16. März 2021, 07:02 Uhr

Vereine und Corona

TV/VfR Groß-Felda: Ein positives Signal senden

Wie viele Bereiche des öffentlichen Lebens, brachte die Corona-Pandemie auch den Vereinssport in Deutschland fast vollständig zum Erliegen. Biter vor allem für die Amateurklubs.
16. März 2021, 07:02 Uhr
GRM
Martin Darmöller und seine Mitstreiter sehen ihren Verein vor großen Herausforderungen. FOTO: GRM

Seit Ende Oktober ruht der Punktspielbetrieb in Fußball-Hessen wieder. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Saison 2020/2021 noch einmal aufgenommen werden kann, wird immer geringer. Entscheiden wird sich dies am 27. März, wenn der Vorstand des Hessischen Fußball-Verbandes virtuell tagt. Wir haben mit Martin Darmöller, Erster Vorsitzender des TV/VfR Groß-Felda, gesprochen, wie es dem Klub geht, der in der Kreisliga A Alsfeld/Gießen sportlich daheim ist.

Herr Darmöller, in den vergangenen Monaten musste man immer wieder lesen, dass viele Sportvereine in der Corona-Pandemie Mitglieder verlieren. Gab es das auch beim TV/VfR Groß-Felda?

Ich habe das auch gelesen und war überrascht, dass die Austritte bei manchen Vereinen so drastisch waren und Mannschaften vom Spielbetrieb abgemeldet werden mussten. Glücklicherweise war dies allerdings bei uns nicht der Fall. Darüber freuen wir uns sehr und wünschen uns dahingehend auch weiterhin einen guten Zusammenhalt zwischen Mitgliedern, Übungsleitern, Trainern und dem Vorstand. Teilweise kam es jedoch vor, dass mich Mitglieder angesprochen haben, warum wir trotz allem noch den Mitgliedsbeitrag einziehen.

Wie liefen die Gespräche?

Unproblematisch. Selbst bei den Erwachsenen ist unser Mitgliedsbeitrag mit 29 Euro nicht übermäßig hoch, bei den Kindern und Jugendlichen sind die Beiträge noch niedriger. Wir hatten allerdings auch laufende Kosten, wie zum Beispiel die Zahlungen an die jeweiligen Verbände und an die Versicherungen, die geleistet werden mussten. Da uns jedoch bewusst ist, dass in Zeiten von Kurzarbeit die finanzielle Lage von Familien schwierig ist, haben wir den Mitgliedsbeitrag auch erst am Ende des Jahres eingezogen. Diese Hintergründe haben wir den Mitgliedern erläutert, die aufgrund unserer Transparenz auch Verständnis für unser Vorgehen hatten.

Der TV/VfR ist neben der Freien Jugendinitiative (FJI) einer der beiden Veranstalter der Kirmes GroßFelda und veranstaltete 2019 erstmals ein eigenes Sportfest. Wie sehr trifft es den Verein finanziell, dass diese Events - ebenso wie die »dritte Halbzeit« bei Heimspielen der Fußballer - entfallen mussten?

Die finanziellen Auswirkungen möchte ich nicht mit Zahlen belegen. Aber natürlich leiden wir wie jeder andere Verein unter Corona. Die Kosten bleiben - und die Einnahmen gehen auf null zurück. So mussten auch wir im letzten Jahr das Hygienekonzept des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) umsetzen und hatten dafür entsprechende Kosten. Das Gelände sollte nach Anweisung des Konzeptes des HFV nur durch einen Ein- oder Ausgang zugänglich sein. Dies hätten wir eigentlich über einen festen Zaun oder einen Bauzaun lösen müssen. Glücklicherweise reichte nach Rücksprache Absperrband, was aber dann mehr Personal erforderte. Außerdem haben wir eine App zur Erfassung der Zuschauer von der TiBaTec gekauft (weitere Infos unter www.wirwarenhier.de, Anm. d. Red.). Ebenso zwei Pavillons, damit die Erfassung beim Einlass auch bei Regen stattfinden konnte. Ansonsten ist es so, dass wir normalerweise mit den Einnahmen durch die Kirmes sowie den Würstchen- und Getränkeverkauf bei den Heimspielen unsere Kosten decken können und das Jahr am Ende mit einem kleinen Gewinn abschließen.

Dass Veranstaltungen ausfallen, schmerzt allerdings nicht nur finanziell, sondern vermutlich auch in sozialer Hinsicht?

Absolut! Im Feldatal wird das Vereinsleben noch großgeschrieben und eigentlich ist hier jeder mindestens in einem Verein Mitglied. Durch die Pandemie ist natürlich viel ausgefallen. Der Ostermarkt, das Sommerfest, das Schmiedefest, die Kirmes und in diesem Jahr auch Fasching. Es trifft also nicht nur Sportvereine, sondern jeden einzelnen Verein. Das hat dem Feldatal natürlich wehgetan. Diese Veranstaltungen sind Tradition und schweißen Dorf und Gemeinde zusammen.

