30. August 2019, 07:00 Uhr

Kreisportgerichtsverhandlung

Beleidigungen und Tätlichkeiten: So verlief die Verhandlung vor dem Kreissportgericht

Der Vorfälle während und nach der Partie zwischen dem SV Schwalheim II und der TSG Wölfersheim schlägt Wellen. Dreieinhalb Stunden dauerte allein die Beweisaufnahme.
30. August 2019, 07:00 Uhr
Am 11. August standen sich Marcel Lechner (links) mit dem SV Schwalheim II und Stefan Werner Kilb mit der TSG Wölfersheim gegenüber. Vor dem Kreissportgericht ist die Partie nun in die Nachspielzeit gegangen. (Foto: Nici Merz)

Ein Dutzend Zeugen. Dreieinhalb Stunden Beweisaufnahme. Und der Hessische Fußball-Verband hatte am Mittwochabend extra seinen Referenten für Recht und Sportgerichtsbarkeit nach Ober-Mörlen geschickt, um das Kreissportgericht in der mündlichen Verhandlung zu unterstützen. Die Begleiterscheinungen des Spiel der Fußball-Kreisliga B Friedberg, Gruppe 1 zwischen dem SV Germania Schwalheim II und der TSG Wölfersheim vom 11. August schlagen Wellen und stellen Klaus Häuser (Ober-Mörlen) und seine Beisitzer Kurt Kost (Bönstadt) und Egon Antmansky (Trais) angesichts teils widersprüchlicher Aussagen vor eine diffizile Aufgabe. In gleich fünf Tatvorwürfen, die überwiegend eingeräumt wurden, sind Urteile zu erwarten, die bis Anfang nächster Woche verkündet werden sollen. Dabei geht’s um unsportliches Verhalten, um Tätlichkeit(en) sowie Äußerungen und Auftreten von einzelnen Zuschauern, die beiden Klubs zugeordnet werden können. Parallel läuft ein polizeiliches Ermittlungsverfahren.

Schiedsrichter kann zur Tätlichkeit nichts Konkretes sagen

Von »beängstigenden Vorkommnissen« und »dem Schlimmsten, was ich in all den Jahren erlebt habe« schreibt Abteilungsleiter Uwe Günther in einer Stellungnahme der TSG Wölfersheim an das Kreissportgericht. Am Verhandlungsabend wurde zwei (von vielen) Vorwürfen besondere Bedeutung eingeräumt. Zum einen einer (oder mehreren) rassistischen Äußerungen gegen den dunkelhäutigen Andrew Iyasere von der TSG Wölfersheim, zum anderen der Frage, ob Christian Dunst vom SV Schwalheim während einer Spielunterbrechung kurz vor Ablauf der Partie zuerst von Iyasere geohrfeigt wurde, bevor er selbst zugeschlagen hat. Wolf-Dieter Mitschele (FV Bad Vilbel), dessen Einschätzung als Unparteiischer natürlich von besonderer Bedeutung gewesen wäre, konnte zu den Tätlichkeiten allerdings nichts Konkretes beitragen. Bei der Entstehung der Tumulte in der Schlussphase sei ihm durch die Mauer, die er nach einem Freistoßpfiff stellen wollte, die Sicht versperrt gewesen. Entsprechend habe er nicht mal eine Gelbe Karte gezeigt. »Ich mache nichts auf Zuruf«, sagt Mitschele. So ganz grundsätzlich sollten sich - so seine Meinung - die Klubs aber mal Gedanken machen, was an Beleidigungen die gesamte Partie über so reingerufen wurde.

Christian Dunst räumte ein, Iyasere mit der flachen Hand geschlagen zu haben. »Er schlägt zu, ich schlage zurück. Mit der flachen Hand«, sagt der SV-Verteidiger, direkter Gegenspieler des Ex-Verbandsliga-Kickers, der die Partie über mächtig hatte einstecken müssen und zwischenzeitlich schon verletzungsbedingt ausgewechselt worden war. »Nach dem Schlag bin ich geflüchtet. Er ist mir hinterher und wollte eine Schlägerei«, sagt Dunst. Andere Spieler hätten die Situation beruhigen können. Lange nach Spielschluss habe Iyasere seinen Gegenspieler noch im Vereinsheim angetroffen. Dunst fühlte sich in der folgenden Konversation bedroht, sagt er. Und: Viel zu kurz - das führte er in seinem Schlusswort aus - sei ihm dieser Aspekt in der Beweisaufnahme gekommen. Mitspieler bestätigen Dunst in seinen Aussagen bezüglich der Szenen auf dem Feld und später im Vereinsheim.

Iyasere legt Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für die Woche nach dem Spiel vor

Iyasere widersprach dieser Darstellung. »Die gesamte Partie über ging es weniger um Fußball. Es gab nur auf die Knochen. Kurz vor Schluss hat er mir aus dem Nichts eine geknallt. Erst treten, dann ohrfeigen - da kann man nicht ruhig bleiben«, sagt der Stürmer. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Iyaseres für die anschließende Woche wurde von der TSG vorgelegt. Eine Gehirnerschütterung sowie Prellungen im Gesicht seien diagnostiziert worden, sagt Iyasere. Das spätere Aufeinandertreffen mit seinem Gegenspieler im Vereinsheim räumt er ein. »Ich habe ihm gesagt, dass es Konsequenzen für ihn haben werde.« Anzeige bei der Polizei habe er erstattet.

Eingeräumt wurde seitens des SV Schwalheim die verbale Entgleisung eines Zuschauers, der den TSG-Spieler rassistisch beleidigt hatte. Mit einer Entschuldigung in den sozialen Medien hatten die Germanen selbst den Vorfall unmittelbar im Anschluss an die Partie in die Öffentlichkeit gebracht. Der Zuschauer - kein Mitglied der Germanen - sei mit einem Platzverbot bei Heimspielen bis Jahresende belegt worden. Die SV-Offiziellen mit Jürgen Freundl und Trainer Daniel Haack äußerten mehrfach ihr Bedauern und legten Wert auf die Feststellung, dass es sich um eine einzige Äußerung gehandelt habe. »Diese gab es. Aber die Behauptung, es sei permanent rassistisch beleidigt worden, ist eine Verleumdung; eine Hetzjagd«, sagt Freundl. Eine persönliche Entschuldigung bei Iyasere blieb aber auch am Abend aus. »Rassismus ist ein Unding. Man muss sich mal in den Spieler hineinversetzen«, sagt Brian Röhmig als Vereinsvertreter der TSG Wölfersheim. Die Tätlichkeit gegen seinen Spieler sei zudem erwiesen, und, »dass Iyasere zuerst geschlagen hat, ist jetzt eine reine Schutzbehauptung«, meinte er abschließend.

Beiden Vereinen drohen jetzt Sanktionen wegen ihrer Fans

Eine Strafe droht Burak Yaya. Der TSG-Spieler hatte nach einem Torerfolg den SV-Zuschauern den, besser gesagt: die Mittelfinger gezeigt, was als unsportliches Verhalten einzuschätzen ist. Sanktionen drohen beiden Vereinen für das Verhalten ihrer Zuschauer. So ist ein TSG-Zuschauer in Richtung der Germanen-Anhänger gelaufen und kaum zu beruhigen gewesen. Die Gastgeber müssen zudem die rassistische Äußerung »ihres« Zuschauers verantworten. Der Strafmaß reicht in einem solchen Fall bis hin zum Punktabzug, wobei in diesem konkreten, mutmaßlich minderschweren Fall, mit einer Geldstrafe zu rechnen ist.

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