10. März 2020, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Ein Ende mit Ansage

Nach der Saison ist vor der Saison! Beim EC Bad Nauheim werden - begleitend zur Aufarbeitung - die Weichen für die Zukunft gestellt.
10. März 2020, 07:00 Uhr
Abschied von den mitgereisten Fans aus der Wetterau! Für den EC Bad Nauheim ist die Saison nach einer 3:8-Niederlage bei den Dresdner Eislöwen beendet. FOTO: HEIDE

EC Bad Nauheim


Das Ende kam so früh, wie schon lange nicht mehr. Aber es kam mit Ansage. Nach einer Serie von acht Niederlagen aus den letzten neun Spielen ist für den Eishockey-Zweitligisten die Saison 2019/20 beendet. Frei von Abstiegssorgen nach einem herbstlichen Höhenflug, der zum Träumen verleitet und in der Tabelle eine Position vor Klubs wie Bietigheim, Kaufbeuren, Dresden oder dem finanzstarken Aufsteiger Landshut ermöglicht hatte. Belastet aber auch durch die Eindrücke der vergangenen Wochen, in denen die Roten Teufel ihre Position verspielt hatten und die Mannschaft nicht wiederzuerkennen war.

»Natürlich. Mit Blick auf eine mögliche Serie mit Kassel ist das Ausscheiden enttäuschend und frustrierend. Die erste Saisonhälfte hatte den Anspruch noch einmal nach oben geschraubt. Letztlich ist Platz sieben aber sicherlich keine Position, aufgrund derer man sich in Bad Nauheim nun zerfleischen muss«, sagte Andreas Ortwein, der Geschäftsführer, während der Rückreise aus Dresden. Die abschließenden 60 Minuten dort, das 3:8, hatte geradezu symbolisch die Eindrücke der vergangenen Wochen kompakt zusammengefasst. Zu viele Fehler, zu viele Strafzeiten, unterlegen in Über- und Unterzahl, schwach im Abschluss - in der Summe einmal mehr zu viel, um dies allein über Wille und Begeisterung ausgleichen zu können. Der erst zweite Sieg lässt nach vier (Pre-)Playoff-Serien in sieben DEL2-Jahren weiter auf sich warten.

In den kommenden Tagen wird im Kurpark Bilanz gezogen, sportlich und wirtschaftlich natürlich. Und auch strukturell. Gesprächsbedarf gibt’s reichlich. Den Kader und die Transferpolitik - im Rückblick wie vorausschauend - betreffend, die Trainer-Frage, das Budget (Gesamt- wie Kader-Etat). Platz sieben darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass am Ende nur ein Unterschied von gerade einmal vier Zählern die Roten Teufel vor einer Playdown-Teilnahme bewahrte. Gegenüber der Rekord-Saison im Vorjahr haben Bad Nauheim neben 14 Punkten gleich sage und schreibe 46 Treffer (also fast ein Tor pro Hauptrundenspiel) gefehlt; bei einem Gegentor weniger als im Vorjahr; in erster Linie Torwart Felix Bick sei Dank. Mit 26 Toren (nur zwei Tore im letzten Hauptrundenviertel) hatte Andrej Bires, dem seit Wochen schon Einigkeit mit DEL-Klub Nürnberg nachgesagt wird, die Mannschaft durch dreiviertel der Saison getragen. Dahinter kommt lange nichts. Manuel Strodel, zu den Top-Verdienern zählend, brachte es vor seinem Wechsel nach Frankfurt in 33 Spielen auf lediglich vier Treffer. Neben Andreas Pauli (zwölf Tore) fehlte ein weitere deutscher Spieler mit zweistelliger Trefferquote, um beispielsweise das Vorjahres-Duo (Reimer/Krestan) in puncto Scoring zu ersetzen. Marvin Ratmann konnte seinen abschlussstarken Herbst nicht bestätigen, Marcel Kahle war offensiv gänzlich abgetaucht. Die »Kölner« waren mehr zwar als nur Mitläufer, aber - am Anfang ihrer Laufbahn stehend - auch keine tragenden Figuren; von Mick Köhler abgesehen.

