02. Juni 2021, 06:00 Uhr

Jugendfußball

So reagieren Gießens Kinder auf die Wiederaufnahme des Fußballtrainings im Kreis

Nach Monaten des Wartens trainieren die Unter-15-Jährigen seit Mitte Mai im Landkreis Gießen wieder. Wir haben Kinder in Lich, Wettenberg und Großen-Linden nach ihren Erfahrungen gefragt.
02. Juni 2021, 06:00 Uhr
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Von Sven Nordmann
»Am schönsten ist es, sich einfach mal wieder auspowern zu können«: Jugendtraining in Lich Ende Mai 2021.

Am Anfang«, sagt der elfjährige Anton Kaup aus Hungen, »hat es sich noch ein bisschen verboten angefühlt, wieder mit so vielen Jungs Fußball zu spielen.« Er lächelt etwas verlegen und rennt wieder auf den grünen Rasen an der Alten Fasanerie in Lich. In der dritten Stunde nach der Wiederaufnahme des Jugendtrainings beim VfR Lich rangeln und duellieren sich die D-Jugendlichen beim fußballerischen Wettstreit wieder wie in Pre-Corona-Zeiten.

»Am meisten freuen wir uns im Training auf das Abschlusspiel«, sagt der elfjährige Bastian Schlund aus Lich - »gegen andere Mannschaften durften wir ja noch nicht wieder spielen.« Während der monatelangen trainingsfreien Zeit sei der Nachmittag »meistens langweilig« gewesen: »Nach den Hausaufgaben habe ich mich oft einfach ins Bett gelegt und war am Handy.«

Seit Mitte Mai hat das Gros der heimischen Sportvereine das Training für Jugendliche bis 14 Jahren wieder aufgenommen - nachdem der Gießener Landkreis am Wochenende die Stufe zwei des Stufenplans der hessischen Landesregierung erreicht hat, steigen nun auch wieder die älteren Jugendlichen und Aktiven in den regulären Sportbetrieb ein.

Wir haben drei Jugendfußballmannschaften bei einem ihrer ersten Mai-Zusammenkünfte nach der Zwangspause begleitet und dabei Erleichterung und Freude, aber auch noch Vorsicht und eine zurüchaltende Zukunftsperspektive wahrgenommen.

Launsbach, C-Jugend FSG Wettenberg: Zum ersten Mal laufen die heimischen Jugendkicker am Donnerstag wieder auf dem Kunstrasen auf. »Wenn wir nicht kicken, sagen wir: Abstand und Maske anziehen«, erklärt Trainer Jens Kirch - »das alles haben die Jungs mittlerweile verinnerlicht - wir werden die Hygieneregeln vorerst auch beibehalten.« Aus eigener Erfahrung durch seinen Sohn weiß Kirch: »Der Druck ist groß, sich wieder zu bewegen. Die Jungs brennen. Das ist das Alter, wo du dich messen willst.«

Der 14-jährige Joshua Brett aus Wißmar erklärt am Rande des Spielfelds: »Am schönsten ist es, sich einfach mal wieder auspowern zu können.« Während er vor Corona »fünf- bis sechsmal die Woche Sport« gemacht habe, seien es während der Pandemie nur noch »zwei bis drei Tage« gewesen. Trainer Karsten Hansmann stellt ernüchtert fest: »Das goldene Lernjahr haben diese Kinder verpasst.«

Wahrnehmen von Testspielen, durchgehendes Training, Spielbetrieb im Visier

Joris Fischer, 14 und aus Krofdorf, zieht sich für ein Gespräch aus dem Abschlussspiel heraus und sagt: »Es ist einfach mal etwas anderes, als durch Homeschooling und Co. fast nur vor dem Computer zu sitzen. Und nur der Garten reicht einem auf Dauer auch nicht.«

