Lokalsport

Wiedersehen macht Freude

Handball-Bundesligist Coburg empfängt am Donnerstag die HSG Wetzlar. Damit trifft der heutige Coburger Trainer Alois Mráz auf eine Mannschaft, für die er einst gespielt hat.
24. März 2021, 06:20 Uhr
JSA
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Alois Mráz (M.) trainiert seit dieser Saison den Bundesligisten HSC 2000 Coburg und erwartet am Donnerstag seinen einstigen Verein HSG Wetzlar in der HUK-Coburg-Arena. FOTO: IMA

Wenn am morgigen Donnerstag die HSG Wetzlar beim HSC 2000 Coburg antritt, dann ist es für einen mit Wahlheimat Wetzlar irgendwie doch ein Heimspiel: Alois Mráz. Der Tscheche, seines Zeichens Cheftrainer des HSC 2000 Coburg, ist in der Region bestens bekannt und wohnt weiterhin mit seiner Familie in Dutenhofen. Wann immer möglich, pendelt er die 300 Kilometer. Jahrelang war Mráz als Spieler der HSG Wetzlar und des TV Hüttenberg sowie als Trainer des TV Hüttenberg aktiv, den er 2018 Richtung VfL Gummersbach verließ. Dort als Co-Trainer der ersten Mannschaft und Chefcoach des A-Jugend-Bundesligateams unterwegs, absolvierte der 42-Jährige parallel eine Ausbildung zum Erzieher. Im Sommer 2020 kam dann die Anfrage des Bundesliga-Aufsteigers aus Coburg. Im Vorfeld der Partie erzählt er im Interview von der Vereinbarkeit mit der Familie, der aktuellen Situation in Coburg und wie der Kontakt zustande kam.

Herr Alois Mráz, bislang ohne Erfahrung als Bundesliga-Cheftrainer, kam für viele die Anstellung letzten Sommer überraschend. Wie kam der Kontakt mit Coburg zustande?

Nachdem klar war, dass Jan Gorr in den Geschäftsführerposten wechselt, rief er mich an und kurze Zeit später führten wir dann unser erstes Gespräch.

War für Sie denn von vornherein klar, dass es dann Coburg wird oder stand auch im Raum, in Gummersbach zu bleiben?

Naja, ich musste dann schon ein paar Sachen besprechen. Ich hatte noch Vertrag in Gummersbach und natürlich spielt bei so einer Entscheidung die Familie eine Rolle. Wie wir die anstehenden Aufgaben als Familie schaffen können, da es ja schon 300 Kilometer zwischen Coburg und Dutenhofen sind. Und in letzter Instanz musste sich Coburg dann ja auch erst mal für mich als neuen Cheftrainer entscheiden.

Sie haben es gerade schon angesprochen: Wie lässt sich das Ganze mit der Familie vereinbaren? In der aktuellen Zeit, mit vielen Spielen hintereinander, bleibt Ihnen ja wenig Zeit.

Meine Frau war ja selbst Handballerin in der Sportschule, deshalb ist sie mit Handball sehr verbunden. Unsere Kinder haben die Entscheidung auch unterstützt, sodass für uns schnell klar war, das machen zu wollen.

Kommen wir zu Coburg. Es ist Ihre erste Station in der Bundesliga als Cheftrainer. Wie nehmen Sie die Zeit bisher wahr?

Sehr intensiv. Mit unserer Situation und der Aufgabe ist es natürlich sehr anspruchsvoll. Es ist eine spannende Zeit, in der wir versuchen, das Bestmögliche rauszuholen. Es ist ein Entwicklungsprozess, zu sehen und zu erkennen, wo Dinge verbessert werden können. Da müssen wir mal sehen, wie das weiter verläuft. Jedem von uns ist klar, dass wir uns weiter verbessern müssen.

Sie haben mit Jan Gorr einen Geschäftsführer, für den seine Aufgabe selbst neu ist und der jahrelang erfolgreiche Arbeit als Trainer beim HSC geleistet hat. Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Ihnen beiden?

Wir tauschen uns oft miteinander aus. Das habe ich auch von Anfang an gesagt, dass mir das wichtig ist. Er hat viel Erfahrung und ist schon lange in Coburg, kennt dadurch Mannschaft und Umfeld. Deshalb ist mir der Austausch mit ihm in konstruktiven Gesprächen sehr wichtig.

Bislang blieb Ihnen ein Heimspiel in einer ausverkauften HUK-Coburg-Arena verwehrt. Wie nehmen Sie die Begeisterung um den Handball in der Stadt wahr, was bekommen Sie davon mit?

Also nahezu alle leben hier den Handball. Mit viel Herz und Leidenschaft sind die Leute dabei. Man hat das gemerkt nach unserem Derbysieg gegen Erlangen, was da los war mit Plakaten in der Stadt und auf dem Weg zur Arena. Auch wenn sie uns derzeit nicht in der Halle unterstützen können, merkt man die Verbundenheit.

Sportlich gesehen steckt Coburg in einer schwierigen Situation und muss um den Klassenerhalt bangen. Worin sehen Sie die Gründe dafür?

Wir haben es vor allem nicht geschafft, die Duelle gegen die direkte Konkurrenz zu gewinnen und zu punkten. Zwar haben wir mit Siegen gegen Melsungen, Erlangen und Stuttgart gezeigt, dass wir auch andere Mannschaften schlagen können. Aber wir müssen jetzt hinbekommen, die direkte Konkurrenz zu schlagen und da unsere Punkte zu holen, um unsere Chance noch zu nutzen. Es ist immer noch alles möglich mit vier Punkten Abstand auf einen Nichtabstiegsplatz, und da wollen wir in den restlichen Spielen angreifen.

Nun steht für Sie und Ihre Mannschaft das Rückspiel gegen Wetzlar an. Inwiefern ist es für Sie ein besonderes Spiel gegen den Verein, für den Sie selbst sechs Jahre lang gespielt haben?

Ich habe solche Duelle ja bereits mit Hüttenberg erlebt und natürlich ist es etwas Besonderes, weil ich dort auch noch lebe. Aber mein Fokus liegt auf der Leistung mit Coburg. Wir haben unsere Aufgabe und wollen ein gutes Spiel zeigen - im besten Fall auch mit Punkten.

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