17. Oktober 2018, 20:27 Uhr

Neuer Trainer von Angelique Kerber

Das Jobangebot der Träume für einen Friedberger Tenniscrack

Tennis-Star Angelique Kerber hat einen neuen Trainer. Das Überraschende: Es ist der Friedberger André Wiesler. Der bisherige »Hitting Partner« der 30-jährigen Ausnahmespielerin soll bis Saisonende das Coaching übernehmen. Sein erster Einsatz als Verantwortlicher führt ihn nach Singapur – zum Finale der Weltelite.
17. Oktober 2018, 20:27 Uhr
Andre Wiesler (l.) im April dieses Jahres im Gespräch mit seinem Chef David Hirst (Mitte), dem Leiter der Bad Nauheimer Tennisschule »Davids Tennis World«, und WZ-Redakteur Michael Nickolaus. (Foto: Keßler)

Deutschlands Tennisstar Angelique Kerber wird bei den WTA-Finals in Singapur von ihrem Sparringspartner André Wiesler betreut.« Als diese Nachricht am Mittwochvormittag über die Ticker der großen Nachrichtenagenturen lief, zuckten mit Sicherheit nicht wenige Tennisfreunde in der Wetterau zusammen. Der Grund: Wiesler, einst selbst ein Spieler auf der ATP-Tour, ist ein waschechter Friedberger. Er gehört seit Jahren zum Team um Kerber, war bislang ihr »Hitting Partner«. Die ehemalige Nummer 632 der Welt ist seit 2014 mit Kerber auf den großen Center Courts dieser Welt unterwegs – bislang jedes Jahr zwischen vier und zehn Wochen.

Das Verrückte: Wiesler, hauptberuflich Trainer in der Tennisschule »David’s Tennis World« im Sportpark Bad Nauheim, hatte dieser Zeitung im April diesen Jahres noch ein Exklusiv-Interview gegeben, um über seinen sportlichen Werdegang als Profi und die Einheiten mit »Angie« zu berichten. Sein Entdecker und Förderer, der Head-Pro und Besitzer der Tennisschule David Hirst, hatte damals ebenfalls am Tisch gesessen und gesagt: »André war schon immer ein Arbeiter. Was er erreicht hat, verdient höchsten Respekt.« Nun ist er also Trainer für die Nummer drei der Welt – statt den Wetterauer Nachwuchs im Tennis zu unterrichten.

»Ich bin quasi der Leidensgenosse; bei jedem Training an ihrer Seite, mache alles mit. Ob auf dem Court oder bei Athletik- und Mobilisationseinheiten. Zu zweit trainiert es sich einfach leichter«, hatte Wiesler auf die Frage geantwortet, was sein (bisheriger) Job unter Kerber und ihrem inzwischen geschassten Trainer Wim Fissette war. Natürlich entstünden dabei auch Freundschaften, »denn ein Profi braucht ein vertrautes Umfeld, um sich auch einmal fallen zu lassen«, hatte Wiesler seinerzeit erklärt.

Statt ihr nun den Ball im Training zuzuspielen, ist Wiesler als Trainer nun für die 30-jährige Kerber verantwortlich. Die hatte sich unter Fissette nach einer Schwächephase in der aktuellen Saison wieder zurück in die Weltspitze gekämpft, unter anderem das Halbfinale der Australian Open erreicht und sogar das legendäre Turnier in Wimbledon als erste deutsche Frau nach Steffi Graf gewonnen. Auch wenn ihre Formkurve zuletzt wieder etwas nach unten zeigte, gehört sie in den Kreis der Mitfavoriten beim Saisonabschluss, dem WTA-Finale der besten acht Spielerinnen der Welt in Singapur. »Die Saison ist lang, aber an Motivation für die WTA-Finals fehlt es nicht«, sagte Kerber dieser Tage der »Sport Bild«. 2016 hatte sie in Singapur im Endspiel gestanden, im vergangenen Jahr war sie nicht qualifiziert gewesen. »Es ist das letzte Turnier des Jahres, und ich werde alles reinlegen, was ich übrig habe, in meinem Körper und meinem Kopf.«

Fest steht derweil offenbar aber auch: Spätestens bis zum Beginn der Vorbereitung auf das Jahr 2019 soll ein neuer Trainer gefunden für Kerber sein, wie aus dem Umfeld der dreimaligen Grand-Slam-Turniersiegerin verlautete.

Doch auch die Rückkehr in seine ursprüngliche Position dürfte für Wiesler kein Problem sein. Er selbst hatte sich nach einer schwierigen Karriere, in der er als Jugendlicher durch das Raster des Hessischen Tennisverbandes gefallen war, zusammen mit Hirst an seiner Seite den Weg ins Profigeschäft erkämpft. Als 18-Jähriger hatte er seine schulische Laufbahn am Bad Nauheimer St.-Lioba-Gymnasium unterbrochen, um auf eigene Faust mit einem Auto und einer Sporttasche durch die sogenannten Future Tournaments quer in Europa zu touren und sich durch die Qualifikationen in die Hauptfelder zu kämpfen. Er wurde so schließlich die hessische Nummer eins, war in Deutschland auf Rang 42 geführt, ehe er 2009 die Reißleine zog. »Navi an und los ging’s! Ich würde es sofort wieder machen. Ich habe eine aufregende Zeit erlebt. Das war – so wie es war – weltklasse. Und wenn ich heute noch über Angelique Kerber in gewisser Weise dabei bin, dann ist das auch Balsam. Ich bin sehr dankbar, denn einerseits ist es eine Riesen-Ehre, auf der anderen Seite bin ich immer noch mittendrin, kann viel lernen und bin up-to-date, was die Entwicklungen betrifft«, hatte der waschechte Wetterauer im Interview erzählt. Heute schlägt er nur noch für den TC Wolfsberg Pforzheim in der 2. Bundesliga auf und nimmt am Ligabetrieb in Frankreich teil. Nun hat sein außergewöhnlicher Weg in dem Sport, den er so sehr liebt, ein neues und nicht weniger aufregendes Kapitel. (mit Material von sid und dpa)

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