27. April 2021, 12:00 Uhr

Till Klimpke

Till Klimpke - der Kronprinz

Drei Länderspiel-Einsätze hat Till Klimpke bereits hinter sich. In der Qualifikation zu Handball-EM sollen in dieser Woche die nächsten für den 23-jährigen Bundesliga-Torhüter der HSG Wetzlar folgen.
27. April 2021, 12:00 Uhr
Till Klimpke, Torhüter des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar, steht mit dem DHB-Team in der EM-Qualifikation vor seinen nächsten Länderspiel-Einsätzen. FOTO: VOGLER

HSG Wetzlar


Handball-Bundestrainer Alfred Gislason hat auf dem Weg zu den Olympischen Sommerspielen einen 21-köpfigen Kader um Rückkehrer Rune Dahmke für den Abschluss der EM-Qualifikation berufen. In Bosnien-Herzegowina (29. April) sowie gegen Estland in Stuttgart (2. Mai) setzt sich das recht große DHB-Aufgebot außerdem aus einer Mischung aus routinierten Kräften sowie talentierten Akteuren zusammen. Deutschland ist bereits für die EM 2022 in Ungarn und der Slowakei qualifiziert (13. bis 30. Januar).

Kapitän Uwe Gensheimer und Torhüter Johannes Bitter stehen wie erwartet nach Knie-Operationen nicht zur Verfügung, auch der Kieler Hendrik Pekeler wurde »aus gesundheitlichen Gründen« nicht nominiert. Bitters Platz nimmt Mittelhessen-»Hero« Till Klimpke ein.

Der Lehrgang der deutschen Handball-Nationalmannschaft hat am Montag in Frankfurt/Main begonnen. Die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele soll am 5. Juli starten, vor Beginn der Wettkämpfe in Tokio sollen außerdem noch zwei weitere Länderspiele absolviert werden.

Für die Spiele im Sommer in Tokio darf der Bundestrainer lediglich einen Stammkader von 14 Spielern nominieren. Der DHB wird jedoch mit drei weiteren Akteuren nach Japan reisen, die bei Verletzungsfällen nachnominiert werden könnten.

Im Torhüterbereich gelten Andreas Wolff, Silvio Heinevetter und Johannes Bitter als gesetzt. Zum 14er-Kader werden bestimmt nur zwei Keeper gehören, unter den drei Reservisten dürfte dann aber ein dritter Torhüter sein. Da Bundestrainer Gislason zuletzt beim Ausfall eines seiner erfahrenen Stammkeeper auf den 23-jährigen Till Klimpke als Nachrücker gesetzt hat, könnte dieser für den Fall der Fälle sogar für Tokio infrage kommen.

Wir haben uns vor dem Lehrgang in Frankfurt mit dem grün-weißen Youngster unterhalten. Auch wenn es für den 23-Jährigen kein Tokio-Ticket geben sollte, steht mit der neuerlichen Nominierung durch Bundestrainer Gislason fest, dass die deutsche Torhüter-Zukunft bereits Gegenwart ist. Till Klimpke nimmt in den Augen vieler Experten (u. a. Stefan Kretzschmar) ohnehin schon heute die Kronprinzenrolle ein. Bei der 31:22-Sensation gegen THW Kiel in der Bundesliga-Vorrunde parierte der 1,98 m große HSG-Keeper sage und schreibe 40,5 Prozent aller Würfe. Ein Topwert. Drei Tage zuvor, beim 29:25 bei GWD Minden, waren es 40,0 Prozent gewesen!

Was bedeutet Ihnen die erneute Nominierung für das Handball-Nationalteam?

Ich habe mich natürlich sehr gefreut über die Nominierung. Ich werde wie immer alles geben, um das Vertrauen zu rechtfertigen.

Beim Bundestrainer scheinen Sie schon ein gewisses Standing zu haben?

In der Bundesliga-Vorrunde hatte ich ein kleines Leistungstief und bin dennoch nominiert worden. Ich denke, dem Bundestrainer geht es grundsätzlich um Potenzial und Entwicklung, nicht um kurzfristige Leistung allein. Das bestärkt mich in meiner täglichen Arbeit.

Wie verläuft die Kommunikation mit Alfred Gislason?

