07. Januar 2021, 07:48 Uhr

Handball

Trainer Wohlrab eine Wohltat für Hüttenberg

Der TV Hüttenberg ist in der 2. Handball-Bundesliga ganz auf Abstiegskampf eingestellt. Der Wechsel auf dem Trainerposten hat die Aussichten verbessert. Eine Zwischenbilanz.
07. Januar 2021, 07:48 Uhr
JSA
Mit dem neuen Cheftrainer Johannes Wohlrab im Aufwind. FOTO: THÜRMER

TV 05/07 Hüttenberg


Der TV 05/07 Hüttenberg geht sportlich gesehen mit einem guten Gefühl in die anstehende WM-Pause der 2. Handball-Bundesliga. Auf der anderen Seite schwingt vor allem die Sorge um die beiden tschechischen WM-Fahrer Dieudonne Mubenzem und Vit Reichl mit. Nach dem 10. Spieltag sorgte die Sportliche Leitung um Florian Laudt und Andreas Scholz für einen Trainerwechsel. Eine Zwischenbilanz zum »Original aus Mittelhessen«.

Die Voraussetzungen: In Mitten einer Saison mit vielen ungewissen Parametern steckt unter den 39 Erst- und Zweitligisten auch der heimische TV 05/07 Hüttenberg. Eine Saison, in der sich die Vereinsverantwortlichen um Geschäftsführer Fabian Friedrich entschieden, die Mannschaft deutlich zu verjüngen und eine gesunde Mischung aus Alt und Jung zu schaffen. Nach den Abgängen von Führungsspielern wie u. a. Tomas Sklenak, Moritz Lambrecht oder Mario Fernandes war lange offen, wer da vor allem im Rückraum eine Führungsrolle einnehmen solle. Der im Sommer verpflichtete Stefan Kneer fiel nach einer OP bis Ende des Jahres aus, so dass der Tscheche Dieudonne Mubenzem mit 25 Jahren der Älteste im Rückraum war. Noch schwieriger wurde die Aufgabe im Deckungsverbund. Die in der TVH-DNA befindliche 3:2:1-Deckung ist für Neulinge oder in einer uneingespielten Kombination nicht mal eben schnell verinnerlicht. »Das Ziel war für uns - auch aufgrund der Verjüngung - von Anfang an der Klassenerhalt«, so Friedrich.

Die sportliche Entwicklung: Gleich zu Beginn der neuen Saison musste die junge Mannschaft gegen Aufsteiger Wilhelmshaven eine 29:32-Heimniederlage einstecken. Dieser folgte eine weitere, empfindliche Niederlage im Auswärtsspiel bei den Rimparer Wölfen. Allen voran technische Fehler und die damit verbundene Einladung zu einfachen Toren zeigten auf, dass Ian Weber & Co. noch Eingewöhnungs- und Entwicklungszeit benötigen würden. Dennoch zeigte Hüttenberg gegen die hochgehandelten Bietigheimer und Gummersbacher äußerst ansprechende Leistungen. Beim 20:22 bzw. 29:30 fehlten Kleinigkeiten zum ersten Punktgewinn. »Das waren sehr ärgerliche Ergebnisse für uns. Sowas gehört aber auch zu der Entwicklung einer Mannschaft und daraus mussten wir unsere Lehren ziehen«, sagt der damalige Co-Trainer und jetzt Chefcoach Johannes Wohlrab.

In der Trainingswoche zum folgenden Spiel gegen den HC Elbflorenz Dresden schien Wohlrab mit dem damaligen Cheftrainer Frederick Griesbach die richtigen Ansätze gefunden zu haben. Gegen die Sachsen gelang in der diesjährigen Heimstätte des TVH, der Rittal-Arena in Wetzlar, der erste Pluspunkt mit einem 33:33. In Thüringen beim ThSV Eisenach waren dann auch die Mittelhessen erstmals von der Corona-Pandemie betroffen. Torhüter Nikolai Weber und Trainer Frederick Griesbach begaben sich aus Vorsichtsmaßnahme in Quarantäne. Seit etlichen Jahren sieglos unterhalb der Wartburg, gelang es den Hüttenbergern ausgerechnet am 31. Oktober mit einem 24:20-Auswärtssieg. Drei Niederlagen in Folge sorgten dann dafür, dass Frederick Griesbach seinen Posten als Cheftrainer räumen musste. Mit 3:15 Punkten sahen die Verantwortlichen die Entwicklung und das Saisonziel gefährdet. »Das war keine einfache Entscheidung für uns alle. Wir wollten einen neuen Impuls setzen und uns neu auf die typischen Hüttenberger Tugenden konzentrieren«, begründet Friedrich den Schritt.

