01. Dezember 2020, 10:00 Uhr

Volleyball

Volleyball im Blut

Es kommt einem so vor, als habe die Familie Schuch/Templin den Volleyballsport mit der Muttermilch aufgesogen. Dabei haben alle eher unterschiedliche Motivationen.
01. Dezember 2020, 10:00 Uhr
Alexander und Betina Schuch können einige Titel vorweisen. Die Kinder von Betina sind ebenfalls erfolgreich. FOTO: PRIVAT

Welche Bedeutung hat für Sie Volleyball? Eine Frage, mehrere Antworten: »Ein Teamsport ohne Körperkontakt«, sagt Alexander Schuch. Seine Schwester Betina Schuch setzt einen weiteren Schwerpunkt: »Es ist ein Sport, der auf unterschiedlichem Niveau gespielt werden kann und der die Möglichkeit bietet, für einen selbst das richtige Maß zu finden«, sagt sie und nennt einen weiteren höchst persönlichen Aspekt: »Durch diesen Sport habe ich auch meinen Mann kennengelernt, besser kann es nicht sein. Gemeinsam können wir so viel Zeit mit unserem Sport verbringen. Unsere Kinder haben dies praktisch von Anfang an miterlebt und konnten den Sport ebenfalls für sich entdecken.« Der Bogen zu zwei weiteren Volleyball-Enthusiasten in der Familie ist damit gespannt.

»Volleyball bedeutet sehr viel für mich«, berichtet Frederik Templin, einer ihrer beiden Söhne, und ergänzt: »Durch den frühen Start im TV 05 Waldgirmes habe ich viele Mannschaften durchlaufen, was mich auch persönlich sehr geprägt hat. All diese Erfahrungen hätte ich in keiner anderen Sportart gemacht, weshalb ich dies in Zukunft an andere weitergeben möchte.« Sein Bruder Henrik Templin geht sogar noch einen Schritt weiter: »Volleyball ist für mich nicht nur ein Sport, Volleyball ist für mich etwas, was es schon immer in meinem Leben gab und was es auch weiterhin zu einem Großteil sein wird. Die Erfahrungen, die ich dort gemacht habe, prägen mich so, wie ich heute bin.«

Sichtweisen, geäußert von Betina Schuch und ihren beiden Söhnen Henrik und Frederik Templin sowie Alexander Schuch, Bruder bzw. Onkel der vorgenannten Personen. Diese Betrachtungen führen zu einem gemeinsamen Ergebnis: Volleyball ist mehr als nur eine Sportart. Eine Herausforderung, die Teamgeist erfordere. »Körperliche Fitness und mentale Stärke sind ebenso wichtig wie Strategie und Ablenkungsmanöver«, ergänzt ihr Bruder. Ähnlich äußert sich Henrik Templin: »Die Emotionen und die Möglichkeiten, seine eigenen Grenzen, physisch wie physisch, immer wieder verschieben zu können, sind sehr reizvoll.«

Alexander Schuch nennt einen Grund, warum man beim Volleyball auch im »gesetzten Alter« - er selbst ist 51 Jahre alt, seine Schwester 57 - aktiv sein kann: »In den unteren Klassen, in denen ich heute wieder spiele, ist die Erfahrung ausschlaggebend.« Außerdem stellt er fest: »Da ohne Körperkontakt gespielt wird, ist das Aggressionspotenzial und der damit verbundene Frustabbau durch überhöhten körperlichen Einsatz und Fouls nahezu ausgeschlossen. Wenn man sorgsam mit den eigenen Ressourcen umgeht, kann das lange gutgehen.«

Begonnen hat alles vor knapp 40 Jahren. So hatte Betina Schuch Anfang der 80er Jahre beim TV Treis/Lda. eine Freizeit-Volleyballgruppe gegründet. Durch den starken Zulauf gab es auch ein Angebot für Jugendliche, und so kam Alexander Schuch mit 14, 15 Jahren zum Volleyball. Die Liebe zur Sportart, auch in der nächsten Generation, hatte ihren Anfang genommen, wie Henrik und Frederik Templin bestätigen: »Meine Eltern und viele andere Familienmitglieder«, sagt Henrik, »spielten bereits vor meiner Geburt Volleyball, daher war es nur eine Frage der Zeit, wann ich ebenfalls beginnen würde.«

Sein Bruder Frederik hatte allerdings eine (kurze) Phase, in der Volleyball und Handball konkurrierten. »Durch mein Potenzial hatte ich mich schnell für Volleyball entschieden«, erklärt er und liefert die Begründung: »Dadurch, dass mein Bruder und ich seit klein auf mit unseren Eltern und anderen Familienmitgliedern auf Volleyballturniere gefahren sind, war der Sport immer präsent.« Bei diesem Hintergrund hatte eine andere Sportart, auch der Handball, bei Frederik keine Chance.

