25. Februar 2020, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Ein Balanceakt

Der EC Bad Nauheim steht auf einem direkten Playoff-Rang. Doch Unzufriedenheit ist spürbar. Vor allem die Schlüsselspieler stehen in der Kritik.
25. Februar 2020, 07:00 Uhr
Das gibt’s doch gar nicht! Tyler Fiddler und die Roten Teufel haben es am Sonntag in Freiburg den Gastgebern oftmals zu leicht gemacht und mit 3:6 verloren. FOTO: SEEGER

Das Handy wird immer öfter gezückt. Quasi im Minutentakt. Tut sich etwas in den anderen Stadien? Und: Was bedeutet das für den EC Bad Nauheim? Von Platz vier - das allerdings nur rein theoretisch - bis zu Platz zehn in der Deutschen Eishockey-Liga 2 ist für die Roten Teufel alles möglich. Das Gute: Die Mannschaft von Christof Kreutzer hat die direkte Playoff-Qualifikation noch immer in eigener Hand. Seit dem zwölften Spieltag rangieren die Hessen unter den Top-Sechs; trotzdem will sich rund um den Kurpark (noch?) keine rechte Vorfreude auf die »schönste Jahreszeit« für jeden Eishockey-Interessierten einstellen. Der Grund: Die Mannschaft sucht ihre Form, ihre Leichtigkeit und ihre Spielfreude aus dem Herbst; wie die Wochenend-Spiele gegen Ravensburg (1:2 nach Penaltyschießen) und in Freiburg (3:6) erneut unterstreichen sollten.

Die Analysen zum Wochenstart ähneln sich immer häufiger. Zu viele individuelle oder taktische Fehler in der eigenen Zone, zu schwach im Abschluss, Kontingentspieler, die auf Schlüsselpositionen den Vergleich mit ihren Gegenspielern verlieren, und zu viele überflüssige Strafzeiten; nicht selten durch Gegentore bestraft. »Beständigkeit sieht anders aus«, sagt Christof Kreutzer. Als Coach steht er vordergründig in der Kritik; gerade da der Negativ-Lauf in enge zeitliche Verbindung zu seiner Unterschrift bei DEL-Klub Schwenningen (für die nächste Saison) gebracht wird.

Allerdings: Das Risiko der fehlenden Konstanz waren die Roten Teufel auch bewusst eingegangen, als man zunächst in einem außergewöhnlichen Maß auf die Förderlizenz-Karte gesetzt, den Kader durch die Transferpolitik (zwei routinierte Abgänge) im Januar noch einmal verjüngt und diesen Talenten zunehmend Verantwortung übertragen hat. »Diesen Jungs kann ich einen Fehler leichter mal verzeihen«, sagt Kreutzer über den Balanceakt in einer Phase, in der die jungen Spieler vor Energie sprühen, aber gerade das Führungspersonal nicht das zeigt, was man sich eigentlich erwartet hatte. Dort fehlen Tiefe und Beständigkeit, das Vorangehen, gerade in der Offensive, wo wenig flüssig und gewollt, fast alles verkrampft, verunsichert und durch Einzelaktionen geschmückt wirkt. 137 Treffer haben die Wetterauer erzielt. Das sind nicht einmal drei Tore pro Spiel. Die Siegtreffer nach Penaltyschießen sind schon eingerechnet.

Die Kanadier Cody Sylvester, Tyler Fiddler und Zach Hamill suchen nach langen Verletzungspausen noch ihre Form, waren am Sonntag nicht zu sehen. Dahinter kann Jack Combs auch nicht wirklich Druck erzeugen und sich aufdrängen. Dennoch soll er am Freitag eine neue Chance erhalten. »Gerade die Ausländer müssen den Druck spüren«, sagt Kreutzer. Wer pausieren muss, ist offen. Als »gesetzt« darf sich nach dem Wochenende wohl kein Stürmer betrachten. Bezeichnenderweise waren die Torschützen Verteidiger Jesper Kokkila sowie Förderlizenzspieler Mick Köhler, der an seinem 22. Geburtstag mit einem tollen Solo traf und sich damit für eine abermals starke Vorstellung belohnte.

In der Kabine sind am Sonntagabend noch deutliche Worte gefallen. »Die Gegentore waren allesamt No-Go’s. Das darf so nicht passieren«, sagt Kreutzer. Hinausstellungen, teils aufgrund fehlener Cleverness, teils durch eine gewisse Portion Frust verursacht, tun derzeit ihr übriges. Aber: »Wir haben es noch immer in eigener Hand«, sagt Kreutzer mit Blick auf das Hauptrunden-Ende mit den Spielen in Bad Tölz (Freitag, 19.30 Uhr) und gegen Kaufbeuren (Sonntag, 18.30 Uhr), Partien mit »Endspiel«-Charakter. Zieht Bad Nauheim tatsächlich zum dritten Mal in Folge auf direktem Weg in die Playoffs ein, könnte dies einen Schub geben; der Mannschaft und dem Umfeld. Pre-Playoffs wiederum würden zum Träumen veranlassen; von hessischen Derbys im Viertelfinale. Vorausgesetzt, die Mannschaft übersteht die Pre-Playoffs.

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