Unter anderem deshalb sagt der FSG-Vorsitzende Elmar Martin: »Es geht um Bewegung und Sozialarbeit. Ich denke da vor allem an die kleinen Kinder, die eine Spiegelung brauchen. In unserer Trainerschaft war klar: Im Rahmen unserer Möglichkeiten wollen wir versuchen, Training anzubieten, auch wenn das mit Arbeit verbunden ist. Wir wollen eine Plattform für soziale Kontakte bieten.« Der erfahrene Ehrenamtler denkt vor allem daran, wenn er sagt: »Wenn 60 Prozent oder mehr in Deutschland geimpft sind, kann die Verbotspolitik kaum mehr getragen werden.«

Großen-Linden, D-Jugend TSV Großen-Linden: Viele Fahrräder stehen am Rande des Rasens: Die Kinder kommen sportlich per Rad, umgezogen, um nach dem Training ohne Gang in die Kabinen wieder heimzuradeln: »Wir halten die Abstandsregeln ein«, sagt Jugendtrainer Alexander Gotte - bei der Übungseinheit wird sich auf Pass und Torschuss konzentriert.

»Es wurde allerhöchste Zeit«, sagt Gotte. Ziel sei nun eine moderate Vorbereitung auf die neue Saison - wie in anderen Orten nahm man auch in Großen-Linden die Ankündigung vom Hessischen Fußballverband, wieder Freundschaftsspiele auszutragen zu können (lokale Gegebenheiten sind zu beachten), mit großer Freude zur Kenntnis.

Nach Scherzen und Schubserei in einer kurzen Pause wird das Training auch in Großen-Linden mit dem Spiel auf zwei Tore abgeschlossen.

»Es ist echt cool, dass wir uns alle wiedersehen«, sagt der 13-jährige Marcus Heil aus Gießen. Alleine sei es »schwerer gefallen, sich zu motivieren«.

Mitstreiter Jakob Wehr, 13 und aus Linden, erklärt auf die Frage, was in den letzten Monaten nach den Hausaufgaben angestanden habe: »Noch mehr Hausaufgaben. Am Anfang habe ich auch noch öfter Übungen von den Trainern zuhause mitgemacht, später weniger. Ansonsten ging’s dann auch oft an die Konsole.«

Lich, D-Jugend VfR Lich: Während auf dem Rasen an der Alten Fasanerie die jugendlichen Fußballer aktiv sind, wird der Kunstrasen nebenan vom ASV Licher Wald genutzt. Rund ein Dutzend Kleinkinder hat dort Mitte Mai das Training wieder aufgenommen, geht an jenem Donnerstagabend leichtathletikbezogene Übungen durch.

Fußball-Jugendtrainer Christian Wedemann weiß: »Meine drei Jungs, die alle hier in Lich spielen, sind hin und weg, dass sie wieder ran dürfen.« Das Training laufe wieder normal ab.

»Dadurch, dass jeder die Maßnahmen kennt, geht es - interessant wird es, wenn ab der B-Jugend wieder geduscht wird. Und: Wie hoch wird der Aufwand beim Spielbetrieb? Ich denke da als Beispiel an die Kabinen.«

Vereinsvorsitzender Markus Strauch hat die Wiederaufnahme des Spielbetriebs bereits im Visier: A- und B-Junioren stehen im Finale des Kreispokals, das am 26. Juni in Lich ausgetragen werden soll. »Mir wäre es recht, wenn wir im August wieder mit einer normalen Saison starten könnten.«

Strauch drängt auf einen Start, ohne naiv zu sein - der Blick auf die Inzidenz gehört zum Tagesgeschäft: »Wir hoffen alle, dass sie niedrig bleibt. Wichtig wäre, dass das Gesundheitsamt bei lokalen Ausbrüchen den Grund erkennt, ohne alle mit Generalmaßnahmen zu bestrafen.«

Fest stehe: »Über die Maßnahmen und die neue Superzahl von 25 als Inzidenz kann jeder denken, wie er will - an die Regeln sollten wir uns alle halten. Und das tun wir in Lich. Wir halten uns an das vorgegebene Konzept des Verbandes« - damit die Wiederaufnahme des Trainings nun nicht noch einmal unterbrochen werden muss.

»Zurzeit«, sagt der 14-jährige Joris Fischer, »sieht es ja gut aus - wir haben uns alle darüber gefreut, wieder spielen zu dürfen und hoffen, dass das so bleibt.«



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