26. Mai 2020, 07:00 Uhr

Die Qual der Wahl

Die Saison im hessischen Amateurfußball steht aufgrund der Coronavirus- Pandemie vor dem Abbruch. Eigentlich schienen nach virtuellen Konferenzen in Kreisen und Regionen auch die Modalitäten geklärt. Doch dann kam die Frage der Relegationsplätze auf. Nun gibt es verschiedene Szenarien.
26. Mai 2020, 07:00 Uhr
Die Saison im hessischen Amateurfußball steht vor dem Abbruch - über die Modalitäten gibt es allerdings weiterhin Diskussionen. SYMBOLFOTO: NICI MERZ

Die Verwirrung scheint komplett, die Kritiker stehen bereit. Der Hessische Fußballverband (HFV) steht im Zuge des geplanten Abbruchs der Amateursaison unter Druck. Eigentlich hatte die Mehrheit der Vereine ein Szenario des Abbruchs präferiert, bei dem die Abschlusstabellen mithilfe einer Quotientenregel ermittelt werden, die Teams auf Aufstiegsplätzen auch aufsteigen sollen, es jedoch keine Absteiger geben soll. Bei der HFV-Vorstandssitzung am Samstag vor einer Woche dann der Bruch: Was passiert mit den Teams auf den Relegationsplätzen? Stand jetzt scheint es vier Möglichkeiten zu geben, über die der HFV-Vorstand am 6. Juni erneut beraten will. Fest steht: Eine endgültige Entscheidung wird erst der Verbandstag Mitte Juni treffen können. Der Überblick:

Szenario 1: Alles bleibt, wie es ist. Es gibt Aufsteiger und keine Absteiger, die Mannschaften auf den Relegationsplätzen schauen in die Röhre. Es ist der Plan, der von den HFV-Vertretern bei den virtuellen Konferenzen der Kreise und Regionen vorgestellt und von der Mehrheit der Vereine auch angenommen worden war. Das Problem: Durch die neuerliche Diskussion um die Relegationsplätze sind Begehrlichkeiten geweckt worden. Es gibt bereits eine Online-Petition, der Darmstädter Gruppenligist SV Dersim/VfR Rüsselsheim sucht nach Unterstützern für einen Protest. Vereinzelt gab es auch schon Ankündigungen, im Falle der Nichtberücksichtigung von Teams auf Relegationsplätzen, klagen zu wollen.

Szenario 2: Alle steigen auf - Mannschaften auf Aufstiegs- und auf Relegationsplätzen. Die Folge: Vor allem die Verbandsspielklassen würden sehr groß. Alleine die Gruppenliga Frankfurt-West würde sich von derzeit 17 Mannschaften auf 21 Mannschaften vergrößern. Das würde einen sehr eng getakteten Spielplan nach sich ziehen, der die Zahl der Spiele unter der Woche erhöhen würde - vor allem dann, wenn das Wetter in Herbst und Frühjahr nicht mitspielt. Das würde außerdem für Vereine die Fahrtkosten, für Ehrenamtliche den Aufwand und für Spieler und Betreuer die Belastung erhöhen. Eine Ausweichmöglichkeit wäre die Aufteilung einzelner Klassen in verschiedene Staffeln - doch geht das hessenweit? Unterklassige Ligen könnten derweil deutlich kleiner und damit unattraktiver werden. Ein Gegenargument ist, welche Teams überhaupt für höhere Spielklassen melden würden. Alleine in der Verbandsliga Süd hatte es in der vergangenen Woche gleich zwei Rückzüge gegeben. Ein grundsätzliches Problem: Angesichts des Verbots von Großveranstaltungen bis Ende August scheint auch ein normaler Saisonstart Anfang August äußerst unwahrscheinlich, was es schwieriger macht, das Szenario umzusetzen.

Szenario 3: Es steigen mehr aber nicht alle Mannschaften auf. Möglich wird das durch folgende Regel: Alle Mannschaften auf Aufstiegsplätzen steigen auf, die Mannschaften auf den Relegationsplätzen führen den Regeln der jeweiligen Liga entsprechend eine virtuelle Aufstiegsrunde mithilfe der Quotienten durch. Das würde zwar die oberen Spielklassen etwas kleiner werden lassen, brächte aber andere Schwierigkeiten wie fehlende Vergleichbarkeit mit sich. Ein Beispiel: Die FSG Burg-Gräfenrode würde aufgrund des besseren Quotienten in der Kreisoberliga Friedberg den FC Ober-Rosbach vom zweiten und damit vom Relegationsplatz verdrängen - bei drei absolvierten Partien weniger. In den rechnerischen Aufstiegsspielen gegen die Vertreter aus den Kreisen Frankfurt und Hochtaunus hätten die Roggauer auch die Nase vorn, allerdings hätte der FC Tempo Frankfurt mit zehn (!) mehr absolvierten Spielen das Nachsehen gegenüber der FSG. Gerechtigkeit sieht anders aus.

Szenario 4: Die »Härtefall«-Regel - eine Idee des Gießener Kreisfußballwartes Henry Mohr. Er plädiert für den ursprünglich angedachten Weg des Aufstiegs ohne Einbeziehung der Relegationsplätze - allerdings unter Einarbeitung von Härtefällen. Dies beträfe alle Mannschaften, die zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs Tabellenführer ihrer jeweiligen Liga waren, aufgrund der Quotientenregel diesen Platz aber verlieren würden. Dies würde im Fußballkreis Friedberg etwa die SKG Albanischer Verein Wetterau betreffen, die bei Quotientengleichheit aufgrund des schlechteren direkten Vergleichs aktuell das Nachsehen gegen den 1. FC Rendel II hätten. Der Nachteil: Diese Regel würde das aus Gründen der Gerechtigkeit eingeführte Beenden der Saison mithilfe der Berechnungen der Quotienten ein Stück weit aushebeln und könnte für große regionale Unterschiede sorgen.

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