08. Juli 2021, 22:02 Uhr

Fussball

Zeitstrafe kehrt zurück: Darauf muss man sich im Fußballkreis einstellen

Der Fußballkreis Friedberg ist Teil eines Pilotprojekts: Ab sofort wird ab der Kreisoberliga abwärts sowie im Kreispokal mit Zeitstrafen anstelle der Gelb-Roten Karte gespielt.
08. Juli 2021, 22:02 Uhr
Im Jugendfußball gibt es die Fünf-Minuten-Zeitstrafe, nun kehrt diese Regel - aber mit zehn Minuten - auch für den Senioren-Bereich auf Kreisebene zurück. SYMBOLFOTO: IMAGO

Die Zeitstrafe kehrt zurück - mit sofortiger Wirkung, allerdings nur im Kreisspielbetrieb der Herren (Meisterschaft und Pokal). Der Spielausschuss des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) hat am Donnerstag seine Spielordnung entsprechend modifiziert. Anfang März 2020 hat der Deutsche Fußball-Bund einem entsprechenden Pilotprojekt für die kommenden beiden Spielzeiten zugestimmt. Der Spielbetrieb der Frauen- sowie der Jugend-Mannschaften bleibt unberührt.

So kommt die Zeitstrafe zur Anwendung : Ab sofort - und damit auch in den noch verbleibenden Spielen des Kreispokal-Wettbewerbs 2020/21 - gilt: Die zehnminütige Zeitstrafe soll auf Kreisebene die Gelb-Rote Karte ersetzen und verhängt werden, wenn ein bereits verwarnter Spieler ein weiteres verwarnungswürdiges Vergehen begeht. Jedes weitere verwarnungs- oder feldverweiswürdige Vergehen eines bereits mit einer Zeitstrafe sanktionierten Spielers soll direkt zur Roten Karte führen. Für nicht aktiv am Spiel teilnehmende Akteure (Ersatzspieler/ausgewechselte Spieler) findet die Zeitstrafe keine Anwendung. Sind diese bereits verwarnt und begehen ein weiteres verwarnungswürdiges Vergehen, wird dies mit einer Roten Karte sanktioniert. Während einer laufenden Zeitstrafe darf der betroffene Spieler nicht durch einen anderen ersetzt werden. Über den Zeitablauf entscheidet allein der Schiedsrichter. Turnier- und Freundschaftsspiele seien von der Zeitstrafe ausgenommen, heißt es in einer HFV-Pressemitteilung. Die Zeitstrafe werde nicht gegen Team-Offizielle ausgesprochen. Hier wird weiterhin mit Karten (Gelb, Gelb-Rot und Rot) sanktioniert.

Das ist ebenfalls neu : Eine Gelb-Rote Karte führt künftig auch in den Gruppen- und Verbandsligen (wie zuvor bereits in der Hessenliga) automatisch eine Sperre von einem Spiel nach sich. Außerdem - und dies ist die dritte wesentliche Veränderung - werden bei noch bestehende Pflichtspielsperren (Vergehen vor dem 29. Mai 2021) angesichts der Annullierung der Saison 2020/21 vier Spiele zugunsten der Spieler angerechnet - mit Ausnahme von Sperren aufgrund einer Tätlichkeit gegen Schiedsrichter. Die Anrechnung erfolgt erst zum 2. August, da ein Eingriff in die noch laufenden Kreispokal-Wettbewerbe der Saison 20/21 verhindert werden soll.

Das sagt der Kreisschiedsrichterobmann: Rene Filges ist skeptisch. »Mir fehlen die Erfahrungswerte. Ich stelle mir das in den unteren Ligen mitunter schwierig in der Handhabung vor. Wenn der Schiedsrichrer binnen kurzer Zeit mehrere Zeitstrafen ausspricht, muss er auch den Überblick behalten. Er hat keinen Assistenten, aber möglicherweise Druck von außen. Ich weiß auch nicht, ob eine Zeitstrafe zur Beruhigung beiträgt. Da halte ich eine Gelb-Rote Karte für besser; gerade, wenn sie - wie in den Verbandsspielklassen - ein Sperre von einem Spiel nach sich zieht«, sagt der KSO des Fußballkreises Friedberg. Was ihn dahingehend grundsätzlich ärgert: »Der Profi- und der Amateurfußball entfernen sich immer mehr voneinander. Früher hatten wir von der Champions League bis in die C-Liga dieselben Regeln. Heute haben wir hier einen Videobeweis, dort die Möglichkeit, ausgewechselte Spieler wieder einzuwechseln. Hier können fünf neue Spieler zum Einsatz gebracht werden, dort nur drei. Im Jugendbereich wiederum gibt’s eine Fünf-Minuten-Strafe. Wer als Referee hoch bis zur den Verbandsklassen pfeift, muss sich diesbezüglich Spiel für Spiel neu einstellen.«

Das gab den Anstoß: Der Wunsch nach Wiedereinführung von Zeitstrafen, die im Jahr 1991 abgeschafft worden waren, war von den Vereinen an den Ausschuss für Spielbetrieb und Fußballentwicklung herangetragen worden. Dieser hatte einen Antrag an den DFB-Spielausschuss formuliert, da das FIFA-Regelwerk Anpassungen im Breitenfußball in Abstimmung mit dem nationalen Verband möglich macht. »Wir hoffen, dass die Wiedereinführung der Zeitstrafe zur Deeskalation auf den Sportplätzen beiträgt. Hier müssen der Handball und andere Sportarten unsere Vorbilder sein«, sagte Verbandsfußballwart Jürgen Radeck (Ortenberg), als er die Veränderungen angestoßen hatte.

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