04. November 2019, 20:01 Uhr

»Gewalt die Rote Karte zeigen«

Darum hat der FC Karben eine Aktion gegen Gewalt gegen Schiedsrichter ins Leben gerufen

Ein Statement gegen Gewalt, obwohl die sportliche Lage beim FC Karben schwierig ist. Der Gruppenligist hat beides unter einen Hut bekommen. Im Interview erklärt der Vorsitzende, warum.
04. November 2019, 20:01 Uhr
Frank Lindner (l.) im Gespräch mit WZ-Redakteur Philipp Keßler. Der 56-Jährige ist seit gut vier Jahren der Vorsitzende des FC Karben. Er hatte zuvor beim KSV Klein-Karben die Abteilungsleitung Fußball inne. (Foto: Nici Merz)

Das hatten sich Frank Lindner und Co. sicher anders vorgestellt: Nach dem 1:3 gegen den 1. FC-TSG Königstein rangiert der FC Karben als Aufsteiger auf dem letzten Tabellenplatz der Fußball-Gruppenliga Frankfurt-West. Im Interview spricht das 56-jährige Urgestein über die angespannte Lage auf dem Platz, die Aktion gegen Gewalt gegen Schiedsrichter vor der Partie und das Vereinsleben im Süden der Wetterau.

Herr Lindner, die »Rote Karte gegen Gewalt« vor dem Spiel gegen Königstein war eine eigenständige Aktion des Vereins. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Frank Lindner: Das liegt vielleicht daran, dass einige Vorstandsmitglieder selbst Fußball gespielt haben. Wir hatten auch teils heftige Diskussionen mit den Schiedsrichtern, aber nach dem Spiel war das dann erledigt - und es ist immer verbal geblieben. Was sich in letzter Zeit aber für Vorfälle häufen, geht für uns überhaupt nicht. Das macht den Sport kaputt. Das war der Hintergrund für uns, auch mal Flagge zu zeigen, sodass andere Vereine, aber auch Spieler und Zuschauer für das Thema sensibilisiert werden. Außerdem wollten wir den Schiedsrichtern zudem mal etwas Solidarität entgegenbringen.

Sportlich gesehen läuft es bislang nicht wie gewünscht. Wie sehen Sie die Lage?

Lindner: Der Sprung in diese Liga war vom Sportlichen gesehen wesentlich größer, als wir es im Vorfeld erwartet hatten. Das spielerische Niveau können wir bieten, momentan scheitert es aber an Konzentration und an mentalen Dingen. Man hat das Gefühl, die Mannschaft hat kein Selbstvertrauen und wartet nur darauf, Fehler zu machen. Darüber hinaus haben wir viele Wechsel durch Urlauber und Verletzte, sodass sich noch keine Aufstellung richtig einspielen konnte. Außerdem ist die Art, Fußball zu spielen, eine völlig andere. In der Kreisoberliga waren wir es gewohnt, das Spiel zu machen, in der Gruppenliga sind viele Mannschaften sehr passiv. Wir nicht - aktuell ein Nachteil, weil die anderen auf unsere Fehler lauern.

Hängt das mit der großen Zahl der Absteiger in dieser Spielklasse zusammen?

Lindner: Das spielt für mich ehrlich gesagt keine Rolle. Das ist schon länger so, wir wussten es und müssen uns darauf einstellen, indem wir wie ein Hamster Punkte sammeln. Das Ziel, sich in der Liga zu etablieren, bleibt bestehen, und auch das Vertrauen in die Mannschaft ist weiterhin da. Denn bis auf zwei, drei Mannschaften sehe ich niemanden, der uns deutlich überlegen ist. Es gilt jetzt für uns, nicht schönen, sondern vor allem effizienten Fußball zu spielen.

Im Süden der Wetterau gibt es mit Mit-Aufsteiger SV Gronau und Hessenligist FV Bad Vilbel zwei weitere große Kaliber. Wie ist der FC Karben da aufgestellt?

Lindner: Wir sind vor fünf Jahren angetreten und wollten uns als Verein neu etablieren. Das ist uns gelungen, denn wir sind gut aufgestellt, haben gemeinsam mit der Stadt auch infrastrukturell viel erreicht und Ruhe im Umfeld. Unser vorrangiges Ziel war es, das einschlafene Vereinsleben außerhalb der 90 Minuten Fußball neu zu beleben - und das ist uns gelungen. Dass wir darüber hinaus auch sportlich ein gutes Niveau haben, ist eine tolle Sache, die wir jetzt eben auch nicht einfach wieder hergeben wollen.

Welche Rolle spielt beim Vereinsleben das neu errichtete Vereinsheim?

Lindner: Das Ding wird ohne Ende angenommen. Früher waren die Spieler nur in der Kabine, die Schiedsrichter mussten teils draußen stehen, was im Winter oft sehr unangenehm war. Jetzt brummt das Vereinsheim, wir haben einen tollen Zuspruch - auch durch Privatveranstaltungen. Wir organisieren alles selbst, was hervorragend klappt. Das ist für das Vereinsleben wahnsinnig wichtig.

Wie sieht es mit der Jugendarbeit aus?

Lindner: Das ist für uns aus verschiedenen Gründen schwierig. Zum einen haben wir die Platzproblematik bei aktuell 16, 17 Jugendmannschaften des Karbener SV, von denen aktuell zehn A-Jugendliche bei uns angemeldet sind und auch ein Zweitspielrecht für die KSV-Jugend haben. Angesichts der Qualität beim Karbener SV wäre es aktuell auch völlig sinnfrei, etwas eigenes aufbauen zu wollen. Wir haben als FC Karben eine eigene G-Jugend gemeldet - in Absprache mit dem KSV -, um die Auflagen der Gruppenliga zu erfüllen. Zwischen den Vereinen läuft es so super, wieso sollte ich daran etwas ändern?!

Als jahrelanges Mitglied der Hessenliga hat höherklassiger Fußball in Karben Tradition. Ist die Rückkehr dorthin ein Ziel?

Lindner: Aktuell spielt das überhaupt keine Rolle. Es geht für uns darum, weiter vernünftigen Fußball anzubieten. Je nach Möglichkeiten, was aus der Jugend kommt oder welche Spieler sich uns anschließen möchten, ist sicher mal etwas mehr möglich, natürlich wollen wir uns stetig weiterentwickeln und würden uns nie gegen einen Aufstieg wehren, aber angesichts unserer aktuellen Position brauchen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht von höheren Spielklassen reden.

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