24. März 2020, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: So tickt der neue Trainer

Seine Philosophie, der Reiz der neuen Aufgabe und warum die vergangene Saison die schwerste Spielzeit seiner Trainer-Laufbahn war! So tickt Hannu Järvenpää, der neue Coach des ECBad Nauheim.
24. März 2020, 07:00 Uhr
Hannu Järvenpää tritt beim Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim die Nachfolge von Christof Kreutzer an. FOTO: CHUC

Hannu Järvenpää ist in der Deutschen Eishockey-Liga 2 durchaus ein Begriff. »Trainer des Jahres« wurde er nach der Saison 2016/17. In Weißwasser, bei den Lausitzer Füchsen, hat er mit seiner Arbeit Eindruck hinterlassen. Mit mehr als 500 Spielen als Coach hat er die multinationale Erste Bank Eishockey-Liga Österreich (EBEL) geprägt. Zu Hause, in Finnland, ist er Mitglied der Hall of Fame. Järvenpää war einst WM-Torschützenkönig und hat die Silbermedaille gewonnen. So tickt der künftige Trainer des DEL2-Klubs EC Bad Nauheim!

In Fitness-Studio gehe er gerne (»Wenn der Körper frisch bleibt, bleibt auch der Geist frisch«), er fahre auch gerne Fahrrad. Und mit Rosen und Tulpen kennt sich der frühere NHL-Profi inzwischen aus. Denn seine Frau betreibt in Finnland ein Blumengeschäft. Gemeinsam haben die beiden einen Sohn, zwei Töchter und auch schon ein Enkelkind. Seit 27 Jahren schon leben die Järvenpääs in Helsinki.

Im Telefongespräche mit unserer Redaktion gibt sich der neue Coach der Roten Teufel kommunikativ, interessiert, humorvoll und bestätigt den Ruf, der ihm vorauseilt. Sportkommentator Martin Pfanner, der die EBEL für das österreichische TV-Format »Servus Hockey Night« begleitet, hatte unlängst ein Interview mit dem Finnen in einem persönlichen »Best of« aus zehn Jahren auf Platz zwei eingeordnet. Titel des Beitrags: »Warum man Hannu einfach lieben muss«:

Den ersten Eindruck von Bad Nauheim, seiner neuen zweiten Heimat ab August, hat Järvenpää nicht vergessen. »Das ist sicher nicht der schönste Ort für eine Gast-Mannschaft«, sagt er. Eng ist’s in der Umkleide, kalt, wie auch an jedem 11. Dezember 2016, bei seiner ersten Partie als Gäste-Coach in der Kurstadt. Zuallererst denkt der 56-Jährige aber an die Atmosphäre auf den Rängen. Laut und stimmungsvoll hat er das Colonel-Knight-Stadion noch in Erinnerung. Die Füchse aus Weißwasser gewannen jene Partie am dritten Adventssonntag, beendeten die Hauptrunde auf Platz sechs. Järvenpää verließ die Lausitz während seines zweiten Vertragsjahres und kehrte im Hauruck-Modus nach Székesfehérvár (Ungarn) zurück.

Die Philosophie: Hannu Järvenpää steht für »schnelles und organisiertes« Spiel. Und Ziel sei es, »am Ende ein Tor mehr zu schießen als der Gegner«, fügt er augenzwinkernd an. Durch die Aufhebung der Zwei-Linien-Abseits-Regelung habe Eishockey enorm an Tempo aufgenommen. Mit Felix Bick habe man die Torhüter-Position »sehr gut« besetzt. Denn: »Wenn das Spiel eng ist, entscheiden die Keeper.« Er glaube an den »Erfolg harter Arbeit«. Diese Einstellung erwarte er auch von der Mannschaft. »Man kann nicht jeden Abend seine beste Leistung zeigen, Aber man muss in jeder Partie seine Rolle ausfüllen.« Harter Hund oder Kumpel-Typ? »Ich bin sicher kein Napoleon«, sagt Järvenpää.

Die Entscheidung: Ehrlichkeit, Offenheit und ein positives Umfeld spielen für Järvenpää exponierte Rollen. »Ich hatte bei den Gesprächen einen sehr guten Eindruck von Andreas Ortwein, Matthias Baldys und Harry Lange. Das ist ein starkes, positives Umfeld, das die Möglichkeit für ein erfolgreiches Arbeiten gibt.« Den Standort Bad Nauheim betrachte er mit Respekt. »Hier wird seit fast 75 Jahren gespielt. Das wäre nicht ohne großes Engagement am Standort möglich.« Järvenpää sagt: »Als die Anfrage kam, habe ich mich gefühlt, wie ein dickes Kind in einem Süßigkeitenladen.«

Der Reiz der Rückkehr in die DEL 2: Järvenpää hat in Ljubljana gearbeitet, in Villach und in Székesfehérvár, für drei Klubs der multinationalen Erste Bank Liga Österreich (EBEL). Im November vergangenen Jahres coachte er in dieser Liga seine 500. Partie. »Die Entscheidung, dass ich etwas anderes sehen will, hatte ich schon lange gefällt«, sagt er. Ende Januar war für ihn in Ungarn Schluss. Zum zweiten Mal erst in seiner bis dato 17-jährigen Trainer-Karriere war Järvenpää entlassen worden. In Villach 2016 sei im vierten Jahr die Zeit einfach abgelaufen gewesen. »Und mit dieser Entscheidung konnte ich letztlich auch gut leben.« Nun, in Székesfehérvár, dürfte die Trennung einer Erlösung gleichgekommen sein. Järvenpää spricht von der »mit weitem Abstand schwersten Saison« seiner Trainer-Laufbahn, von »gesundheitlichen Problemen in der Familie«, ohne näher drauf einzugehen. »Das alles ist jetzt vorbei. Die Entlassung war unter diesen Umständen für mich ein Sturm im Wasserglas, mehr nicht.« Mental sei er als Mensch daran gewachsen. »Ich freue mich auf die neue Herausforderungen, freue mich, meine Koffer nach Bad Nauheim zu bringen.«

Die Gegebenheiten in Bad Nauheim: »Ich weiß, dass es im Winter im Stadion sehr kalt ist, und ich weiß, dass das Budget limitiert ist. Aber: In einem guten, positiven Umfeld kann man sich optimal auf die eigene Arbeit konzentrieren. Der Vergleich mit anderen Klubs macht uns nicht besser oder schlechter. Das liegt in unseren Händen. Und ich bin überzeugt, dass wir eine gute Chance haben, das nächste Spiel zu gewinnen, wenn wir uns entsprechend vorbereiten«, sagt Järvenpää. Sein Anspruch an die Mannschaft und sich selbst: »Wir wollen den Fans eine Leistung anbieten, auf die sie stolz sein können.«

Der Kader: »Ich arbeite lieber mit jungen hungrigen als mit alten durstigen Spieler«, bemüht Järvenpää ein altes Sprichwort. Man müsse - parallel zum Umgang mit dem Coronavirus - nun »Organisation und Normalität« in die Zusammenarbeit reinbringen und im Team mit Andreas Ortwein, Matthias Baldys und Harry Lange den »bestmöglichen Kader« zusammenstellen. Vielleicht ein Vorteil in der angedachten Fortführung der Zusammenarbeit mit DEL-Klub Köln. Trainer Uwe Krupp war zu Zeiten Järvenpääs in Weißwasser der Coach der Eisbären Berlin, dem damaligen Kooperationspartner der Lausitzer. »Wir hatten damals viele gute Gespräche. Die jungen Spielern werden uns weiterhelfen, und ich hoffe, wir können zugleich den Haien helfen.«

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