Über die Schule zum Sport gekommen

Ihre Mutter kam über die Gießener Liebigschule und die Schulmannschaft zum Volleyball. Hier gab es auch eine Kooperation mit dem USC Gießen. Den Kontakt zu ihrem Heimatverein TV Treis/Lda. hat Betina Schuch nicht verloren und startet auch im Beachvolleyball für den Klub. Übungsleiter ist übrigens ihr Lebensgefährte Frank Templin. Betina Schuch holte vor zwei Jahren mit der TG Bad Homburg den deutschen Meistertitel der Damen Ü49, wiederholte das Meisterstück 2019 in derselben Besetzung - allerdings firmierten sie im vergangenen Jahr unter SG Rodheim (Wetterau) -, wurde gemeinsam mit Doris Wippersteg deutsche Vizemeisterin im Beachvolleyball der Ü55. Gespielt hat sie viele Jahre beim Gießener SV und in der Regionalliga in Ballersbach, Marburg und bei der SG Rodheim, in deren Landesligateam sie derzeit aktiv ist.

Bruder Alexander spielte von 1987 bis 2000 bei der TSG Alten-Buseck, anschließend für zehn Jahre beim USC Gießen. Seit 2018 schnürt er wieder die Volleyballschuhe für den USC, allerdings in der vierten Mannschaft. »Nebenbei« holte er sich 2019 im Dress der SG Rodheim den deutschen Meistertitel der Ü47. Bei deutschen Turnfesten erzielte die Großfamilie Schuch/Templin weitere Erfolge, gemeinsam mit Andrea Schuch, Frank Templin und Cathrin Schuch, alles absolute Volleyball-Liebhaber.

Frederik Templin spielt seit 2011 beim TV Waldgirmes, ist dort mit verschiedenen Herren- und Jugendmannschaften aufgestiegen und hat (ab 2014) der Hessenauswahl angehört. Seit 2016 ist der 21-Jährige Bestandteil der ersten Mannschaft, die in der 3. Liga um Punkte spielt. »Dort entwickle ich mich stetig weiter«, freut er sich über sein Mitwirken in dieser Liga. Die Teilnahme an den nationalen Meisterschaften U18 und U19 im Beachvolleyball, Vize-Hessenmeister U18 und U20-Bundespokalsieger mit der Hessenauswahl waren seine größten Erfolge.

Auch bei seinem Bruder Henrik zeigt die Erfolgskurve stetig nach oben. Seit dem Jahr 2015 ist der 19-Jährige für den TV 05 Waldgirmes aktiv. »Dort spielte ich mich seit der Jugend durch alle Herrenmannschaften des TVW, bis ich in der Saison 2019/20 zum ersten Einsatz in der 3. Liga kam.« Zwei Jahre lang war er Mitglied der HVV-Jugendwahl und startete 2017 zum ersten Mal aufgrund seiner angeborenen hohen Höreinschränkung in einer Gehörlosen-Mannschaft. Und im Gehörlosen-Volleyball hat er seine größten Erfolge erzielt: Teilnahme an den Deaflympics 2017 (Gehörlosen-Weltspiele), deutsche Meisterschaft und Pokalsieg mit dem GSV Düsseldorf.

Die beiden Brüder haben unterschiedliche Ziele für die nahe Zukunft: Henrik möchte im März bei der Beach-WM und bei den nächsten Deaflympics an den Start gehen, Frederik mit dem TVW in die 2. Liga aufsteigen und »das Team dort halten«. In einem aber sind ihre Ziele identisch: später auf eine ähnlich lange Karriere und zahlreiche Erfolge wie die Eltern und der Onkel zurückblicken zu können.

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