fahren, wird sogar deutscher Juniorenmeister, später ist er jahrelang Vereinsvorsitzender. Auch eine Wahl, die ihn wohl sein ganzes Leben nicht mehr loslassen wird - denn noch heute ist er mit dem hauseigenen Team dem Motorsport verbunden. Seine Liebe gilt inzwischen allerdings den Tourenwagen. Schon im BMW-Autohaus fangen ein Freund und er an, ein Auto für das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring zu bauen. »Dann ging das von selbst immer weiter - immer schneller, immer höher. Wer einmal im Motorsport ist, kommt nicht mehr raus - es ist wie eine Droge«, sagt Dörr. »Gerade die Anfänge waren eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte. Da habe ich viel gelernt«.

Auch damals schon an seiner Seite: Frau Evelyn. Die gebürtige Berstädterin wächst mit Grasbahnrennen in Echzell und schraubenden Brüdern auf dem Hof auf. »Da war ich schon immer mit dabei, das hat mich interessiert. Richtig zum Motorsport bin ich aber erst durch Rainer gekommen«, sagt sie, die heute Mitglied der Geschäftsführung der Dörr Group ist. Rainer Dörr hat drei Söhne: Robin, Phil und Ben. Alle drei sind ebenfalls vom Motorsport-Virus infiziert (siehe Artikel unten).

Steiler Aufstieg seit 2010

Während »Dörr Motorsport« immer schnellere Autos baut und phasenweise bis zu sechs Fahrzeuge gleichzeitig auf dem Nürburgring im Einsatz hat, wächst beruflich der Wunsch nach Veränderung. 2010 bewirbt sich das Familienunternehmen als McLaren-Händler in Frankfurt. »Das war eine wirklich aufregende Zeit. Als dann der Anruf kam, dass wir den Zuschlag bekommen haben, war das ein Meilenstein für uns«, sagt Evelyn Dörr heute.

Es war ein Grundstein: Wie schon der Motorsport zuvor scheinen auch die Supersportwagen die Dörrs nicht mehr loszulassen - auf einen Standort folgen zwei, auf eine Marke inzwischen sieben (siehe Zusatzkasten): »Die Zeit ist wie im Flug vorbeigegangen«, sagt Rainer Dörr. »Aber es kam eben eins zum anderen.«

Auch hierbei habe die Erfahrung aus dem Motorsport geholfen. »Wir leben das Thema. Wir stellen uns bewusst dem härtesten Wettbewerb - dem gegen die Stoppuhr. Erst dann sieht man wirklich, wie gut man ist. Und genau das schätzen unsere Kunden, denn sie nehmen uns auf diese Weise als ernst zu nehmenden Partner wahr«, erklärt der gelernte KfZ-Meister Rainer Dörr. Dennoch sei der Sport nicht nur Hobby, sondern auch Geschäft. Durch Sponsoren und die Vermietung von Cockpits und Autos sei das Ziel seit jeher, am Ende wenigstens eine schwarze Null zu schreiben - aber auch Kunden hautnahe Erlebnisse zu verschaffen.

Auch in Sachen Werte ist der Motorsport schon immer mehr als ein Hobby: »Der Wettbewerb ist für mich das tägliche Leben und das wollen wir auch an unsere Kinder weitergeben, denn auf diese Weise lernen sie mit Erfolg und auch Misserfolg, der im Motorsport sehr hart sein kann, umzugehen. Wenn man das kapiert hat, zudem eigene Ziele und Visionen hat und niemals aufgibt, egal, wie steinig der Weg sein mag, dann ist man für das Leben gut gewappnet«, sagt der dreifache Vater. Für seine Frau und ihn ist aber auch klar: Der Motorsport kann für die Kinder nie alleiniges Berufsziel sein, weshalb mit Sohn Phil mittlerweile auch der zweite Sprössling eine Ausbildung im eigenen Unternehmen macht. »Wenn sich ein Leben als Rennfahrer ergibt, ist das toll, aber es kann auch einfach ein schönes Hobby neben einem normalen Beruf sein«, sagt Mutter Evelyn.

Rennanzug abgelegt

Wenn die Söhne auf der Rennstrecke unterwegs sind, ist Vater Rainer immer »relativ entspannt«. Er teile vielmehr die Faszination für die Boliden mit seinem Nachwuchs, auch wenn er selbst inzwischen nicht mehr fährt: »Ich habe einfach keine Zeit mehr und bin auch nicht mehr so gut wie meine Söhne«, sagt er und lacht. Eine Fähigkeit habe er sich laut seiner Frau aber aus dieser Zeit bewahrt: gute Entscheidungen unter hohem Druck treffen zu können. »Das bewundere ich noch heute an ihm«, sagt sie. Und der Erfolg gibt Rainer Dörr recht.

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