04. Mai 2018, 07:00 Uhr

Fußball-Kreisoberliga

Ein Video, eine Frist und ein Maulwurf

Das Kreissportgericht hat die Entscheidung über den Einspruch des Türkischen SV Bad Nauheim im Kreisoberliga-Top-Spiel beim FC Karben vertagen müssen - und sucht einen Maulwurf.
04. Mai 2018, 07:00 Uhr
Das Kreissportgericht hat die Verhandlung über den Einspruch des Türkischen SV Bad Nauheim gegen Wertung der Partie beim Karbener SV nach wenigen Minuten abbrechen müssen. (Symbolbild: dpa)

Beeinflusst etwa ein Fristversäumnis die Meisterschaft und Relegationsteilnahme in der Fußball-Kreisoberliga Friedberg? Hatte ein Unparteiische gegen die Regeln verstoßen; mit spielentscheidendem Charakter? Muss das Top-Spiel zwischen dem FC Karben, dem Tabellenzweiten, und Spitzenreiter Türkischer SV Bad Nauheim (1:0) deshalb wenige Tage vor Saisonende neu angesetzt werden? Und. Welche Rolle spielt eine Fehlinformation eines Funktionärs? Die Verhandlung über den Einspruch des Türkischen SV Bad Nauheim nach der Partie beim 29. März in Karben wurde am Mittwochabend nach wenigen Minuten von Karl-Ernst Kunkel, dem Vorsitzenden des Kreissportgerichts, unter- und schließlich abgebrochen. Im Sportheim des TSV Dorn-Assenheim blieben viele Fragen offen; auch die nach einem sogenannten Maulwurf.

 

Der Fall:

Das Spiel zwischen dem FC Karben und dem Türkischen SV wurde an Gründonnerstag beim Stand von 0:0 in der 81. Minute durch einen Pfiff von Schiedsrichter Andreas Sekeres (FSV Hailer) unterbunden. Videoaufnahmen, die seit diesem Tag im Internet kursieren, zeigen eine anschließende Handbewegung des Unparteiischen, die vermuten lässt, er habe ein Handspiel des FC Karben kurz vorm eigenen Strafraum geahndet. Dies hätte laut Regelwerk einen direkten Freistoß zur Folge.

Als die FCK-Mauer gestellt und ein »Der ist indirekt«-Ruf vom Spielfeldrand deutlich zu hören waren, hob der Referee den Arm, um schließlich einen indirekten Freistoß zu signalisieren. Erdinc Usta vom Türkischen SV nahm dies offenbar nicht mehr wahr und verwandelte direkt. Sekeres verweigerte dem Treffer die Anerkennung. Wenig später traf der FC Karben und ging als 1:0-Sieger vom Platz.

Von maßgeblicher Bedeutung in der Verhandlung ist deshalb die Frage, ob der Schiedsrichter in der Direkt/Indirekt-Frage gegen die Regeln verstoßen hatte, beziehungsweise, was der Referee denn tatsächlich gepfiffen hatte: ein Handspiel - wie anzunehmen - oder zuvor ein Foul, das dann eine Spielfortsetzung mit einem indirekten Freistoß rechtfertigen würde?

 

Was danach geschah:

Noch in der Nacht nach dem Spiel legte Sinan Can als Spielausschussmitglied des Türkischen SV beim Kreisfußballwart und dem Klassenleiter per Mail Einspruch gegen die Spielwertung »wegen eines spielentscheidenden Regelverstoßes des Schiedsrichters« ein. Auf Nachfrage von Can erteilte Armin Kling als Leiter der Kreisoberliga fälschlicherweise die Auskunft, das Kreissportgericht werde sich mit den Vereinen in Verbindung setzen. Erst Tage später - als Can nun direkt bei Kunkel, dem Vorsitzenden, nachhakt - fällt auf: Das Gericht ist noch nicht tätig geworden, da die Verfahrengebühr in Höhe von 60 Euro ist nicht gezahlt worden. Kunkel gesteht aufgrund der ursprünglichen Fehlinformation eine eintägige Fristverlängerung zu. Die Gebühren werden umgehend überwiesen. Bis zum Verhandlungstag vergehen fast fünf Wochen. Das ist ungewöhnlich lang.

 

Die Verhandlung:

Kunkel (SG Melbach) hatte, flankiert von seinen Beisitzern Günter Schäfer (SV Reichelsheim) und Kurt Kost (KSG Bönstadt), den schriftlich formulierten Einspruch des Türkischen SV vorgetragen und sich die Sachlage von Tufan Tosunoglu als Klubvertreter untermauern lassen. Für den FCK hinterfragte Frank Lindner die Einhaltung der Fristen, worauf Kunkel den verspäteten Gebühreneingang bestätigte. Darauf stellte Lindner schließlich den Antrag auf »Einstellung des Verfahrens wegen Verfristung«. 25 Minuten lang wurde im Kreissportgericht über das weitere Vorgehen beraten. Auch ein Anruf bei Andreas Dietzel vom Verbandssportgericht, der nächsthöheren Instanz, brachte keine endgültige Klarheit. Die Versammlung wurde vertagt. Schnellstmöglich sollen die Klubs über die weitere Verfahrensweise informiert werden. Im Raum blieb die Frage, ob und woher Lindner vom Fristversäumnis des Türkischen SV wusste, wo hier möglicherweise ein Maulwurf sitzt oder ob mit dieser Frage einen Zufallstreffer gelandet wurde.

 

Die Konsequenz:

Die Zeit drängt. Zunehmend. Angesichts möglicher Einsprüche und Fristen wäre eine Neuansetzung, wenn sie denn erforderlich wäre, wohl erst unmittelbar vor dem letzten Spieltag möglich. Da könnten Vorentscheidungen bereits gefallen sein. Wettbewerbsverzerrung könnte drohen.

 

Das sagen die Funktionäre

Karl-Ernst Kunkel (Vorsitzender Kreissportgericht): Ich übe das Amt seit 2012 aus. Aber so einen Fall hatte ich noch nicht.«

Armin Kling (Klassenleiter): »Der Klub hat sämtliche Regularien vorliegen oder kann diese im Internet einsehen und herunterladen. Da ist jeder Verein auch selbst in der Pflicht. Ich kann nicht alle Paragrafen und Bestimmungen im Kopf haben.«

Frank Lindner (Vorsitzender, FC Karben): »Ich kann nichts dafür, dass die Formalitäten nicht eingehalten werden.«

Sinan Can (Spielausschussmitglied Türk. SV): »Ich bin enttäuscht, dass die Bürokratie und nicht der Sport entscheidet. Unter kollegialen Fußballvereinen hätte ich mir diesbezüglich mehr Fairplay gewünscht.« (mn)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bürokratie
  • Fußball
  • Fußballvereine
  • Internet
  • Karl Ernst
  • Kreisfußballwarte
  • Schiedsrichter
  • Spielfeldränder
  • Sportheime
  • Strafraum
  • Tufan Tosunoglu
  • Türkischer SV Bad Nauheim
  • Verhandlungen
  • Vorsitzende von Organisationen und Einrichtungen
  • Michael Nickolaus
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos