09. Mai 2021, 20:13 Uhr

Gießen 46ers

Wohin geht die Reise für die Gießen 46ers?

Die Gießen 46ers haben sich am Sonntag mit der 91:103-Niederlage gegen die Löwen Braunschweig aus der Basketball-Bundesliga verabschiedet. Doch das letzte Wort, wohin die Reise letztlich für den sportlichen Absteiger geht, ist noch nicht gesprochen.
09. Mai 2021, 20:13 Uhr
Die aus der Basketball-Bundesliga abgestiegenen Gießen 46ers verabschieden und bedanken sich. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers


Die Gießen 46ers waren beim 91:103 (40:57) gegen die Löwen Braunschweig bemüht, sich würdig aus Liga eins zu verabschieden. Für beide Teams ging es um nichts mehr. Aber die Braunschweiger wollten unbedingt ihre Siegesserie auf sechs Erfolge ausbauen. Insgesamt lieferten die Protagonisten unter den Augen der von den Gießenern eingeladenen Rollstuhlbasketballer vom RSV Lahn-Dill ein unterhaltsames Spiel ab. Beim Rang-17. Gießen 46ers ragte Scottie James Jr. heraus, der mit 30 Punkten seinen BBL-Highscore aufstellte.

In Viertel eins hatte vor allem der gebürtige Gießener in den Reihen der Löwen, Benedikt Turudic, großen Gefallen daran gefunden, in seiner Heimat und alten Wirkungsstätte Körbe zu erzielen. Nach dem ersten Quarter stand er bei elf Punkten und einer 100-prozentigen Wurfquote. Ein Highlight auf Gießener Seite war gleichwohl das Dreipunktspiel von Youngster Tim Uhlemann, der zum zwischenzeitlichen 20:22 (9.) beim 25:29-Viertelendstand verkürzte.

Die Löwen bissen sich im zweiten Durchgang fest. Die Scorer Turudic, van Sloten und Karim Jallow schalteten und walteten, wie sie wollten. Beim 32:48-Rückstand (17.) stoppte Gießens Trainer Scholz den Lauf. Und seine »Jungs« kehrten mit der richtigen Antwort aus der Auszeit zurück: James Jr. markierte einen Zweier. Doch die Gäste aus Niedersachsen, die nur knapp an den Playoffs gescheitert waren, gaben weiter den Ton an. Sie ließen sich nicht aus dem Konzept bringen - und zeigten in der letzten Minute des zweiten Viertels ihre ganze Klasse: Erst dunkte Jallow aus dem Dribbling zum 55:40 ein, dann blockte Turudic den Wurf von Bjarne Kraushaar, ehe der umsichtig und klug agierende Löwen-Aufbauspieler James Robinson nach einem Fastbreak zur 57:40-Halbzeitführung für die Gäste ablegte.

In Häfte zwei sah es lange Zeit nach einer klaren Angelegenheit der Gäste aus, die nach 26 Minuten mit 72:54 führten und Scholz erneut zu einer Timeout zwangen. Die Worte fruchteten bei seiner Mannschaft. Ganz besonders beim jungen Playmaker Kraushaar, der zum Ende hin groß aufspielte und dreimal hintereinander die Kugel von jenseits der 6,75-m-Linie zum 73:83 einfliegen ließ. Die 33 Punkte der 46ers in diesem Durchgang konnten sich sehen lassen.

Im finalen Quarter trumpfte Gießen »Big« John Bryant auf: Hinten per Blocks, vorne per Dreier. Beim 83:92 (36.) reagierte Löwen-Coach Pete Strobl und holte sich seine Spieler auf die Bank. Es blieb spannend, ehe Jallow mit einem Dreier zum vorentscheidenden 97:87 (38.) traf. Kraushaar bilanzierte: »Wir haben den Start verschlafen, Das darf nicht passieren. Im dritten Viertel haben wir besser verteidigt.« Wie es mit dem gebürtigen Gießener weitergeht, konnte er nicht beantworten. Es seien noch keine Gespräche geführt worden. Der 21-Jährige wird seine Entscheidung sicherlich auch davon abhängig machen, in welcher Liga die 46ers in der kommenden Saison antreten werden.

Denn das letzte Wort in Sachen Abstieg ist bei den Gießen 46ers noch nicht gesprochen. Aktuell gibt es nur eine Frage, die in den Kreisen der Gesellschafter heftig diskutiert wird: Wohin geht die Reise des Klubs? Natürlich gibt es Befürworter, die ein Wildcardverfahren anstreben. Andere wiederum möchten, dass der Klub über einen baldigen Aufstieg über die Pro A ins Oberhaus zurückkehrt. Und genau darin kann die Krux liegen: Wer garantiert, dass es schnell mit dem Sprung nach oben geht? In der 2. Liga gibt es zahlreiche ehemalige Bundesligisten wie Trier, Tübingen, Bremerhaven, Leverkusen, Hagen, Paderborn oder Jena, die seit Jahren versuchen, in die BBL aufzusteigen. Andererseits müssen die Gießener für eine Wildcard mit 700 000 Euro tief in die Tasche greifen. Nach Informationen dieser Zeitung soll die Summe auf zwei Jahre gesplittet werden. Zudem bleibt offen, ob sich die 46ers in einem möglichen Wildcardverfahren gegenüber der Konkurrenz (Vechta, Jena, und Rostock sind ebenfalls daran interessiert) durchsetzen können.

Gießens Geschäftsführer Stephan Dehler nahm in der Halbzeit der Sonntag-Partie Stellung zu diesem Thema. »Die BBL hat ihre Vorzüge. Keiner spielt gerne zweit- oder drittklassig. Wir haben erst kürzlich in unserem Zukunftspapier unser Jugendkonzept mit dem Leistungszentrum vorgestellt. Das macht deutlich mehr Sinn, wenn man ein BBL-Team hat und ein Farmteam in der Pro B. Wir sind defacto sportlich abgestiegen. Und nun muss man schauen, ob man sich um eine Wildcard bewirbt oder nicht. Wenn wir uns bewerben, werden wir versuchen, uns so gut wie möglich zu präsentieren - und zu überzeugen, dass wir als Traditionklub und Gründungsmitglied in die BBL gehören.« Spannende Tage warten nicht nur auf die Gießen 46ers.

Gießen: Gießen: James Jr. (30 Pkt./ 1-3er, 7 Rebounds), Kraushaar (14/4), J.Bryant (13/2/7), Pjanic (12/2/9), D.Garrett (8/0), Uhlemann (5/0), Zylka (4/0), Hamilton (3/0), Köpple (2/0), Stark.

Braunschweig: Jallow (24 Pkt./ 3-3er), Turudic (18/1/5), L.van Slooten (13/3), Velicka (12/2), L.Wank (11/1), Robinson (11/1), G.Schilling (9/0), Peterka (5/1), Watkins, Zeeb, J.Göttsche, Roosch. - Viertel: 25:29, 15:28, 33:26, 18:20.

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