10. Juni 2020, 07:00 Uhr

Des einen Freud, des anderen Leid

Es ist wie so häufig, Freud und Leid liegen im Sport eng beieinander. Für einige Fußball-Vereine aus der Wetterau hat die kürzlich beschlossene Empfehlung des Hessischen Fußball-Verbands zum Thema Aufstieg über die Relegationsplätze positive Folgen - für andere aber nicht. Und mit Sieg und Niederlage geht bekanntlich jeder anders um.
10. Juni 2020, 07:00 Uhr
Leidtragender der Quotientenregel: Der SSV Heilsberg um Coach Daniyel Göktas wird aller Voraussicht nach nicht in die Kreisliga A aufsteigen. Aus dem Tabellenführer der Kreisliga B, Gruppe 2, wird wohl der Verlierer der Relegationsrunde. Foto: Kessler-Sportfotografie

Dass es bei diesem Spiel keine Gewinner geben wird, war klar. Der Hessische Fußball-Verband (HFV) hat die Aufstiegsregelung in der abgebrochenen Spielzeit 2019/20 noch mal justiert. Nun dürfen auch Mannschaften aufsteigen, die nach Anwendung der Quotientenregel auf einem Relegationsplatz stehen. Damit beugt sich der HFV einer juristischen Empfehlung aus dem eigenen Haus und dem Druck von 45 Vereinen, die in einem gemeinsamen Schreiben die Beachtung der Relegationsplätze bei den Aufsteigern forderten und mit Klagen drohten, sollte der HFV bei seiner ursprünglichen Linie bleiben.

Dass trotzdem, auch von Wetterauer Vereinen, weiterhin mit dem Rechtsweg gedroht wird, liegt daran, dass der HFV nicht alle potenziellen Releganten aufsteigen lässt. Dort, wo Aufstiegsspiele geplant waren, wird der imaginäre Teilnehmer mit dem besten Punktequotienten aufsteigen. Bei den heimischen Vereinen sind alle Variationen, die diese Regelung mit sich bringt, zu finden. Aber auch alle Arten von Reaktionen - von Freude, über Akzeptanz bis eben hin zur Bemühung des Rechtsweges.

Nur die Zweite darf hoch: Beim SC Dortelweil hat man die Entscheidung am vergangenen Wochenende mit besonderem Interesse verfolgt. Der SCD war ein Unterzeichner des eingangs erwähnten Bündnisses - auch, weil man als Tabellenzweiter in der Gruppenliga Frankfurt West darauf spekulierte, dass alle Teams, die auf einem Relegationsplatz stehen, in die Verbandsliga aufsteigen dürfen. Da der SCD nun aber im Vergleich der Quotienten hinter dem SV Dersim/VfR Rüsselsheim aus dem Kreis Darmstadt und vor den Sportfreunden Seligenstadt nur Rang zwei in der Aufstiegsrunde belegen würde, wäre ein Aufstieg vom Tisch.

»Wir hatten im Vorfeld schon gesagt, dass es weniger um uns als um den Grundsatz geht, dass Relegationsplätze nichts Wert sind. Dass wurde jetzt ein bisschen aufgeweicht, deshalb sind wir prinzipiell zufrieden. Ich kann verstehen, dass die Verantwortlichen beim HFV Schwierigkeiten hatten, eine faire Lösung zu finden. Ich will auch nicht in deren Haut stecken«, sag Vereinsvorstand Martin Gunkel. Bei einer Vorstandssitzung am Montagabend wurde entschieden, sich mit dem Beschluss einverstanden zu erklären. »Wenn die Relegationsspiele ausgespielt worden wären, wären auch nicht alle aufgestiegen«, sagte Gunkel. Immerhin: Die Reserve darf als Rangdritter der Kreisliga A ins Friedberger Oberhaus aufsteigen.

