12. Dezember 2019, 12:00 Uhr

Kuriose Sportarten / Teil 4 DER WERBEBLOCK

Auto-Slalom: Mit Sicherheit Vollgas

Reifen quietschen, es riecht nach Gummi und Benzin. Die Jugendlichen, die hier fahren, haben teilweise nicht mal einen Führerschein. Eine Frage muss erlaubt sein: Was macht ihr da?
12. Dezember 2019, 12:00 Uhr

Bislang macht Eric Raddatz eher einen schüchternen Eindruck. Vielleicht ist er auch noch etwas müde, schließlich ist es Sonntagmorgen, kurz nach zehn, auf einem Parkplatz im Gießener Land. Doch als sich der großgewachsene 17-Jährige den Helm aufzieht und in den Renault Clio 16V mit Überrollkäfig, Rennsitz und Hosenträgergurt steigt, ändert sich alles mit einem Schlag. »Soll ich erstmal langsam machen oder direkt Renntempo fahren«, fragt er keck. Es kann nur eine rhetorische Frage gewesen sein - zumindest fühlt es sich auf dem Beifahrersitz so an. Denn Raddatz drückt das Gaspedal durch, schaltet in den zweiten Gang und pflügt mit einer beeindruckenden Fahrzeugkontrolle mit bis zu 60 Kilometern pro Stunde durch den Slalom-Parcours.

Zusammen mit Lea Schaba, Jonas Weber und Jonas Winterhoff fährt Raddatz beim MSC Rockenberg Auto-Slalom. Eine Sportart für Jugendliche, die nichts für den schwindelanfälligen Magen ist. Beim Auto-Slalom geht es darum, einen Parcours so schnell wie möglich, aber auch so fehlerfrei wie möglich zu absolvieren. Es darf nur einmal in den zweiten Gang geschaltet werden, jeder weiterer Gangwechsel würde zur Disqualifikation führen. Eine umgefahrene Pylone zieht drei Strafsekunden nach sich, aber auch jeder hergeschenkte Zentimeter kostet Zeit. »Vorrangig geht es aber darum, den Jugendlichen Fahrsicherheit zu vermitteln und sie an den Straßenverkehr heranzuführen. Nicht, sie zu Rennfahrern auszubilden«, sagt Michael Weber, Jugendleiter beim MSC. Ein wichtiger Punkt, denn wer nur Rasen will oder sich nicht an gewisse Regeln hält, ist Fehl am Platz.

Natürlich wird im Rahmen des »ADAC Youngster Cup« aber auch um Bestzeiten gefahren. In der Einsteiger-Wertung kam Raddatz in der vergangenen Saison in der Gesamtwertung nach elf Läufen auf Platz sieben, Winterhoff auf neun, Weber auf zwölf und Schaba, als schnellstes Mädchen, auf Rang 17 unter den 20 Teilnehmern.

Voraussetzung für die Teilnahme am Cup ist eine (Jugend-)Mitgliedschaft im ADAC sowie bei einem Ortsclub in Hessen oder Thüringen. Ein Führerschein ist für die Jugendlichen nicht erforderlich. »Dadurch, dass wir einen öffentlichen Raum absperren und Pylonen aufstellen, ist es kein offizieller Fahrraum mehr. Somit darf auch ohne Führerschein gefahren werden«, erklärt Weber. Neben der Einsteigerklasse gibt es noch die Rookies (18-23 Jahre) und Oldies (23-28 Jahre).

Für die Jüngeren ist Kart-Slalom der Einsteigersport, »ab 16 Jahren kann man dann zum Auto-Slalom wechseln«, sagt Weber. So machten es sein Sohn Jonas und Eric Raddatz, beide 18. Der Auto-Slalom ist, wie im Motorsport üblich, sehr zeitintensiv. Über die Sommermonate finden die Rennläufe statt, an den freien Wochenenden wird trainiert. Die Läufe führten das Rockenberger Quartett in der vergangenen Saison unter anderem nach Hessisch Lichtenau, Melsungen oder Heiligenstadt - keine kurzen Strecken.

Dafür ist der Kostenfaktor für Motorsportverhältnisse sehr klein. Das ist auch ein Grund, warum die 16-jährige Lea Schaba auf das Auto umgestiegen ist. »Ich komme eigentlich aus dem Motorradsport, aber das wurde zu teuer und zeitaufwendig. Auto-Slalom war da eine gute Alternative«, sagt sie. Das Auto wird im Trainingsbetrieb vom MSC Rockenberg gestellt, bei den Wettkämpfen stellt der ADAC die Boliden zur Verfügung. Die Gesamtkosten im »Youngster Cup« liegen bei 495 Euro, darin sind ein Lehrgang, ein Training und mindestens zehn Wertungsläufe enthalten.

Unterdessen hat Raddatz die eng gestellten Pylonen hinter sich gelassen und fährt knackig in eine Linkskurve, die durch eine Pylonengasse verengt wurde. Aus der Kurve heraus beschleunigt er nochmal voll, umfährt zwei weiter Pylonen und schießt über die Ziellinie. »Man kennt die Grenzen des Autos, weiß, wann man schalten muss«, sagt der 18-Jährige. Am Start habe er nur die Strecke im Kopf,

Im kommenden Jahr wird im »Youngster Cup« vom Renault Clio zum Opel Corsa gewechselt. »Wir können aber mit dem Clio weitertrainieren, auch wenn es natürlich Vorteile hat, wenn man das gleiche Auto fährt«, sagt Weber. Allerdings wäre ein Fahrzeugwechsel auch ein immenser Kostenfaktor für den MSC, ergänzt der Jugendleiter, schließlich finanziert sich der Verein nur über Mitgliedsbeiträge und Sponsoren.

Im sonst so kostenintensiven Motorsport ist Auto-Slalom eine tolle Alternative für Jugendliche, die eine Begeisterung für die Jagd nach der schnellsten Rundenzeit hegen. Unterdessen steht Eric Raddatz wieder an der Startlinie. »Jetzt vielleicht so 80 Prozent oder voll«, fragt er diesmal und schaut leicht herausfordernd durch seinen Helm.

Auto-Slalom ist der geilste Sport, weil »man seine Grenzen und die des Autos austesten kann, man dadurch einen sicheren Umgang mit dem Auto lernt und es mächtig Spaß macht«, sagen die Auto-Slalom-Piloten vom MSC Rockenberg.

Trainingszeiten werden auf Nachfrage per E-Mail an jugendleiter@msc-rockenberg.de bekannt gegeben.

Die Fixkosten beim Auto-Slalom liegen im Jahr bei 544 Euro. Darin sind die Teilnahmegebühr für den »ADAC Youngster Cup«, die ADAC-Mitgliedschaft (je nach Tarif kostenfrei oder 24 Euro jährlich) und 25 Euro Mitgliedsbeitrag beim MSC Rockenberg. (esa)

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