Wie schafft man es als Verein, in dieser Situation dennoch den Kontakt zu den Mitgliedern aufrechtzuerhalten?

Das ist eine der größten Herausforderungen, die man als Verein momentan zu absolvieren hat. Der persönliche Kontakt ist im Moment nicht wie gewohnt möglich, sodass wir versuchen, ihn über unsere WhatsApp-Gruppen, E-Mails, Facebook oder Instagram zu halten.

Wie gelingt es, gerade die jungen Vereinsmitglieder zu halten bzw. auch zu motivieren? Welche Angebote gibt es seitens des Vereins?

Das ist eine schwierige Sache, weil uns zum Beispiel im Fußball momentan die Hände gebunden sind. Wir konnten leider kein Einzeltraining anbieten, weil es sowohl vom zeitlichen als auch logistischen Aufwand sehr schwierig gewesen wäre. Wenn wir für 30 Kinder jeweils ein halbstündiges Training zu zweit anbieten würden, hätten wir alleine schon 7,5 Stunden an reiner Trainingszeit, von Auf- und Abbau sowie Vor- und Nachbereitung ganz zu schweigen. Unsere Trainer/innen üben ihre Ämter aus Überzeugung aus und haben dazu auch selbst noch Familie und Beruf. Ebenso darf man nicht vergessen, dass wir im Jugendfußball eine Kooperation mit den Vereinen SV Chattia Ulrichstein, TSV Ober-Ohmen, SV Ruppertenrod sowie SG Romrod/Zell haben, sodass unsere jungen Spieler aus einer größeren Anzahl von Dörfern kommen. Da ist es für manche Eltern, die vielleicht noch andere Kinder zu betreuen haben, nicht machbar, ihr Kind für eine halbe Stunde Training nach Groß-Felda oder auf die umliegenden Sportplätze zu fahren.

Im Zuge der aktuellen Lockerungen wäre allerdings im Jugendbereich bis einschließlich 14 Jahre wieder Mannschaftstraining möglich.

Im Jugendbereich wurde das Training direkt mit den aktuellen Lockerungen unter den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten wiederaufgenommen. Kinder, die Übungsleiter und die Eltern ziehen dort gemeinsam an einem Strang, um den Kindern ein Stück Normalität bieten zu können.

Neben dem Jugendfußball bietet der TV/VfR Groß-Felda auch Kinderturnen an. Wie bewerten Sie die Rolle des Vereins für die motorische Entwicklung der jüngeren Mitglieder, insbesondere in Zeiten, in denen zum Beispiel auch der Schulsport deutlich eingeschränkt wird?

Die motorische Entwicklung eines Kindes ist ein wichtiger Grundstein. Aus diesem Grund möchte ich als Vorsitzender auch die Turnsparte weiter ausbauen. Die Motorik und auch die Mobilität sind grundlegende und wichtige Elemente für jede zukünftige Sportart, sodass jedes Kind im Kinderturnen gewisse Grundlagen erlernen sollte. In dieser Situation können wir nur an die Eltern appellieren, sich gemeinsam mit den Kindern zu bewegen, auf Spielplätze zu gehen und den Bewegungsdrang der Kinder bestmöglich zu fördern. Mir ist allerdings auch bewusst, dass es gerade für berufstätige Eltern nicht immer einfach ist, dem Ganzen gerecht zu werden, und ich habe einen Riesenrespekt vor dieser Situation. Dennoch sollte man schauen, dass man das Möglichste macht. Die ländliche Lage des Feldatals ist hierbei ein großer Vorteil, sei es für Spaziergänge oder auch für gemeinsame Radtouren.

Kaum ein Begriff wurde in Deutschland in der jüngeren Vergangenheit so diskutiert, wie der der Digitalisierung. Diese hat in den vergangenen Jahren - sei es in Form von Apps, Websites und VideoTutorials - auch Einzug in den Sport gehalten. Wie sieht es bei dem TV/VfR Groß-Felda in diesem Bereich aus?

In Anbetracht dessen, dass uns die aktuelle Situation noch auf unbestimmte Zeit begleiten wird, haben wir im Verein einen Entschluss gefasst und Lösungen gesucht, um zumindest einem gewissen Teil der Mitglieder ein Angebot bieten zu können. So hat mich im Bereich Fußball unser Trainer und Vorstandsmitglied Benni Seim angesprochen und sich mit mir über eine Möglichkeit der Nutzung der App B42 ausgetauscht. Er hatte zunächst eine dreimonatige Testphase vorgeschlagen, allerdings wären in diesem Fall die Kosten recht hoch gewesen. In diesem Zuge habe ich den Kontakt zum Unternehmen aufgenommen und wir haben eine gemeinsame Kooperation für 24 Monate ausgearbeitet.

