22. April 2021, 14:04 Uhr

Basketball / Gießen 46ers Rackelos

Starke Saison, offene Fragen

Gesellschafter und Aufsichtsrat der Gießen 46ers haben sich hinter das Drittliga-Farmteam der Rackelos gestellt. Trotzdem bleiben Fragen offen für den Fall, dass die 46ers aus der Bundesliga absteigen.
22. April 2021, 14:04 Uhr
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Von Sebastian Kilsbach
Die Gießen 46ers Rackelos in der ProB in Aktion: Johannes Lischka (l.) zieht zum Korb, Teamkollege Tim Köpple verfolgt den energischen Einsatz. FOTO: FRIEDRICH

Mit dem erneuten Erreichen der Playoffs in der ProB haben die Basketballer der Gießen 46ers Rackelos in der vergangenen Spielzeit für Furore gesorgt. Trotz vieler Umbrüche im Kader und auf der Trainerbank sahen die Fans (im Livestream) ein echtes Team. Lutz Mandler gehörte zu Saisonbeginn zu jenem Zuschauerkreis. Gerade hatte sich der ehemalige Co-Trainer entschlossen, eine Pause vom Basketball einzulegen: »Ich habe alle Spiele angeschaut. Und wenn du siehst, wie sie als Team auftreten, da dachte ich, dass es vielleicht doch die falsche Entscheidung war.«

Durch die parallelen Entwicklungen im Bundesligakader kam es vor Weihnachten zur Trainerrochade. Rolf Scholz übernahm bekanntlich die 46ers, Mandler kehrte zu den Rackelos in die ProB zurück: »Ich habe den Jungs gesagt, dass ich das nur mache, weil ich weiß, dass sie ein Team sind. Und das ich sofort aufhöre, wenn sich daran etwas ändert.« Es hat sich aber nichts geändert. Im Gegenteil: »So blieb es bis um letzten Spiel. Das war der Grundstein« für den Erfolg, so Mandler nach dem Aus im Playoff-Achtelfinale (Gruppenphase).

Doch auch beim Farmteam gab es zunächst Baustellen. »Es gab viele Wechsel. Ich finde es toll, dass die NBBL-Spieler, für die dieser Schritt teilweise etwas früh war, den Weg mitgegangen sind und Verantwortung übernommen haben«, sagt Anne Leinweber. Die Team-Managerin freut sich zugleich über den reibungslosen Wechsel auf der Trainerbank, auf der neben Mandler auch Ivica Piljanovic Verantwortung übernahm. »Unterm Strich bin ich unheimlich stolz auf alle. Es sind einfach charakterlich gute Jungs«, lobt Leinweber.

Die Mannschaft hielt am Samstag ein letztes Treffen ab, bevor sich die Wege trennten. Scholz, der für die Kaderzusammenstellung im Sommer maßgeblich verantwortlich war, erinnert sich: »Es war wichtig, wie in den Jahren davor, eine gesunde und gute Mischung zu finden aus Erfahrung und ganz viel Jugend, die wir vorantreiben wollen. Es war klar, dass die beiden Tims (Köpple und Uhlemann) mehr Verantwortung übernehmen können.« So kam es zu einem Kader, der fast ausschließlich aus gebürtigen Mittelhessen bestand.

Johannes Lischka war gesetzt, Jugendspieler wie Tristan Göbel und Karl Maruschka profitierten von der Corona-Situation, führt Scholz weiter aus: »Ich glaube, wir haben mit Donte Nicholas das perfekte Puzzleteil gefunden. Er hatte Europaerfahrung, von der Qualität her ist er kein ProB-Spieler. Als Ruhepol war er entscheidend für den Ausgang der Saison.«

Bleibt die Frage, wie es bei den Rackelos jetzt weitergeht. Die Vereinsführung um Stefan Dehler und Wolfgang Greilich will an dem Farmteam festhalten. Dehler meldete sich im Basketball-Forum »Schönen Dunk« zu Wort und beantwortete die Frage nach den Motiven für diesen Schritt: »Auf der einen Seite haben wir mit unseren Rackelos eine tolle Mannschaft aufgebaut, die auch finanziell insbesondere durch unseren Namenssponsor und unsere Trikotsponsoren getragen werden. Und auf der anderen Seite ist es, auch aus rein organisatorischen Gründen, bei einem möglichen zeitnahen Wiederaufstieg deutlich einfacher, eine bestehende ProB zu haben, als alles wieder neu aufzubauen.«

Bei Spielern wie Uhlemann oder Köpple ist unklar, ob sie im Falle eines Abstiegs noch zur Verfügung stünden. Immerhin wäre die ProA der natürliche nächste Schritt. Für die meisten anderen Perspektivspieler kämen tragende Rollen sowohl in ProA als auch ProB aber zu früh.

Im in der letzten Woche vorgestellten Positionspapier gab der Verein das Ziel aus, die 46ers als Ausbildungsverein Nummer eins in Hessen etablieren zu wollen. Dass junge Nachwuchsspieler von außerhalb nur selten ihren Weg an die Lahn gefunden haben, ist aber ein Problem, dass sich ohne BBL-Club als Ass im Ärmel noch verschlimmern dürfte.

Genug mittelhessische Talente wie Alen Pjanic, Bjarne Kraushaar oder Uhlemann wachsen nicht automatisch nach. Auf genau solche will der Club aber mit Verweis auf die Gießener »DNA« setzen. Selbige wurde von den Rackelos vorgelebt, doch es ist fraglich, ob die Basis reicht, um einen Neustart in der zweiten Liga zu wagen.

Unklar ist auch, ob Mandler das Traineramt weiter ausüben würde. »Da fließt viel Wasser die Lahn runter bis zum ersten Spieltag«, will der hauptberufliche Bankkaufmann erst einmal abwarten. Ob es für ihn weitergeht, sei auch von den handelnden Personen abhängig. Beides lässt sich problemlos auf die Zukunft von Rackelos und 46ers übertragen. Auf Verein und Fans wartet ein spannender Sommer.



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