15. Dezember 2020, 10:50 Uhr

HSG Wetzlar

Spekulationen um Anton Lindskog

Vor Weihnachten werden im Bundesliga-Handball tabellarisch und personell die Weichen für die Zukunft gestellt. In jeder Spielzeit. Das trifft auch auf die HSG Wetzlar zu.
15. Dezember 2020, 10:50 Uhr
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Von Ralf Waldschmidt
Gelebte Leidenschaft auf der Wetzlarer Bank. FOTO: VOGLER

Doppel-Spieltag in der Handball-Bundesliga für die HSG Wetzlar. Heute Abend im Heimspiel gegen HBW Balingen/Weilstetten (18 Uhr) und am Donnerstag beim TBV Lemgo-Lippe (19 Uhr) geht es für die Mittelhessen einmal mehr darum; den Weg für ein punktemäßig beruhigendes Fest zu bereiten.

Die Vorzeichen: Dem leistungsmäßigen Zickzack-Kurs der meisten Bundesligisten in dieser Corona-Spielzeit schließt sich uneingeschränkt auch die HSG Wetzlar an. Dem ansprechenden 30:25-Heimauftritt gegen den TVB Stuttgart folgte das mäßige 28:32 bei SC DHfK Leipzig, weshalb der Begegnung gegen die Schwaben im Hinblick auf das Tabellen-Geschehen schon wieder größere Bedeutung zukommt. Zum einen würde man die Balinger bei einem Sieg vorerst wieder auf sieben Punkte distanzieren. Zum anderen könnte vor der hohen Auswärtshürde Lemgo, die man seit dem Erstliga-Aufstieg 1998 noch nie hat nehmen können, die Gefahr gebannt werden, in ein negatives Punktekonto zu geraten.

Für die Gäste zählt auch 2020/21 allein der Klassenerhalt. Zwar ist das Team von Trainer Jens Bürkle auf eigenem Parkett noch sieglos, dafür kommt es mit breiter Auswärts-Brust in die Rittal-Arena, denn mit dem 32:26 beim TBV Lemgo, dem 34:32 beim HC Erlangen und dem 29:25 bei TSV Hannover-Burgdorf gelangen zuletzt drei Auswärtssiege in Folge bei jeweils höher eingeschätzten Kontrahenten. Für die HSG Wetzlar sollte das hinreichend Warnung sein.

Das Personal: Torhüter Till Klimpke und Linksaußen Maximilian Holst kehren bei den Grün-Weißen zurück, die gehen Stuttgart bzw. in Leipzig gefehlt hatten. Ob beide aber bereits für die Startformation in Frage kommen, darauf wollte sich Trainer Kai Wandschneider nicht festlegen. Auch der zuletzt leicht angeschlagene Linkshänder Stefan Cavor ist wieder weitgehend schmerzfrei.

»Unsere Personalsituation ist die gleiche wie am Sonntag«, sagt Balingens Geschäftsführer Wolfgang Strobel. Beim Heim-26:39 gegen den SC Magdeburg (»Das müssen wir schnell wieder aus dem Kopf bekommen«) fehlten der Franzose James Scott und sowie Kreisläufer Fabian Wiederstein, beide werden verletzungsbedingt frühestens zum Rückrundenstart im neuen Jahr wieder zur Verfügung stehen.

Die November-/Dezember-Nebengeräusche: Am Management- und Agenten-Aktionsmus alljährlich im Spätherbst ändern auch die Corona-Besonderheiten wenig. Derweil Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp einräumt, aufgrund der bestehenden Planungsunsicherheit mit Vertragsverlängerungen bzw. Neuverpflichtungen noch nicht soweit wie in den Vorjahren zu sein (»Vieles lässt sich aktuell seriös gar nicht sagen«), stehen einige Wetzlarer Hochkaräter bei der Konkurrenz hoch im Kurs. Nach Informationen von »handball-leaks.de« soll Vizemeister SG Flensburg/Handewitt Interesse an Kreisläufer Anton Lindskog haben, dessen Vertrag bis 2022 mit einer Ausstiegsklausel versehen ist, wie Björn Seipp bestätigt. Weitere Wechselkandidaten sollen der Norweger Kristian Björnsen und der Schwede Olle Forsell-Schefvert sein, deren Kontrakte im kommenden Sommer auslaufen, die beide zuletzt ihre Handball-PS allerdings bei weitem nicht auf das Parkett bekamen. Im schlimmsten Falle würde das unwidersprochen den Verlust von drei absoluten Leistungsträgern bedeuten und ein schweres Erbe für Wandschneider-Nachfolger Benjamin Matschke auf der Trainerposition.

Wandschneider-Appell: Gerade in diesen wegweisenden Saisontagen sind Charakter und Mentalität gefragt. Eigenschaften, die Trainer Kai Wandschneider bezüglich seines Teams in der Vergangenheit immer wieder lobend hervorhob und die nunmehr individuell wieder jeder HSG-Akteur zu 100 Prozent einbringen müsse. Der scheidende Coach macht keinen Hehl daraus, dass er diesbezüglich zuletzt unzufrieden war und in Einzelgesprächen klare Worte finden musste. Seine Ansage: »»Wir müssen auf allen Positionen konstant als Team Leistung bringen.« Vor allem die Leistungsträger müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein und diese auch übernehmen.

Zuversicht auf beiden Seiten: Bei allen ebenso bekannten wie gewohnten Nebengeräuschen gibt sich Kai Wandschneider kämpferisch. »Wir werden gegen Balingen alles raus hauen, was wir drauf haben«, fokussiert er sein Team allein auf die Partie am Dienstagabend - »an Lemgo verschwende ich, ganz ehrlich, keinen Gedanken.« Eine stabile Abwehr, ein schnelles Umschalten, wieder mehr Konzentration im Abschluss und weniger Eigenfehler sollen zum Sieg und dann 14:12 Punkten auf dem Konto verhelfen.

»Aktuell ist in der Bundesliga in jedem Spiel für jeden etwas möglich«, skizziert HBW-Geschäftsführer Wolfgang Strobel das erste Saisondrittel. Da versteht es sich von selbst, dass das Team um den ehemaligen Wetzlarer und Hüttenberger Rückraum-Kanonier Vladan Lipovina (56 Tore/26 Assists) den vierten Auswärtscoup in Folge anvisiert.



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