08. Mai 2021, 07:00 Uhr

Gießen 46ers

Wildcardverfahren ohne Gießen 46ers?

Die Gießen 46ers nehmen als bereits feststehender Absteiger am Sonntag mit dem Heimspiel in der Osthalle gegen Braunschweig Abschied aus der Basketball-Bundesliga. Ihre neue Heimat dürfte dann in der nächsten Saison 2021/22 in der 2. Liga Pro A liegen.
08. Mai 2021, 07:00 Uhr
Tim Uhlemann (l.) und Tim Köpple können sich auf längere Einsatzzeiten freuen, da der Absteiger Gießen 46ers zum Basketball-Bundesliga-Abschied am Sonntag gegen Braunschweig verletzungsbedingt auf fünf Spieler verzichten muss. FOTO: IMAGO

Gießen 46ers


Am Dienstagabend stand nach dem 90:99 der Gießen 46ers in Bamberg der sportliche Abstieg aus der Basketball-Bundesliga fest - der zweite nach 2013. Der Tabellenvorletzte möchte sich beim Hauptrundenende am Sonntag um 15 Uhr in der Osthalle mit einer vernünftigen Vorstellung gegen die Löwen Braunschweig aus dem Oberhaus verabschieden. Was schwer werden wird, da das Team von Trainer Rolf Scholz von Verletzungen arg gebeutelt ist. Für beide Teams geht es um nichts mehr. Vielmehr beschäftigt die Öffentlichkeit die Frage, in welcher Liga spielen die Gießen 46ers in der nächsten Saison?

Wildcard : Fakt ist, die Gießen 46ers stehen nach Rasta Vechta als zweiter sportlicher Absteiger in die Pro A fest. Da es aber mit den Academics Heidelberg nur einen Aufsteiger in die Basketball-Bundesliga gibt, ist die Sollstärke von 18 Mannschaften nicht gegeben. In diesem Fall kann die BBL ein Wildcardverfahren für den vakanten Teilnahmeplatz eröffnen - was sie nach Informationen dieser Zeitung auch anstrebt, wobei der finale Beschluss der 18 BBL-Manager noch aussteht. Weiterhin war aus der BBL-Zentrale in Köln zu vernehmen, dass sich an der Gesamtsumme, um sich das Startrecht im deutschen Basketball-Oberhaus zu erkaufen, von 700 000 Euro nichts ändern wird. Es ist aber angedacht, diesen Betrag auf zwei Jahre zu splitten. Dennoch: Das ist eine Menge Geld in den schwierigen Corona-Zeiten. Der Klubchef von Rasta Vechta, Stefan Niemeyer, hat bereits sein Interesse an einem Wildcard-Verfahren bekundet. Ein weiterer Kandidat scheint der ambitionierte Pro A-Ostsee-Klub Rostock Seawolves zu sein. Um über das Wildcardverfahren noch ins BBL-Teilnehmerfeld 2021/22 zu rutschen, muss aber die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit attestiert worden sein. Was bei den beiden oben genannten Kandidaten wie bei den Gießen 46ers der Fall ist,

Lage: Für die Gießen 46ers stellen sich aktuell die Fragen, wollen und können wir überhaupt so eine horrende Summe aufbringen, um weiter in der Basketball-Bundesliga zu spielen - oder investieren wir lieber in eine konkurrenzfähige Pro A-Mannschaft? Ein finanzielles Harakiri ist von seiten des Klubs nicht zu erwarten. Das hat Geschäftsführer Stephan Dehler schon mehrfach betont. Eine klare Stellungnahme, wo die Reise für die 46ers hingehen wird, gab es seitens der Verantwortlichen aber noch nicht. Nur soviel: Man müsse das Geld erst einmal haben. Egal, welche Summe es sei. Dann müsse man schauen, wie man sie aufbringe. Wenn sie aus dem laufenden Budget erbracht werden müsse, würde das in der Regel zu Lasten des Spieleretats passieren, so Dehler. Was bringt dann ein Start in der BBL, wenn die Mannschaft von vornherein so gut wie keine Chance besitzt? Wie das enden kann, zeigt die Historie der Gießen 46ers selbst. Für die Spielzeit 2012/13 setzte sich zwar der Klub beim Wildcardverfahren durch. Ende 2012 stellte er aber wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag und trat nach dem Ende der Saison den Gang in die Zweitklassigkeit an. Die Gießen 46ers sind in Sachen Wildcard ein gebranntes Kind.

Gegner: Die Löwen Braunschweig brauchen sich mit solchen Dingen nicht beschäftigen: Die mit vielen jungen, deutschen Spielern ausgestattete Mannschaft von Trainer Pete Strobl hat 15 Partien gewonnen - dabei mit Siegen in München und Berlin überrascht. Auffälligster Akteur im Löwen-Team ist der athletische Karim Jallow. Der Kapitän und Nationalspieler legt im Schnitt pro Spiel 14,9 Punkte und 4,7 Rebounds auf. Nicht aus den Augen darf man zudem den litauischen Spielmacher Arnas Velicka verlieren: Der 21-Jährige glänzt nicht nur beim Scoren (13,3 Punkte pro Spiel), sondern auch mit seinen Anspielen.

Personelles: Die Braunschweiger müssen auf den verletzten Lukas Meisner verzichten. Die Gießen 46ers hat es diesbezüglich weit aus härter getroffen. Bei ihnen fallen gleich fünf Spieler aus, die sich mit verschiedenen Verletzungen herumschlagen: Brandon Bowman, Brandon Thomas, Ferdinand Zylka, Jonathan Stark und Chad Brown. So können sich die beiden Youngster Tim Köpple und Tim Uhlemann auf Einsatzzeiten freuen, kündigte 46ers-Trainer Scholz an.

Das sagt Trainer Scholz: »Braunschweig ist die Mannschaft der Stunde. Sie hat einen Lauf und bringt viel Energie auf das Feld. Die Braunschweiger haben sehr gute Import-Spieler nachverpflichtet - vor allem den Litauer Arnas Velicka. Insgesamt ist es beeindruckend, was sie individuell in der Lage zu bringen sind. Sie attackieren hart das Brett. Wir müssen die Energie matchen.«

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