Auf Griesbach folgte zuerst als Interimstrainer Johannes Wohlrab, der damit von seinem Ursprungsposten eine Stufe hochrutschte. Er schlug direkt ähnliche Töne an wie Friedrich: »Hüttenberg steht für Leidenschaft und Kampf. Normalerweise mit unserem Publikum gemeinsam, aber da dies aktuell nicht möglich ist, müssen wir als Mannschaft zusammenrücken und die Hüttenberger Tugenden hervorrufen.«

Aus zwei wichtigen Partien gegen Aue und Konstanz holten die Blau-Weißen zwei Punkte. Grund genug für Friedrich, Laudt und Scholz, Johannes Wohlrab zum neuen Cheftrainer zu ernennen - und dies sollte sich als goldrichtig herausstellen. Der in den letzten Tagen so oft genannte »ungeschlagene Dezember« nahm seinen Lauf. Beim Altmeister TV Großwallstadt und zu Hause gegen Aufstiegskandidat Hamm sammelte das Team mit Siegen nicht nur Punkte, sondern auch eine Menge Selbstvertrauen. Da bremste auch die abgesagte Partie beim VfL Lübeck-Schwartau am 2. Weihnachtsfeiertag den Flug auf Wolke sieben nicht. Wegen nicht rechtzeitig ausgewerteter Corona-Tests musste die Partie abgesagt werden, sodass dem TVH eine komplette Woche Erholung zur Verfügung stand. Eben diese verhalf sicher u. a. zum 34:30-Sieg im so wichtigen Duell gegen Aufsteiger TuS Fürstenfeldbruck. Aufgrund dessen überwintert der TV Hüttenberg auf dem 12. Tabellenplatz mit 11:13 Punkten. »Wir hatten einen tollen Dezember, in dem uns auch die Rückkehr von Stefan Kneer half. Dennoch ist es kein Grund zum Ausruhen«, sagt Wohlrab, der bereits unmittelbar nach Silvester sich an die Analyse seiner Mannschaft setzte.

Das Personal: Zuletzt alles überstrahlt hat das überragende Comeback von Routinier Stefan Kneer. Doch die so oft beschwörten Hüttenberger Tugenden aus mannschaftlicher Geschlossenheit, Kampf und Leidenschaft wurden insbesondere in den Dezemberspielen zur Grundlage der Erfolge. Die zu Saisonbeginn geäußerte Hoffnung auf eine offensive Leistungsexplosion auf Halblinks von Johannes Klein hat noch nicht vollständig die Zündung gelöst. Das wurfgewaltige Eigengewächs setzt aber immer wieder seine Mitspieler in Szene und ist in der Deckung ein Eckpfeiler der 3:2:1-Formation.

Wenn es eine Wahl zum Spieler der »Hinrunde« gäbe, würde die Wahl sicherlich zwischen Spielgestalter Ian Weber und seinem Nachbarn auf Halbrechts, Merlin Fuß, fallen. Agierten beide zu Saisonstart hin und wieder etwas zu hektisch, scheint den jungen Spielern die Ruhe des zurückgekehrten Kneer eine unheimliche Hilfe zu sein. Selbiges gilt auch für Hendrik Schreiber, der sich jedes Mal vorne gnadenlos in die Lücken wirft und schon einiges einstecken durfte. Außerdem zeigte sich einige Male schon ein weiteres Eigengewächs: Niklas Theiß. Mit seiner Unbekümmertheit war er beim Sieg in Eisenach der Garant. Die Erwartungen bisher nicht erfüllen konnte Dieudonne Mubenzem. Einerseits hat der tschechische Nationalspieler den starken Fuß vor sich, andererseits bekommt er nur selten seine Stärke - die Wurfgewalt - zur Geltung. Der Dauerbrenner im Team ist Neuzugang Vit Reichl am Kreis. Bis auf wenige Minuten Verschnaufspausen durch Patrick Jockel ist der zweite Tscheche im Team vorne wie hinten konsequent gefordert. Mittlerweile ist er mit 57 Treffern sogar der Top-Torschütze der Hüttenberger. Auf den Außen spiegelt sich die Mischung Alt/Jung am ehesten wider. Die Routiniers Tobias Hahn und Christian Rompf wirbeln mit dem immer stärker werdenden Robin Hübscher, dem Japaner Ryuga Fujita, von dem sicherlich noch mehr kommen kann, und den Eigengewächsen Philipp Schwarz und Tristan Kirschner auf der Außenbahn. Im Tor hat Dominik Plaue zuletzt die meiste Spielzeit und war schon mehrfach in wichtigen Phasen auf dem Posten. Sein Kollege Nikolai Weber spricht viel mit Plaue und will in seinem letzten Karrierejahr nochmal so viel wie möglich den Kollegen mit auf den Weg geben.

Die Zukunft: Die Zukunft ist vor allem eins: ungewiss. Die staatlichen Hilfen hat der TVH bislang vollumfänglich erhalten. Auf die Nachfrage, ob der Verein eine komplette Saison ohne Zuschauer überstehen würde, will Geschäftsführer Fabian Friedrich aufgrund der ungewissen Lage keine Prognose wagen.

Sportlich wird die Entwicklung weiter im Vordergrund stehen. »Wir müssen jetzt durchatmen und uns regenerieren, denn auf uns wartet ein Mammutprogramm ab Februar. Es werden auch Rückschläge kommen, aber die müssen wir dann gemeinschaftlich verarbeiten. Wenn wir unsere Tugenden weiter auf die Platte bekommen, sind wir in jedem Spiel konkurrenzfähig«, gibt Wohlrab die Marschroute vor.

Damit auch in der Saison 2021/2022 die 2. Handball-Bundesliga beim TV 05/07 Hüttenberg zu Gast ist.

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