Von den offensiven Kontingentpositionen kam darüberhinaus viel zu wenig. Cody Sylvester (24 Tore im Vorjahr) war - durch längere Ausfälle - nur ein Schatten seiner selbst, Tyler Fiddler nach seiner langen Pause ebenfalls nicht mehr der Alte und vom Spielertyp auch nicht mit Dustin Sylvester vergleichbar. Jack Combs steht zudem symbolisch für die heikle wie glücklose transfer-politische Herausforderung, vor der die Funktionäre gestanden hatten; gerade vor dem Hintergrund einer kaufmännischen Gratwanderung mit begrenzten Spielraum.

Strategie-Fragen

(Fehl-)Entscheidungen waren nicht mehr zu regulieren. Gegenüber der Vorsaison fehlen zudem - das Winter-Derby herausgerechnet - rund 200 Zuschauer pro Spiel. Das summiert sich auf einen mittleren fünfstelligen Euro-Betrag, der nun ausgeglichen werden muss. Dass zum Pre-Playoff-Duell, dem zu prognostizierenden letzten Heimspiel am Freitag, nur 2179 Zuschauer kamen und damit gar der Hauptrunden-Schnitt unterboten wurde, spiegelt die Februar-Depression wider.

Parallel zur Aufarbeitung der vergangenen Monate müssen Entscheidungen mit Blick auf die Saison 2020/21 getroffen werden. Das betrifft die Aufstellung auf dem Eis wie auch das Team hinter dem Team. Stichwort: »Off-Ice«-Entwicklung. »Dieser Thematik müssen wir uns stellen. Quer durch die Liga kann man sehen, wie sich die Klubs aufstellen. Intern haben wir Ideen entwickelt, wie es künftig aussehen kann«, sagt Ortwein, der - abgesehen von einer viermonatigen Pause - seit zwölf Jahren als »Frontmann« der Teufel agiert; nebenberuflich. Das ist eine Ausnahmestelle im Profisport und sicher nicht zeitgemäß, zugleich aber aufgrund wirtschaftlicher Zwänge nur schwer, weil auf Kosten andere Positionen, aufzulösen. Spätestens aber, wenn das Thema Multifunktionshalle im Frühjahr Fahrt aufnehmen solle, ist eine Doppelrolle im Tagesgeschäft für den Spielbetrieb sowie strategisch für den Arena-Bau mit sämtlichen begleitenden Frage- und Aufgabenstellungen ohnehin keine tragbare Lösung mehr. Man stehe vor wichtigen Wochen, betont Ortwein.

Sportlich werden sich die Roten Teufel - jetzt, da parallel zur Verzahnung mit der DEL das personelle Wettrüsten beginnt - sicherlich strecken müssen, um mit gleichem Anspruch in die Saison gehen zu können. Die Preise auf dem Spielermarkt ziehen zunehmend an. Neben den »Großen« investieren zunehmend auch Klubs auf Augenhöhe in ihren Kader. In Bad Nauheim - das sagt Ortwein gegenüber unserer Redaktion - werde sich der Etat für den Kader »nicht verschlechtern«. Über mögliche Entwicklungsmöglichkeiten müsse allerdings der Aufsichtsrat entscheiden.

Eine Entscheidung wird auch in der Trainer-Frage erwartet. Christof Kreutzer wird Bad Nauheim nach zwei Jahren verlassen. Anfang Januar hatte war sein Wechsel zum DEL-Klub Schwenningen publik geworden; der Sinkflug der Mannschaft wird vielfach mit dieser Meldung verknüpft. Mit zweimonatigem Anlauf soll die Suche nach seinem Nachfolge zeitnah abgeschlossen werden. Mit zwei Kandidaten, so heißt es, sind in dieser Woche persönliche Gespräche terminiert.

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