13. September 2017, 07:00 Uhr

Neuer Kapitän

Daniel Ketter: »Jeder weiß, was auf ihn zukommt«

Daniel Ketter ist Kapitän des Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim. Vor dem ersten Hauptrundenspiel spricht der 32-jährige Verteidiger über die Vorbereitungsphase, das Team und die Ziele.
13. September 2017, 07:00 Uhr
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Von Michael Nickolaus
Identifikationsfigur: Daniel Ketter führt den Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim in die Saison 2017/18. (Foto: Nici Merz)

Petri Kujala, der Trainer, musste seine Entscheidung, wer die Mannschaft als neuer Kapitän repräsentieren soll, nicht lange überdenken. »Daniel ist Bad Nauheimer. Einer, der zu 100 Prozent zu seiner Mannschaft steht, einer, der seinen Mund aufmacht, wenn etwas falsch läuft, und einer, der von seinen Mitspielern akzeptiert ist.« Zur Saison 2011/12 war Ketter zu seinem Heimatverein in die Wetterau zurückgekehrt; nach zwei Spielzeiten in Regensburg und fünf Jahren in Freiburg. 405 Zweitliga-Spiele stehen in der Vita des Butzbachers, der in der dritten Verteidigungsreihe gesetzt ist. »Bei Daniel weiß man, was man auf dem Eis bekommt. Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen«, sagt Kujala.

Zum Interview-Termin in der WZ-Sportredaktion stapelt sich auf dem Schreibtisch das Papier; darunter das Eishockey-Quiz, das gerade für die aktuelle Sonderbeilage (erscheint am Freitag) zusammengestellt wird. »Anspruchsvoll, aber es hat Spaß gemacht«, sagt Ketter, nachdem alle 20 Fragen richtig beantwortet waren.

Bei einem Kaffee spricht er anschließend mit Blick auf den Saisonstart am Freitag (19.30 Uhr, Colonel-Knight-Stadion) gegen Heilbronn von einem »guten Gefühl«, zieht einen Vergleich zu Eintracht Frankfurt und räumt ein, gerne in Crimmitschau zu spielen.


 

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Wie geht man nach der Vorbereitung - vorwiegend gegen Oberliga-Mannschaften - in die Saison?

Daniel Ketter: Das ist schwer zu sagen. Und selbst wenn wir öfter gegen Zweitligisten gespielt hätten: Es ist eben nur die Vorbereitung. Ich denke aber, wir haben ganz gut ausgesehen, haben zweimal hoch gewonnen. Egal, wie der Gegner heißt: In dieser Phase geht es in erster Linie darum, sich zu finden und sich auf die Nebenleute einzustellen.

Fehlte nicht - gerade zum Ende hin - noch einmal ein echter Test?

Ketter: Im Vorjahr haben wir in Bestbesetzung in Essen verloren und wenige Tage später ohne die Kontingentspieler zu Hause gegen die gleiche Mannschaft gewonnen. Natürlich sitzt das irgendwo im Hinterkopf, dass man gegen einen Oberligisten spielt. Das spielt im Unterbewusstsein eine Rolle. Andererseits muss man sich mal die Testspiele von Fußball-Bundesligisten anschauen. Wie oft hat Eintracht Frankfurt in der Vorbereitung gegen Mannschaften auf Augenhöhe gespielt? Im Endeffekt weiß jeder, was am Wochenende auf ihn zukommt. Und da spielt es keine Rolle, ob man zuvor alle Testspiele gewonnen oder verloren hat.

Im Kader finden sich gleich 14 neue Spieler. Wie bildet sich da in der Kabine eine Hierarchie?

Ketter: Ach, im Teamsport auf diesem Level gibt es da keine Anpassungs- oder Integrationsprobleme. Wir haben alle das gleiche Ziel vor Augen. Und ein Austausch gehört ja auch vor jeder Saison dazu. Wir sind jetzt vier Wochen zusammen, das passt. Ich habe ein gutes Gefühl; die Schlüsselpositionen sind gut besetzt, und auch die Mischung zwischen Jung und Alt stimmt.