Wie funktioniert die App?

In der App selbst gibt es verschiedene Work-outs mit jeweils unterschiedlichen Übungen. Diese werden sowohl mit Videos als auch in Textform erläutert. Wenn ich ein Work-out starte, arbeite ich jeweils die einzelnen Abschnitte nacheinander ab, und kann dabei auch sehen, wie viel Prozent des Work-outs ich bereits absolviert habe. Ebenso weiß ich, wie lange ich für bestimmte Abschnitte gebraucht habe und bekomme durch die App einen Überblick, wie viele Work-outs ich bereits absolviert habe. Außerdem hat man die Vergleichsmöglichkeit mit den anderen Jungs aus der Mannschaft, aber auch allen anderen Nutzern der App. Das sorgt auf jeden Fall für einen Wettbewerb, wer da im Team die meisten Work-outs schafft. Die App ist natürlich auch für Benni hilfreich, der verschiedene Work-outs für die Spieler heraussuchen und somit Wochenpläne erstellen kann, damit die Spieler fit bleiben und sie auch für einen eventuellen Restart, der sicherlich intensiv wird, fit zu machen.

Warum ist das wichtig?

Die Jungs haben ein halbes Jahr kein Spiel mehr absolviert, sodass es umso wichtiger ist, dass man die Belastung angemessen steuert. Wir haben auch dem Verband signalisiert, dass wir vor der Rückkehr in den Spielbetrieb einen Vorlauf von rund vier Wochen brauchen, damit unser Trainer weiß, wo die Mannschaft und die einzelnen Spieler stehen. Es freut uns allerdings umso mehr, dass die App gut angenommen wird und wir mit 25 Jungs, darunter auch Benni und ich, dabei sind. Das Gute an der App ist, dass sie auch nach Corona weiter problemlos genutzt werden kann. Dies gilt sowohl für die Vorbereitung, den Spielbetrieb und die Winterpause, aber auch für Reha-Maßnahmen von Spielern, die nach einer Verletzung zurückkommen.

Gibt es noch weitere neue digitale Angebote?

Im Bereich Turnen kam mei-ne Vorstandskollegin und Übungsleiterin Conny Seim-Eichenauer auf mich zu und gab mir die Information, dass sie künftig freitags von 19 bis 20 Uhr einen Online-Fitness-Kurs anbieten wird. Das traf bei mir natürlich auf sofortige Zustimmung. Um Conny angemessen auszustatten, haben wir ihr ein gutes Mikrofon zur Verfügung gestellt, mit dem sie später auch in der Halle bzw. im Freien über eine Musikanlage ihre Teilnehmer anheizen kann. Wir werden außerdem noch eine Kamera mit gutem Objektiv besorgen, da die Übertragung und Aufzeichnung dieser Übungsstunden auch weiterhin ein Thema bleiben wird.

Wie sehen Sie die Zukunft des TV/VfR Groß-Felda nach Corona?

Wie die Zeit nach Corona aussieht, kann ich noch nicht sagen, denn keiner weiß, wie lange uns die Pandemie noch begleiten wird und wann wir in eine Normalität zurückkehren können. Natürlich hoffen wir, dass unsere Mitglieder bald wieder auf dem Platz oder in der Sporthalle stehen dürfen, aber von der Rückkehr zur Normalität sind wir noch weit entfernt. Aus diesem Grund haben wir alle Investitionen auf ein Minimum zurückgefahren, was jedoch nicht heißen soll, dass wir im Hintergrund nicht aktiv sind. Die Rasenpflege läuft, außerdem planen wir eine Grundreinigung des kompletten Sportheims sowie mögliche Teilsanierungen. Ebenso soll zeitnah eine Mastprüfung unserer Flutlichtanlage geschehen, deren Sanierung wir im Moment planen.

Wie soll diese Sanierung aussehen?

Im Moment läuft unser Flutlicht noch mit Halogenlampen, wir streben allerdings eine Umrüstung auf LED an. Die Grundmasten sollen bestehen bleiben, wir müssen allerdings schauen, inwiefern Kabel neu verlegt werden müssen. Die Umrüstung auf LED würde auf jeden Fall eine sehr hohe Investition bedeuten, aber es gäbe auch einen guten Zuschuss. Das Beantragen dieser Zuschüsse braucht allerdings seine Zeit, sodass ich der Auffassung bin, dass man lieber jetzt investieren sollte, wenn man noch nicht in Zugzwang ist. Das Wichtigste ist, dass wir mit dieser langfristigen Investition auch ein positives Signal senden wollen: Die Zeiten mögen schwer sein, aber auch in Zukunft wird es bei der SG TV/VfR weitergehen!

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