28. September 2018, 21:53 Uhr

Anstoß für ein neues Leben

28. September 2018, 21:53 Uhr
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Aus der Redaktion
Auf dem Rasen in seinem Element: Ex-Nationalspieler Jens Nowotny, erklärt den Jugendstrafgefangenen der JVA Rockenberg seine Philosphie – beim Fußball und für das Leben nach dem Knast. (Foto: pv)

Jens Nowotny hat als Botschafter der Sepp-Herberger-Stiftung dieser Tage in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rockenberg gemeinsam mit Vertretern des Hessischen Justizministeriums, der Bundesagentur für Arbeit und des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) die Resozialisierungsinitiative »Anstoß für ein neues Leben« gestartet. Hessen beteiligt sich als zehntes Bundesland an der gemeinsamen Initiative der Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Bundesagentur für Arbeit.

Ziel der Initiative ist es, jungen Gefangenen und Haftentlassenen Unterstützung bei der sozialen und beruflichen Wiedereingliederung durch Akteure aus Sport, Justiz und Arbeitsmarkt zu geben. In Rockenberg nehmen 15 männliche Jugendstrafgefangene im Alter zwischen 16 und 24 Jahren daran teil. Ein regelmäßiges Fußballtraining bildet die Basis. Zusätzlich stehen den Teilnehmern in den Kategorien Fußball, Arbeit/Beruf/Schule und Soziales verschiedene Aus- und Fortbildungsangebote zur Verfügung, beispielsweise Schiedsrichter- und Trainer-Lehrgänge, Musik-Workshops sowie Bewerber- und Anti-Gewalt-Trainings.

»Nichts ist für eine gelungene Wiedereingliederung so wichtig, wie ein stabiles Umfeld. Dazu gehören Arbeit und Ausbildung, familiäre Strukturen, aber auch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Ausgrenzung und Stigmatisierung hingegen sind der sichere Nährboden für den Wiedereinstieg in kriminelle Karrieren. Das wollen wir mit unserer Arbeit innerhalb und außerhalb des Vollzuges verhindern«, sagte Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann zum Start in Rockenberg. »Ich bin deshalb besonders unseren Partnern außerhalb des Vollzuges sehr dankbar, dass wir gemeinsam ein Netz spinnen, das ehemalige Gefangene auffängt und sie bei den ersten Schritten in ein Leben ohne Straftaten begleitet. Gerade für kleinere Sportvereine ist dies nicht selbstverständlich. Umso dankbarer sind wir der Sepp-Herberger-Stiftung, dass sie mit ihrem Engagement für Verständnis und Akzeptanz bei den Vereinen wirbt.«

Botschafter Nowotny berichtete derweil den jugendlichen Zuhörern über seine sportliche Vita und unterstrich die »Anstoß-Idee«: »Wir wollen den Jugendlichen Chancen und Möglichkeiten bieten, nach der Haft direkt in die Gesellschaft zurückzufinden. Gerade hier bieten die rund 25 000 Fußballvereine viele Möglichkeiten. Alle Bemühungen können aber nur dann erfolgreich sein, wenn die jungen Gefangenen bereit sind, ihre Chance zu nutzen und sich aktiv in das Projekt einzubringen.« Jürgen Radeck, Vorsitzender des Verbandsausschusses für Spielbetrieb und Fußballentwicklung im HFV, hebt die integrative Kraft des Fußballs hervor: »Den Gedanken der Resozialisierung mit Fußball zu verbinden ist ein sehr guter Ansatz, denn Fußball verbindet die Menschen, fördert die Gemeinschaft und vermittelt Werte wie Respekt, Toleranz und Fairplay.«

Die Teilnehmer der Fußballgruppen werden durch die Haftanstalten nach einheitlichen Kriterien ausgewählt. Dabei spielen zum Beispiel eine gute Sozialprognose sowie die Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt eine große Rolle. Die berufliche Beratung der Jugendlichen erfolgt durch die lokale Arbeitsagentur. »Dabei unterstützen wir die jungen Gefangenen bereits im Vollzug, einen Ausbildungsplatz für die Zeit nach der Haft zu finden«, betont Björn Krienke, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Gießen.

Weitere Informationen zur Initiative gibt es im Internet unter der Adresse www.sepp-herberger.de



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