12. November 2019, 12:00 Uhr

Überraschungsmannschaft

Als Aufsteiger auch Spitzenreiter: Das Erfolgsgeheimnis des 1. FC Rendel

Der 1. FC Rendel scheint die Fußball-Kreisliga A Friedberg nach Belieben dominieren zu können - und das als Aufsteiger. Torjäger Kevin Müller erklärt im Interview das Geheimnis des Erfolges.
12. November 2019, 12:00 Uhr
Der Rendeler Angreifer Kevin Müller (r.) - hier im Top-Spiel vor Tobias Örtner (SV Hoch-Weisel) am Ball - jagt derzeit mit seinem Team von Sieg zu Sieg. (Foto: Jaux)

Die Bilanz: 14 Spiele, 13 Siege, ein Unentschieden, keine Niederlage, neun Punkte Vorsprung auf Rang zwei. Der 1. FC Rendel scheint die Fußball-Kreisliga A Friedberg derzeit nach Belieben zu dominieren. Der Aufsteiger, der im Sommer erst über die Relegation den Sprung in die zweithöchste Spielklasse des Fußballkreises gepackt hatte, könnte den Durchmarsch schaffen. Doch das ist derzeit kein Thema, wie Kevin Müller - mit elf Treffern der beste Torjäger des Teams - im Interview verrät.

Herr Müller, haben Sie mit einem solchen Abschneiden Ihres Teams gerechnet?

Kevin Müller: Eigentlich nicht. Unser Ziel war der Nichtabstieg, zumal man als Aufsteiger vor der Runde nie so richtig weiß, wo man steht. Wir hatten uns vorgenommen, uns bis zur Winterpause zu finden, zu versuchen, uns in der neuen Klasse zu etablieren und dann Richtung Mittelfeld zu schauen. Dass es jetzt so läuft, hätte keiner gedacht.

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Müller: Zunächst einmal ein überragender Trainer. Alexander Jörg gehört meiner Meinung nach nicht in diese Liga, er ruft sein Potenzial noch nicht voll ab und könnte auch locker zwei, drei Spielklassen höher trainieren. Dazu kommt eine hohe Qualität im Kader mit vielen Jungs, die jung sind und in der Jugend schon höherklassig gespielt haben. Das ergibt ein gutes Mannschaftsgefüge. Und nicht zuletzt hatten wir bislang auch immer ein Quäntchen Glück.

Hat sich das Team nach zuletzt sechs Siegen in Serie in einen Lauf gespielt?

Müller: Das kann man schon so sagen. Beim letzten Spiel gegen Schwalheim (die Sonntagspartie in Ilbenstadt war ausgefallen, Anm. d. Red.) haben wir eignetlich nicht gut gespielt, aber trotzdem 5:1 gewonnen. Wir sind sehr gut drauf und wollen dieses Gefühl jetzt in das Top-Spiel vor Weihnachten gegen die Spvgg. 08 Bad Nauheim auch mitnehmen.

Bei solch einem Vorsprung könnte man schon von Meisterschaft und Aufstieg träumen. Ist das bei Ihnen ein Thema?

Müller: Momentan beschäftigt sich kaum einer damit. Wir versuchen einfach, unseren Vorsprung mit in die Winterpause zu nehmen. Ich denke dann kann man sich mal zusammensetzen und darüber sprechen. So etwas hätte ja auch vor der Saison niemand gedacht.

Sie sind in Ihrem zweiten Jahr in Rendel, haben in der vergangenen Saison nach Jahren der A-Liga-Zugehörigkeit ein Jahr in der B-Klasse mit Rendel verbracht. Wie sehen Sie das Aufstiegsjahr im Rückblick?

Müller: Es war eine sehr schwierige Saison, denn eigentlich hatten wir gut begonnen, doch dann entwickelte sich immer mehr ein Dreikampf zwischen Ilbenstadt, Heilsberg und uns. Im Spitzenspiel gegen Heilsberg war der Druck dann schon groß, denn jeder wusste: Wer gewinnt, kommt in die Relegation. Da hätte also alles schiefgehen können, was man sich eine Saison lang aufgebaut hat. Aber wir haben gut gespielt, dann eine starke Relegation hingelegt und letztlich war es eine colle Saison, nach der wir uns dann auch noch einmal qualitativ und quantativ gut verstärkt haben.

Glauben Sie, dass der 1. FC Rendel in der Kreisoberliga bestehen kann?

Müller: Die Qualität ist auf jeden Fall da. Das haben wir in der Vorbereitung gesehen, wo wir gegen Burg-Gräfenrode gewonnen oder im Pokal gegen Ober-Rosbach, wo wir erst in der 88. Minute das 1:2 bekommen haben, obwohl wir in der ersten Halbzeit sogar besser gewesen sind.

Was würde ein solcher Schritt für Sie und den Verein bedeuten?

Müller: Mir selbst ist die Spielklasse gar nicht so wichtig, da ich durch meine Tätigkeit als Jugendtrainer beim KSV Klein-Karben sowieso nicht so viel Zeit für Training habe. Aber für den Verein wäre es natürlich eine coole Sache. Im Vergleich zu anderen Mannschaften sind unsere Mittel ein Witz. Es ist schon toll zu sehen, wie man trotzdem so ein gutes Team und so attraktiven Fußball bieten kann. Das macht einen auf jeden Fall ein bisschen stolz.

Sie selbst sind mit elf Toren teamintern der beste Schütze. Spielt das eine Rolle innerhalb der Mannschaft?

Müller. Klar machen wir schon Witze über die Zahl der Tore oder Vorlagen, aber eigentlich ist es kein echtes Thema. Wir nehmen uns einfach gerne gegenseitig auf die Schippe, was zeigt, dass die Mannschaft funktioniert. Zusammen mit unserem Trainer ist das eine gute Mischung, in der es menschlich einfach passt.

Wie sieht es im Umfeld aus?

Müller: Das ist ziemlich einzigartig. Hier haben wir viele junge Leute, die etwas machen. Zum Beispiel kümmert sich Fabian Müller nach seiner vierten Knieverletzung um das Vereinsheim, kauft ein, verkauft Getränke, bietet am Samstag ein Public Viewing für die Bundesliga an. Und das mit 22 Jahren. Oder Pascal König, der sich zum vierten Mal das Kreuzband gerissen hat, ist trotzdem jeden Sonntag da und grillt. Ich glaube, deswegen funktioniert es auch innerhalb der Mannschaft so. Wenn jemand Hilfe braucht, wird das einfach erledigt. Das ist extrem wichtig für einen Verein wie uns.

Sie selbst sind als Trainer im Nachwuchs des Karbener SV aktiv. Wäre das für Sie langfristig ebenfalls eine Option oder wollen Sie lieber als Spieler angreifen?

Müller: Ich fühle mich als Trainer beim KSV einfach richtig wohl und habe mit meiner coolen Mannschaft viel Spaß. Selbst höherklassig zu spielen wäre zwar ebenfalls nicht schlecht, aber beides lässt sich nicht miteinander vereinbaren. Das war neben der Tatsache, dass hier Alexander Jörg trainiert, auch der Grund, warum ich aus Gronau nach Rendel gewechselt bin. Was wir beim KSV mit unserem Möglichkeiten im Vergleich zur Konkurrenz leisten, die Profi-Teams im Seniorenbereich haben oder auf vier Sportplätze nebeneinander zugreifen können, ist schon ein Wunder.

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