30. August 2020, 12:00 Uhr

Ein Umbruch, den so keiner wollte

30. August 2020, 12:00 Uhr
Für Amir Mustafic könnte die neunte Saison beim FV Bad Vilbel seine bislang schwerste werden. ARCHIVFOTO: FROESE

Bereits Ende Mai 2018, als sich der FV Bad Vilbel nach elf Jahren Verbandsliga-Dasein durch die Meisterschaft in der Südstaffel das Hessenliga-Startrecht gesichert hatte, war allen Beteiligten klar: Mit der Rückkehr in die »Beletage« der hessischen Fußballszene erreichte der Klub aus dem Wetterauer Süden das maximal Machbare - mehr ist auf Dauer nicht drin. Sich in der Hessenliga aus dem Abstiegsgerangel herauszuhalten und mit überschaubaren finanziellen Mitteln attraktiven Fußball zu bieten, galt seinerzeit als oberste Direktive - und daran hat sich bis heute nichts geändert. So gesehen, haben sie in der Brunnenstadt eigentlich alles richtig gemacht. Rang zehn im ersten Jahr folgte in der vergangenen Runde Position 13, wobei das bis dato letzte Pflichtspiel der Grün-Weißen Anfang März mit einem 2:1-Auswärtssieg beim TuS Dietkirchen endete und durchaus einen Aufwärtstrend erkennen ließ. Mittlerweile ist jedoch viel Wasser die Nidda hinuntergeflossen und team-interne Änderungen lassen nur einen Schluss zu: Trainer Amir Mustafic und sein Team stehen vor einer weit schwierigeren Saison als zuletzt.

Was hat sich getan? Nimmt man’s ganz genau, beschränkt sich rund ums Niddasportfeld die einzige Konstante aufs Funktionspersonal. Amir Mustafic, 45 Jahre jung und bekanntlich absoluter Experte in Sachen Ausbildung junger, talentierter Fußballer, geht ins neunte Trainerjahr. Ihm zur Seite stehen mit Klubchef Willi Eckhardt, dessen Stellvertreter Andreas Schlatter, Pressesprecher Alexander Juli und dem fürs Administrative verantwortlichen Harald Wilke bewährte Kräfte. Mit im Boot sitzt nun auch Ajdin Maksumic, bislang Stammspieler. Er schlüpft in die Rolle des Co-Trainers. Die Team-Ausstattung betreffend, sieht es anders aus, denn das Spieler- karussell drehte sich ziemlich heftig. Eigentlich nichts Neues beim FV, doch Mustafic stellt klar: »In dieser krassen Form war das eigentlich nicht geplant.« Weil vom »alten« Kader lediglich acht Spieler übriggeblieben sind, und dabei auch so wichtige Cracks wie Adnan Alik, Maximilian Brauburger, Farid Affo, Jonas Grüter oder Alexander Bauscher auf der Verlustliste notiert werden mussten, sah man sich gezwungen, die Fühler nach adäquaten Verstärkungen mehr als sonst so üblich auszustrecken. Summa summarum sind es 15 vorwiegend erst am Anfang ihrer sportlichen Entwicklung stehende Neuzugänge geworden. Ausnahmen sind Vuk Toskovic, Dominik Emmel und der reaktivierte Keeper Robin Orband: »Was die können, ist bekannt«, sagt der FV-Coach.

Schwierige Vorbereitung

Wie läuft die Vorbereitung? »Nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe«, kritisiert Mustafic das Verhalten einiger Kaderspieler während der fußballfreien Zeit, die in Bad Vilbel am 20. Juli mit der ersten Trainingseinheit endete. Die Fitness habe zuweilen zu wünschen übrig gelassen: »Als Folge gab’s Verletzungen, die nie und nimmer hätten sein müssen.« Dass der FV-Übungsleiter im August genau darauf achtete, welcher der neuen Spieler Hessenliga-Tauglichkeit besitzt und wer nicht, versteht sich von selbst. Seine bisherige Analyse: »Vor allem Visar Gashi im Mittelfeld sowie Rayan Bouembe und Ayoub Lahchaychi im Angriff haben gute Ansätze erkennen lassen.« Testspiele, die bislang absolviert wurden, wertete der Bad Vilbeler Trainer unterschiedlich: »Beim Darmstädter Merck-Pokal mussten wir nach einer schwachen Vorstellung gegen den FC Alsbach eine 0:2-Pleite schlucken, später lief es besser. Der 2:0-Erfolg über Rot-Weiß Darmstadt hat gezeigt, dass Qualität vorhanden ist.« Hinzu kamen ein Sieg (3:1 gegen den SC Dortelweil), ein Remis (1:1 gegen Germania Klein-Krotzenburg) und drei Niederlagen (2:3 und 0:1 gegen die Sportfreunde Seligenstadt, 1:3 gegen die JSK Rodgau) - allesamt Resultate, die noch viel Luft nach oben erahnen lassen.

Wie lautet die Zielsetzung? Amir Mustafic ist zwar kein Träumer, doch er hat eine Vision, die ziemlich optimistisch klingt:. »Wenn bei uns alles optimal zusammenpasst und die Spieler ihre Hausaufgaben machen, halte ich eine Platzierung im oberen Tabellendrittel für machbar.« Favoriten zu benennen, fällt ihm schwer: »Viele Vereine haben personell aufgerüstet. Würden Klubs wie Barockstadt Fulda, der FC Hanau 93, der KSV Baunatal oder auch Türk Gücü Friedberg in der Spitzengruppe landen, wäre das für mich keine Überraschung.«

Das sagt der Trainer: »Unser Auftaktprogramm mit Spielen beim SV Neuhof und vor eigenem Publikum gegen den KSV Baunatal ist nicht von Pappe. Alles ist möglich. Was mich stört, ist die Liga-Größe. 20 Vereine sind zu viel. Das hätte man vermeiden können. Ich kann nicht verstehen, weshalb man die Quotientenregel ausschließlich in Aufstiegsfragen angewendet hat. Das wäre am anderen Ende ebenso möglich gewesen und hätte den Terminplan sinnvoll entzerrt.«

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