15. Dezember 2019, 21:21 Uhr

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Das Winter-Derby in der sportlichen Analyse

Der EC Bad Nauheim unterliegt den Löwen Frankfurt nach Penaltyschießen. Im Anschluss sorgen zwei Namen für Gesprächsstoff.
15. Dezember 2019, 21:21 Uhr
Das Hingucker-Tor: Roope Ranta hebt hinter dem Tor den Puck auf die Schlägerkelle und schaufelt die Scheibe trickreich in den Torwinkel. Felix Bick und seine Abwehr können nur stauned zusehen. FOTO: HÜBNER

Spektakulärer Abschluss eines spektakulären Abends: Das Winter-Derby der Deutschen Eishockey-Liga 2 am Samstagabend endete kurz nach 23 Uhr mit dem zehnten Penaltyschuss. Roope Ranta, Stürmer der Löwen Frankfurt, wurde für den EC Bad Nauheim zum Party-Crasher. Mit einer Vorlage, zwei verwandelten Penaltys und einem Traumtor drückte der Finne dem Spiel seinen Stempel auf. Mit 2:3 (1:1, 0:0, 1:1/0:1) mussten sich die Roten Teufel dem Rivalen vom Main vor 15 146 Zuschauern im Fußball-Stadion am Bieberer Berg in Offenbach geschlagen geben. Für die Mannschaft aus der Wetterau, die von mehr als 11 000 Anhängern unterstützt worden war, hatten Andreas Pauli und Andrej Bires in einer engen und umkämpften Partie zweimal einen Rückstand ausgeglichen.

»Das Eis war frisch, der Schläger frisch getaped, und ich hatte genügend Zeit«, sagte Ranta über seinen aufsehenerregenden Treffer in der 41. Minute. Hinter dem Tor stehend, lud er die Scheibe auf seinen Schläger und trug den Puck mit einer kurzen Bewegung direkt in den Torwinkel; über die Schulter von Felix Bick, der nicht mehr reagieren konnte. Einen Treffer, wie man ihn in dieser Ausführung selbst international nur sehr, sehr selten zu sehen bekommt; wie er ihn vor zwei Jahren aber schon einmal in der DEL 2 erzielt hatte.

»Finnen mögen Outdoor-Hockey. Wenn man Roope heute hat spielen sehen, sollten wir uns überlegen, in Frankfurt immer unter freiem Himmel zu spielen«, unkte Matti Tiilikainen, der Löwen-Trainer im Anschluss. Christof Kreutzer, der Coach des EC Bad Nauheim, sah »das Spiel so eng, wie es das Resultat ausdrückt«. Man habe die Entscheidung schließlich »selbst auf dem Löffel gehabt«. Im finalen Shootout hatte Löwen-Torwart Jimmy Hertel einen Schuss von Jack Combs irgendwie noch von der Linie gekratzt und seine Mannschaft im Spiel gehalten.

Frankfurt hatte nach nur 69 Sekunden eine Fehlerkette im Verteidigungsdrittel der Roten Teufel zum Führungstreffer genutzt. Martin Buchwieser hatte einen Schlenzer von Ranta abgefälscht und konnte seinen Rebound verwerten. Bad Nauheim - wieder mit Mike Card und Dani Bindels im Kader - schüttelte diesen Schockmoment schnell aus den Trikots und hatte zwischen der zehnten und der 30. Minute seine beste und druckvollste Phase in einer von der Defensivarbeit bestimmten Partie. Der Ausgleich (18.), als Pauli seinen Schläger in einen Pass von Bires gehalten hatte, war zur Drittelpause verdient.

Im zweiten Durchgang erhöhte sich der Geräuschpegel im Stadion. Die Fans hatten sich nun langsam an den ungewohnten Rahmen der Partie gewöhnt, peitschten mit Wechselgesängen ihre Teufel nach vorne. Auf dem Eis hingegen erlaubte die ungewohnt schmale Eisfläche im nordamerikanischen Profi-Maß (vier Meter schmäler) angesichts taktischer Disziplin auf beiden Seiten wenige klare Offensivszenen. David Suvanto traf seitens der Löwen den Pfosten (27.), zehn Minuten später stand dessen Kapitän Adam Mitchell bei seinem Comeback gänzlich frei vor Bick, konnte seine Chance aber nicht nutzen, schließlich scheiterte noch Max Faber (39.).

Dem Hingucker-Tor von Ranta im Powerplay (41.) folgte nur sieben Minuten später der Ausgleich, als Bires zum Nachschuss goldrichtig stand. Die Schlussphase gehörte nun den Löwen, doch parierte Bick gegen Max Eisenmenger wie auch gegen Eduard Lewandowski, so dass die Partie zunächst verlängert und im Penaltyschießen entschieden wurde.

Eiskalt hatte hier Combs für Bad Nauheim vorlegt. Der Zusatzpunkt schien fast schon verbucht, doch konnte Ranta als dritter Löwen-Schütze ausgleichen und im fünften Anlauf noch vorlegen, ehe Bires abschließend für Bad Nauheim an Hertel im Frankfurter Tor scheiterte.

Neben Roope Ranta sorgte Name Kyle Gibbons für Gesprächsstoff. Dessen Tryout-Vertrag läuft am 15. Dezember aus. Ob und gegebenenfalls wie lange der Kontrakt mit dem US-Amerikaner war am Sonntag noch nicht entschieden. Das bestätigte Matthias Baldys, der Sportliche Leiter, auf Nachfrage.

Mit Gibbons haben die Roten Teufel aktuell sieben Kontingentspieler unter Vertrag (vier dürfen gleichzeitig spielen). Da Tyler Fiddler, Cody Sylvester und Zach Hamill derzeit aber ausfallen, stehen mit Gibbons auch nur vier gesunde Importspieler zur Verfügung.

EC Bad Nauhem: Bick - Slaton, Ketter, Kokkila, Card, Stiefenhofer, Sekesi - Bires, El-Sayed, Pauli, Combs, Gomes, Strodel, Ratmann, Köhler, Gibbons, Bindels, Kahle, Cornett, Palka.

Löwen Frakfurt: Hertel - Suvanto, Faber, erk, Delisle, Schmitz, Vogt - Max Eisenmenger, MacAuley, Mitchell, Ranta, Buchwieser, Lewandowski, Mike Miezkowski, Proft, Darren Mieskowski, Magnus Eisenmenger, Meisinger.

Im Stenogramm: Tore: 0:1 (2.) Buchwieser (Ranta), 1:1 (17.) Pauli (Bires, Sekesi), 1:2 (41.) Ranta (5-4), 2:2 (48.) Bires (El-Sayed, Ketter), 2:3 Ranta (Penalty). - Schiedsrichter: Aumüller/Vogl. - Strafminuten: Bad Nauheim 8, Frankfurt 10. - Zuschauer: 15 146.

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