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EC Bad Nauheim: Warum ein NHL-Klub Kontakt mit den Roten Teufeln aufnimmt

Der weltweite Eishockey-Markt spielt angesichts der Irrungen und Wirrungen durch die Coronavirus-Pandemie verrückt - und bescherte dem EC Bad Nauheim nun einen ungewöhnlichen Anruf.
07. Oktober 2020, 07:00 Uhr
Michael Nickolaus
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Matthias Baldys hat dieser Tage einen ungewöhnlichen Anruf erhalten. (Foto: Chuc)

Matthias Baldys kann in diesen Tagen nichts mehr überraschen. Nicht nach diesem (Corona-)Sommer. Wild sei der Transfermarkt gewesen, jeden Tag auf’s Neue, sagt der Sportliche Leiter der Roten Teufel. Jetzt hat gar ein NHL-Klub Kontakt mit dem Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim aufgenommen; die Edmonton Oilers in Person von Keith Sullivan.

Sullivan ist »Direktor für europäisches Scouting« beim Klub des deutschen Ausnahmestürmers Leon Draisaitl. Die Oliers suchen - wie andere NHL-Klubs auch - einen Partner, um Spieler vorübergehend zu »parken«; sogenannte Prospects - Talente, denen man den Sprung in die NHL zutraut, die sich zunächst aber in der American Hockey League (AHL) oder der East Coast Hockey League (ECHL) beweisen sollten. Die wirtschaftliche Seite ist mit NHL-Klubs im Rücken eher zweitrangig. Das Problem: Ob und wann die zweit- und drittklassigen nordamerikanischen Ligen den Spielbetrieb aufnehmen, ist völlig ungewiss. Eben deshalb soll den Spielern in Europa Spielpraxis verschafft werden.

Diese Profis würden Deutschland voraussichtlich aber direkt wieder verlassen, wenn sich in Nordamerika der Saisonstart abzeichnet. »Eine solche Anfrage ist natürlich sehr charmant. Ob diese Spieler uns aber sofort weiterhelfen, wie wir uns das von unseren Kontingentspielern erwarten, wäre die andere Frage«, sagt Baldys, der mit Trainer Hannu Järvenpää und dessen Assistenten Harry Lange die vier Importstellen vergeben hat. Ohnehin können in diesem Jahr nur sechs Lizenzen im Ausländerbereich genutzt werden (im Vorjahr waren gleich sieben Imports für Bad Nauheim aufgelaufen).

Spieler, deren Namen im Gespräch oder dem Mail-Austausch gefallen sind, kommen meist direkt vom College - ohne Europa-Erfahrung und eben nur für einen unbestimmten Zeitraum. »Wir haben vier erfahrene Ausländer von denen wir überzeugt sind«, sagt Baldys.

Einen Abnehmer hat Sullivan für sein Klientel gefunden; den EC Dornbirn aus der ICE Hockey-League in Österreich. Beim neuen Klub von Vorjahres-Teufel Jesper Kokkila spielen Davin Brosseau (25) und Yanni Kaldis (24), die eigentlich für die Bakersfield Condors in der AHL an die NHL herangeführt werden sollten. Als weiteres Beispiel dienen die Eisbären Berlin. Dort werden sich fünf Spieler der Los Angeles Kings fithalten. Eisbären und Kings gehören beide zur Anschütz-Gruppe. FOTO: CHUC

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