Historischer Durchmarsch: Vor einem Jahr stieg die FSG Burg-Gräfenrode als Neuling der Kriesliga A über die Relegation in die Kreisoberliga Friedberg auf. Nun scheint der Relegations-Durchmarsch für »Roggau« perfekt. »Wir freuen uns, aber es ist eine schwierige Geschichte. Wir haben uns explizit rausgehalten und hätten jede Entscheidung mitgetragen. Was nun positiv für uns ist, ist negativ für die anderen«, sagt FSG-Vorsitzender Florian Fünffinger. Was er meint: In der Kreisoberliga Frankfurt wurden bis zum Saisonabbruch 23 Spiele ausgetragen, der FC Tempo Frankfurt als Zweitplatzierter kam so auf einen Quotienten von 2,17. In der Kreisoberliga Hochtaunus hat Teutonia Köppern nach 19 Spielen 2,1 Punkte aufzuweisen - die FSG kommt nach 13 Spielen auf 2,23 und folgt als Sieger der Relegationsrunde dem KOL-Meister SV Steinfurth in die Gruppenliga. »Das tut uns ehrlich Leid für die anderen Teams«, sagt Fünffinger. Das Abenteuer Gruppenliga wollen sie bei der FSG trotzdem angehen: »Es ist das erste Mal in der Vereinsgeschichte. Das wollen wir der Mannschaft nicht verwehren«, sagt Fünffinger.

Freude hier, Ärger da: »Wenn das so kommt, freuen wir uns. Aber wir akzeptieren jede Regelung, die vom HFV getroffen wird«, sagt Ober-Mörlens Spielausschussmitglied Kai Fischbach. Seine Mannschaft aus der Gruppe 1 der Friedberger Kreisliga B weist mit 2,46 Punkten den bessern Schnitt gegenüber dem SSV Heilsberg (2,3) aus der Gruppe 2 auf. Sollte es doch anders kommen, und der Aufstieg verwehrt bleiben, werde man nicht rechtlich dagegen vorgehen. »Darauf haben wir uns im Verein schon lange geeinigt«, sagt Fischbach. Aus sportlicher Sicht passt den Ober-Mörlern der Aufstieg in die A-Liga im Jubiläumsjahr super in die Vereinschronik - noch dazu mit elf Siegen und vier Remis ungeschlagen.

Leidtragender wäre dagegen der SSV Heilsberg. Zum Zeitpunkt des Abbruchs waren die Bad Vilbeler Vorstädter Tabellenführer mit zwei Punkten Vorsprung, allerdings mit drei Spielen mehr als der Verfolger FSV Kloppenheim. Durch die Quotientenregelung fielen die Heilsberger (2,3 Punkte) gegenüber Kloppenheim (2,6) zurück. Im Vergleich mit Ober-Mörlen aus der Gruppe 1 hat man ebenfalls das Nachsehen und müsste somit ein weiteres Jahr B-Liga spielen. »Die Rechnung, die beiden Gruppen miteinander zu vergleichen, ist totaler quatsch«, sagt SSV-Coach Daniyel Göktan. »Wir wollen auf jeden Fall in die A-Liga aufsteigen. Wir werden uns sicher den restlichen 30, 40 Vereinen anschließen, die dagegen klagen werden«, sagt Göktan.

0,025 Punkte Unterschied: Völlig verrückt ist die Lage in der Kreisliga C, wenn die Quotientenregel für Releganten vom HFV verabschiedet wird. Der SV Teutonia Staden II, Tabellenzweiter der Gruppe 1, hat 0,025 Punkte weniger pro Spiel gesammelt als die SKG Albanischer Verein Wetterau - und dürfte somit nicht aufsteigen. »Das nehmen wir sportlich hin und sind da völlig schmerzfrei. Dann spielen wir mit der Reserve eben weiter in der C-Liga«, sagt Vereinsvorstand Hagen Deis.

Für die SKG wäre es im ersten Jahr des Vereinsbestehens der erste Aufstieg. »Es freut uns, aber die ganze Situation ist merkwürdig. Egal, welche Entscheidung getroffen worden wäre, irgendjemand fühlt sich immer unfair behandelt«, sagt SKG-Vorsitzender Altin Hamiti. Der Aufstieg sei bei der SKG angestrebt gewesen, sagt Hamiti: »Ein weiteres Jahr C-Liga wäre sportlich vermutlich ein verlorenes Jahr gewesen.«

Bis der rollende Punktspielball zurück ist, wird es aber noch einiges zu klären geben.

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