25. Januar 2017, 16:41 Uhr

Traum erfüllt

Anna Wehrheim: Halbe Sachen mag sie nicht

Die Eiskunstläuferin Anna Wehrheim hat aufregende Tage hinter sich. Mit ihrem Sieg bei den Deutschen Nachwuchsmeisterschaften erfüllte sich die Ober-Rosbacherin einen Kindheitstraum. Um einem weiteren Traum näher zu kommen, verlässt die 16-jährige Nachwuchsathletin des LSC Bad Nauheim nun ihre Heimat.
25. Januar 2017, 16:41 Uhr
SRD
Anna Wehrheim vom LSC Bad Nauheim bei der DM in Aktion.

Halbe Sachen sind nicht das Ding von Anna Wehrheim. Als die Eiskunstläuferin aus Ober-Rosbach vor einigen Monaten einen Hänger hatte, fühlte sie sich gar nicht wohl. »Es war eine schwierige Zeit. Leider habe ich Schule und Training nicht unter einen Hut bekommen«, erinnert sich die 16-Jährige. Vorübergehend reduzierte sie ihr Pensum von sechs auf drei Trainingseinheiten pro Woche. Dies hielt die sechsmalige Hessenmeisterin allerdings nur kurz aus. Ihre Hingabe für den Sport, ihre Disziplin und ihr Ehrgeiz sollte sich wenige Monate später auszahlen. Vor knapp zwei Wochen triumphierte die gebürtige Bad Homburgerin bei der Nachwuchs-DM (U18 B).

Eine passables Kurzprogramm und eine fehlerfreie Kür bescherten Anna Wehrheim den vorläufigen Höhepunkt ihrer Laufbahn, die vor rund neun Jahren beim LSC Bad Nauheim ihren Anfang genommen hatte. Dass sie mit reichlich Talent gesegnet ist, war von Beginn an offensichtlich. Dass sie das Potenzial für die nationale Spitze mitbringt, hat sich aber erst im vergangenen Jahr herauskristallisiert. Denn Anfang 2016 war die nationale Spitze noch ein großes Stück entfernt. Bei ihrer ersten Teilnahme an den nationalen Titelkämpfen musste sich die 16-Jährige mit Platz zehn begnügen. »Anna hat ihre Sprünge seitdem mit sehr viel Fleiß perfektioniert. Wenn sie so weiter macht, dann kann sie auch bei den Senioren den Titel holen«, meint Vater Thomas Wehrheim, der die Entwicklung seiner Tochter zusammen mit Mutter Anette auf Schritt und Tritt begleitet hat. Als liebender Vater. Als LSC-Abteilungsleiter. Als kompetenter Eiskunstlauffachmann. Und als Chauffeur.

In jüngerer Vergangenheit schlüpfte er immer häufiger in diese Rolle. Denn im November und Dezember mussten Vater und Tochter täglich nach Mannheim fahren. Die Vorbereitung auf die Deutsche Meisterschaft stand an. Und im Bad Nauheimer Colonel-Knight-Stadion fand der Youngster keine adäquaten Bedingungen vor. »In Mannheim ist das Eis viel weicher, weil in der Halle kein Eishockey gespielt wird«, erzählt Wehrheim, die in dieser Woche nach Mannheim umzieht. Künftig wird die 16-Jährige im Olympiastützpunkt Rhein-Neckar trainieren. Und statt der Sankt-Lioba-Schule in Bad Nauheim eine Elitesportschule vor Ort besuchen. Viele ihrer Konkurrentinnen haben diesen Schritt bereits gemacht. Um weiter mithalten zu können, musste auch Anna Wehrheim ihn gehen. Und deswegen entschied sie sich für den Abschied von der Heimat, der ihr alles andere als leicht fiel. »Ich wäre gerne in der Wetterau geblieben«, sagt Wehrheim.

Irgendwann will sie zurückkommen. Bereits jetzt schwebt ihr vor, eines Tages das Steuerbüro ihrer Mutter zu übernehmen. In zwei Jahren macht sie Abitur, danach möchte sie ein betriebswirtschaftliches Studium beginnen. Auf dem Eis will sie dann auch noch stehen. Denn nach ihrem Coup in Mannheim hat die 16-Jährige Blut geleckt. »Es ist doch klar, dass ich auch bei den Senioren den Deutschen Meistertitel gewinnen möchte«, blickt Wehrheim selbstbewusst voraus. Gleichwohl ist sie sich dessen bewusst, dass der Weg dahin beschwerlich werden könnte. Sechs Trainingseinheiten hat sie bereits jetzt pro Woche zu absolvieren. Zwei Stunden steht sie pro Einheit auf dem Eis, hinzu kommen Athletik- und Balletttraining. Und natürlich stehen immer wieder Wettkämpfe auf dem Programm. »Man muss sehr viel entbehren, wenn man im Eiskunstlauf erfolgreich sein will«, weiß Thomas Wehrheim und schiebt nach: »Viele Kinder fasziniert die Rolle der Eisprinzessin, die es aber eigentlich gar nicht gibt.«

Fernsehteam und 500 Zuschauer

Anna Wehrheims Faszination für die Sportart rührt nicht daher. Es war vielmehr die Vielseitigkeit, die die 16-Jährige begeisterte – und bis heute begeistert. »Als Eiskunstläuferin ist man eine Art Schauspielerin. Man schlüpft ständig in neue Rollen, weil man ja auch seine Musik häufiger wechselt«, erzählt die gebürtige Bad Hombergerin, die noch mindestens sechs Jahre selbst auf dem Eis stehen möchte. »Ein Leben komplett ohne Eiskunstlauf ist für mich aber undenkbar«, betont Wehrheim, die sich eine Tätigkeit als Trainerin vorstellen kann.

Im Moment genießt die junge Athletin aber die stetig steigende öffentliche Wahrnehmung. Ihre Trainingsgruppe wurde bereits von einem Fernsehteam der ARD besucht, und ihren Auftritt bei der Deutschen Meisterschaft sahen fast 500 Zuschauer. »Für solche Momente quält man sich im Training«, erläutert die Ober-Rosbacherin. Und wohl auch, um keine halben Sachen zu machen. Denn die sind nicht das Ding von Anna Wehrheim.

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