Anfangs hat mich Mattias Andersson angerufen und gesagt, dass ich dabei bin. Mittlerweile bekomme ich die Nachricht schon von Alfred (Gislason) selbst. Er ist dabei - sagen wir mal - isländisch geradeaus, er macht kein großes Federlesen. Das kommt meinem Charakter entgegen.

Im Nationalteam und beim Verein arbeiten Sie mit ausgewiesenen Experten im Torhüterbereich. Mehr kann man sich bestimmt nicht wünschen?

Das stimmt. Im Verein arbeite ich mit Jasmin (Camdzic), bei der Nationalmannschaft mit Mattias (Andersson) - und natürlich den besten Torhütern des Landes. Das ist großartig. Jasmin und Mattias haben aber ganz unterschiedliche Stile, was das Torhüterspiel anbelangt. Da muss ich mich erst dran gewöhnen, es bringt mich in meiner Entwicklung aber definitiv weiter. Es ist einfach riesig für mich, mit solch Hochkarätern und Spezialisten arbeiten zu dürfen. Mehr geht nicht.

Wie sehen Sie die Zukunft des DHB-Teams?

Ich denke, unser Nationalteam hat großes Entwicklungspotenzial. Die Abwehr haben wir mit der Rückkehr von Hendrik Pekeler und Patrick Wienczek schon einmal wieder gestärkt, aber auch in allen anderen Mannschaftsteilen sehe ich personell und spielerisch gute Perspektiven.

Sie arbeiten seit Jugendzeiten mit Jasmin Camdzic zusammen. Wie groß ist dessen Anteil an Ihrer Karriere?

Die Arbeit mit Jasmin im Club ist seit Jahren optimal. Jeder weiß, dass ich ohne ihn längst nicht da wäre, wo ich bereits in jungen Jahren als Torhüter bin. Jasmin ist weit mehr als nur eine Starthilfe für mich gewesen, er macht mich - das klingt zwar abgedroschen, ist aber so - täglich besser.

Was macht diese tägliche Arbeit aus?

Wir sind nicht so die totalen Videofreaks, die jeden gegnerischen Spieler in alle Einzelteile zerlegen. Klar schaut man sich die Wurfbilder und die herausragenden Werfer beim Gegner per Video an und stellt sich auf diese ein - wie jüngst etwa Albin Lagergren oder Andy Schmid bei den Rhein-Neckar Löwen. Aber vieles entwickelt sich erst im Spiel, hängt von der Tagesform und elementar von der Zusammenarbeit mit der Abwehr ab. Es ist ein ständiger Prozess. Mal braucht man Zeit, um in eine Partie zu kommen, ein anderes Mal spürt man gleich, dass es heute läuft. Oder eben auch mal nicht.

Erkennt man als Torhüter gute und schlechte Tage schon nach den ersten Würfen?

Bedient man sich der ungeschriebenen statistischen Torhüter-Regel mit drei Paraden pro 15 Minuten, dann weiß man schon, ob man in eine Partie gekommen ist oder nicht. Hat man nach zwölf, 15 Minuten noch nichts gehalten, ist eine Auswechslung schon angebracht. Ich bin aber ein Typ, das muss ich zugeben, der nicht gerne ausgewechselt wird, weil ich immer das Beste aus mir rausholen und jede Chance dazu nutzen will. Umgekehrt bin ich aber zu jedem Zeitpunkt bereit, wieder eingewechselt zu werden und Leistung zu bringen. Wenn ich draußen bin, freue ich mich aber - und das macht Teamgeist aus wie ich ihn verstehe - über jede Parade von Tibor (Ivanisevic) genauso, als hätte ich den Wurf selbst pariert.

In drei Monaten sollen in Tokio die Olympischen Spiele steigen. Deutschlands Handballer sind qualifiziert. Mit Till Klimpke?

Ich kenne meine Position im Nationalteam und die Klas- se von Andy (Wolff), Silvio (Heinevetter) und Johannes (Bitter). Ich wäre aber ein schlechter Leistungssportler, wenn ich nicht doch so ein kleines bisschen mit To- kio liebäugeln würde. Vielleicht geht da ja unverhofft ein Türchen auf. Das wäre in meinem jungen Alter natürlich riesig.

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