09. März 2021, 12:00 Uhr

Fußball

Weit weg vom Spielbetrieb in Hessen

Es sieht nicht gut aus für den Amateurfußball in Deutschland Fast alles spricht dafür, dass in Hessen die Saison abgebrochen wird. Immerhin dürfen die Kinder wieder trainieren.
09. März 2021, 12:00 Uhr
Still ruhen sie vor sich hin - die heimischen Fußballplätze. Ob die Saison 2020/2021 in Hessen überhaupt noch einmal fortgesetzt werden kann, ist mehr als fraglich. FOTO: FRIEDRICH

So allmählich schwindet die Hoffnung, dass die Amateurfußballer in Hessen die Saison 2020/2021 auch nur die Hinrunde zumindest über die Bühne bringen können. Die neuen Beschlüsse, die die Politik in Berlin vorgestellt hat, bringen faktisch gesehen kaum eine Veränderung. Als erster Landesverband hat der Hamburger Fußball-Verband am vergangenen Donnerstagabend beschlossen, die Saison 2020/2021 abzubrechen. Es wird keine Auf- und Absteiger geben. Die Vereine stimmten für die Beschlussvorlage, nach der »die Mannschaften der Spielbetriebe der Herren- und Frauenmannschaften zum Spieljahr 2021/2022 in die gleichen Spielklassen wie im Spieljahr 2020/2021 eingeteilt« werden.

Abhängig von regionalen Corona-Inzidenzwerten können die Bundesländer seit Montag kontaktfreien Sport unter freiem Himmel in kleinen Gruppen vorsehen. Der Hessische Fußball-Verband (HFV) stellt dazu fest: »Kindern bis einschließlich 14 Jahren, also bis zum 15. Geburtstag, ist - unabhängig von der Zahl der Hausstände - der Sport im Freien in Gruppen unabhängig von der Personenzahl erlaubt. Fußball ist daher für diese wieder möglich, sogar mit Kontakt.«

In einem weiteren Schritt könnten bei einer stabilen Inzidenz von unter 50 nach 14 Tagen (nicht vor dem 22. März) auch wieder Kontaktsport im Freien wie Fußball sowie kontaktloser Sport im Innenbereich wie Turnen ermöglicht werden. »Kontaktfreier« Sport darf so von Erwachsenen (beziehungsweise Ü15) betrieben werden (Gruppen bis maximal zehn Personen). Liegt der Wert zwischen 50 und 100 darf nur mit jeweils tagesaktuellen Schnell- und Selbsttests Kontaktsport betrieben werden - das betrifft auch dann die Ü15-

Gießens Kreisfußballwart Henry Mohr (Kleinlinden) hat große Bedenken, dass der Spielbetrieb noch einmal aufgenommen werden kann: »Für den Wettbewerb macht es keinen Sinn, zumal alles auch an der Inzidenzzahl gekoppelt ist. Und wir müssen den Spielbetrieb ja auch hessenweit betrachten.« Möglich wäre beispielsweise, dass im Landkreis Gießen bei einer Inzidenz unter 50 Training erlaubt wäre. Andererseits aber vielleicht im Lahn-Dill-Kreis nicht, denn der weist eine Inzidenz von 101,0 (Stand: 8. März) auf.

»Das würde zum Beispiel die Gruppenliga betreffen«, sagt Mohr, der ausführt: »Wir richten uns nach den Vorgaben der hessischen Landesregierung. Dann werden wir sehen, ob wir die Saison fortführen können. Aber momentan glaube ich nicht daran, zumal man dann auch ständig die Inzidenzzahl im Auge behalten müsste.«

Mohr hatte sich noch am letzten Donnerstagabend ein Meinungsbild bei den heimischen Vereinen gemacht - der einhellige Tenor: Die Saison abbrechen! »Man muss sehen, dass wir unter den derzeit geltenden Bestimmungen nicht vor Mitte Mai mit dem Spielbetrieb beginnen könnten«, sagt Mohr. Zwar wäre im Mai mit dem Start in der einen oder anderen A-Liga in Hessen zwar noch genügend Zeit, um zumindest die Vorrunde zu beenden, aber in kreisübergreifenden Ligen quasi ein Ding der Unmöglichkeit.

Nicht sonderlich vor Optimismus strotzt auch Matthias Janke, Leiter Sportbetrieb Senioren im TSV Lang-Göns: »Ich bin skeptisch, ob wir die Saison überhaupt zur Hälfte noch absolvieren.« Die in Aussicht gestellten Lockerungen würden, sofern es die Inzidenzwerte zulassen, nicht vor dem 22. März greifen, dann wäre Kontaktsport im Freien (zum Beispiel Fußball) wieder erlaubt. Aktuell bietet der TSV Individualtraining für die Senioren an. Im Gegensatz zum Junioren-Bereich. »Da gibt es die Online-Angebote für die Kinder und Jugendlichen. Aber es wäre schön, wenn diese wieder trainieren dürften.« Immerhin gilt Hessen ab dem 8. März: »Kinder unter 14 Jahren dürfen Sport unter freiem Himmel auch in Gruppen machen. Sportanlagen können vor Ort auch weiterhin geöffnet werden.«

Das ist für den JFV Mittelhessen eine gute Nachricht. Matthias Richter, Vorstand Sport im Jugendförderverein, dazu: »Ich gehe seit Montag auf dem Platz. Wir bieten Training unter den einzuhaltenden Auflagen an, aber natürlich auf freiwilliger Basis. Und es war für die Kinder längst Zeit. Aber Richter blickt auch schon in die Zukunft: »Wir wissen aktuell nicht, wie unsere Kinder und Jugendlichen durch diese Zeit kommen. Man hat ihnen ja alles weggenommen.« Welche Auswirkungen die Pandemie auf die Vereine, die Jugendfußball anbieten, hat, das wird sich zeigen. Doch auch Richter berichtet von einem Jugendlichen, der aktuell »die Motivation« verloren hat.

Es wird schwierig für die Amateurfußballer in Hessen. Zumal trotz angekündigter Lockerungen, sofern es die Werte erlauben, auch die Rolle rückwärts möglich ist. Dies haben die Entscheidungsträger am letzten Mittwoch ebenso deutlich gemacht. Steigt die Inzidenz, dann gibt es eine Abkehr von den Lockerungen.

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