07. Februar 2020, 07:00 Uhr

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Ein Baby und die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Ein Spieler ist Vater geworden, drei Verteidiger wurden für U-Länderspielte nominiert. Und inwiefern beeinflusst eine Personalentscheidung in Köln die Kooperation mit dem EC Bad Nauheim?
07. Februar 2020, 07:00 Uhr
Herzlichen Glückwunsch, Daniel Ketter! Der Verteidiger des EC Bad Nauheim ist in dieser Woche zum ersten Mal Vater geworden. FOTO: NICI MERZ

Verunsicherung auf dem Eis. Pfiffe von den Tribünen. Unruhe im Umfeld. Aber noch immer eine Top-Sechs-Platzierung. Der EC Bad Nauheim - nach starkem Saisonstart derzeit auch aufgrund zahlreicher Verletzungen in der Ergebniskrise - hat neun Spieltage vor dem Hauptrundenabschluss der Deutschen Eishockey-Liga 2 sein sportliches Schicksal selbst in der Hand. Vom Playoff-Heimrecht bis zur Playdown-Serie ist alles möglich. Am Freitag (19.30 Uhr) sind die Roten Teufel bei Tabellenführer Kassel Huskies zu Gast, am Sonntag (18.30 Uhr) kommt »Angstgegner« Dresden ins Colonel-Knight-Stadion.

Es ist ein Mädchen: Daniel Ketter ist am Montag Vater geworden. In Bad Nauheim kam Töchterchen Liv auf die Welt und ist wie Mutter Sandra wohlauf. 50 Zentimeter ist Liv groß, 2760 Gramm schwer. Der Stolz steht dem Verteidiger in diesen Tagen regelrecht ins Gesicht geschrieben.

Hat Trennung der Kölner Haie von Sportdirektor Mark Mahon Konsequenzen für die Kooperation mit dem DEL-Klub? Mark Mahon wurde in dieser Woche beim DEL-Klub von seinen Aufgaben entbunden. Er war bislang der Ansprechpartner für Bad Nauheim. »Das ist sehr schade. 99 Prozent der Kommunikation lief über ihn. Das hat hervorragend geklappt«, sagt Matthias Baldys, der erst vor wenigen Wochen in Köln war, um für die Fortführung der Zusammenarbeit in der Saison 2021/22 Vorgespräche zu führen und Optionen auszuloten. »Nervös oder panisch werde ich durch diese Entscheidung jetzt aber nicht«, sagt der Sportliche Leiter der Roten Teufel. Bis auf weiteres ist Haie-Trainer Mike Stewart Ansprechpartner des DEL2-Klubs.

Wie siehts personell aus? Simon Gnyp und Niklas Heyer wurden für die U19-Nationalmannschaft nominiert, die in dieser Woche ein Fünf-Nationen-Turnier in Berlin bestreitet. Deutschland ist mit Niederlagen gegen Finnland (1:9) und Schweden (4:6) in den Wettbewerb gestartet. Am Freitag (gegen Tschechien) und Samstag (Schweiz) stehen zwei weitere Partien auf dem Programm. Dennoch könnte Gnyp in Kassel für Bad Nauheim auflaufen. Entsprechende Gespräche mit dem Deutschen Eishockey-Bund wurden geführt. Maximilian Glötzel, der als Nachrücker für die Roten Teufel infrage kommt, wurde obendrein für das Turnier der U18-Nationalmannschaft in Tschechien nominiert. Während der Trainingswoche hat deshalb Jan Sennhenn aus dem Haie-Nachwuchs den Kader der Roten Teufel ergänzt. Auf dem Eis steht seit Dienstag auch Tyler Fiddler, der als Motor der Mannschaft gilt, seit Ende November aber lediglich ein Drittel lang spielen konnte.

Ist vor Transferschluss noch mit Neuzugängen zu rechnen? Daniel Stiefenhofer und Manuel Strodel wurden im Januar abgegeben. Die Leistung der beiden hin oder her - diese gestandenen Profis, die das Spiel auch mal hätten beruhigen und stabilisieren können, wurden nicht ersetzt. In Bad Nauheim hat man sich entschieden, den jungen Spielern das Vertrauen zu schenken, der Marktlage sicher ebenso wie der wirtschaftlichen Position geschuldet; eine sportlich riskante Entscheidung. Am 15. Februar ist Transfer-Deadline. »Wir haben x-fach alles abgeklopft und halten die Augen offen. Sollte sich etwas auftun, werden wir uns damit beschäftigen. Aber danach sieht es derzeit nicht aus. Wenn es jetzt einem Klub gelingt, einen deutschen Spieler zu verpflichten, der wirklich weiterhilft, dann kann man nur gratulieren«, sagt Baldys. In dieser Woche hatte die DEL 2-Konkurrenz gleich mehrfach Kontingentspieler verpflichtet, um den Konkurrenzkampf zu forcieren. Denkbar - und sicher auch erforderlich - ist eine Alternative auf der Torwart-Position, um nicht von Kooperationspartner Köln abhängig zu sein, zumal die Junghaie in der DNL nach vielen Jahren wieder die Möglichkeit haben, Abonnement-Meister Mannheim vom Thron zu stoßen und dabei auch in bestmöglicher Besetzung werden antreten wollen.

Die Sache mit der Disziplin: Auffällig oft saßen die Roten Teufel in den Schlussminuten der letzten Begegnungen auf der Strafbank. Trainer Kreutzer spricht von einer Mischung aus »Frust, Übermut und dem Schritt zu wenig«, den seine Spieler machen. »So wie das gerade in Bayreuth gelaufen ist, will ich das nicht mehr sehen. Das habe ich den Jungs klar gemacht. Wir dürfen uns nicht zu Revanchefouls hinreißen lassen, sondern müssen auch mal bereit sein, etwas einzustecken.«

Das Derby in Kassel: Zwei der bislang drei Saison-Duelle mit den Nordhessen hat der EC Bad Nauheim gewonnen. Die Huskies - mit wenigen Ausnahmen seit Ende September an der Tabellenspitze - haben nach zwischenzeitlich drei Niederlagen die Kurve wieder bekommen. Die letzten drei Begegnungen der Mannschaft von Tim Kehler wurden allesamt in der Verlängerung oder dem Penaltyschießen entschieden. Topscorer ist Ben Duffy (57 Punkte). Mit Alexander Karachun haben die Huskies den drittbesten Torschützen (26 Treffer), zugleich den besten Plus-Minus-Spieler (+23) der DEL 2 in ihren Reihen.

Klappt’s mit dem ersten Sieg gegen Dresden? 2:6, 2:3 nach Verlängerung, 1:4 - nur ein Zähler aus drei Spielen, gegen keine andere DEL2-Mannschaft haben die Roten Teufel einen schlechteren direkten Vergleich. »Das geht mir auf den Keks, die müssen wir endlich auch einmal schlagen«, sagt Trainer Kreutzer, der die Defensive als Schwachstelle der Eislöwen ausgemacht hat. Offensiv wirbeln insbesondere Topscorer Jordan Knackstedt (61 Punkte) und Dale Mitchell (24 Treffer), der erfolgreichste Torjäger der Sachsen.

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