Sie sind erstmals im Profi-Bereich Kapitän.

Ketter: Nick Dineen hat im Vorjahr eingeräumt, als Kapitän nicht der große Redner zu sein, und ich denke, das ist bei mir ähnlich. Ob einer Kapitän ist oder nicht: Ein Harry Lange beispielsweise benötigt kein Amt und einen Buchstaben auf dem Trikot, um seinen Mund aufzumachen.


+++ Hier gibt es den Spielplan des EC Bad Nauheim +++
 

Waren Sie überrascht als Petri Kujala Ihen die Rolle übertragen hat?

Ketter: Ein bisschen schon. Wir haben ja noch andere Spieler, die älter sind oder auch schon in der DEL gespielt haben. Ich freue mich natürlich über das Vertrauen und diese Erfahrung sammeln zu können.

Wie ist Ihr Verhältnis zum Trainer?

Ketter: Petri Kujala ist ein noch junger Trainer, der mit den Spielern viel kommuniziert. Keiner der alten Schule, der sich nach einem Guten Morgen in sein Trainer-Kämmerchen zurückzieht. Ich denke, jeder kommt sehr gut mit ihm aus.

Wie interpretieren Sie diese Rolle?

Ketter: Für mich wird sich nichts Wesentliches verändern. Auch in der Vergangenheit hatte ich Dinge angesprochen, wenn ich dies für nötig gehalten habe. Ich bin jetzt eben auch das Bindeglied zwischen der Mannschaft und der Geschäftsstelle.

Inwiefern sind Sie in Entscheidungsprozesse des Coaches involviert?

Ketter: In dieser Saison war das noch kein Thema. Aber natürlich gibt es im Laufe einer Spielzeit immer mal Situationen, in denen man sich der Trainer mit den älteren Spielern über dieses und jenes austauscht, was man vielleicht verändern sollte oder eben nicht.

Wenngleich die Einschätzung nicht leicht ist: Was ist drin für die Roten Teufel in diesem Jahr? Platz zehn? Oder noch mehr?

Ketter: Also, Platz zehn sollte schon drin sein. Dieser Rang wäre auch im letzten Jahr drin gewesen. Da war die Zeit des Tiefs eben ein bisschen lang. Platz sechs aus der Saison 2015 zu wiederholen, wäre sicher eine Sensation. Ich denke, wir dürfen durchaus Platz acht anstreben. Es wird sehr eng zugehen.

Sie sind mit dem Colonel-Knight-Stadion groß geworden? Wie verfolgen Sie die Diskussion?

Ketter: Wenn es einmal ein neues Stadion geben sollte, werde ich dort wohl nicht mehr auflaufen. Die Stadion-Thematik gibt’s sicher schon seit 20 Jahren, wenn nicht noch länger. Es gibt sicher Spieler, die vom schlechtesten Stadion der Liga sprechen. Und seitens der Zuschauer gibt es sicher ebenso viele, die gerne kommen wegen des Flairs, wie andere an kalten Wintertagen lieber zu Hause bleiben. Für den Nachwuchs und die Entwicklung des Standorts wäre natürlich eine zweite Eisfläche und ein neues Stadion das Optimale. Und auch die Zuschauer in Bad Nauheim würden sich damit sicher anfreunden.

Freut man sich auf moderne Arenen bei Auswärtsfahrten?

Ketter: Bietigheim hat ein schönes Stadion, ebenso wie Bad Tölz. Das ist natürlich was anderes. Ich persönlich spiele aber auch ganz gerne in Crimmitschau; das ist mit Bad Nauheim ein bisschen vergleichbar. Uns als Spielern ist die Kabine wichtig, alles andere ist zweitrangig. Zuschauer sehen das sicherlich anders, schauen eher auf den Komfort.



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