07. Oktober 2021, 07:01 Uhr

Fußball

Rückzug: Das Aus für den TSV Großen-Linden

Der TSV Großen-Linden war viele Jahre eine der besten Fußball-Adressen in Mittelhessen. Doch das ist Geschichte. Der Kreisoberligist zieht mit sofortiger Wirkung seine Mannschaft zurück.
07. Oktober 2021, 07:01 Uhr
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Von Michael Schüssler
Einer der Hauptprotagonisten beim TSV Großen-Linden in den 90er Jahren: Stürmner Rudi Hassler. FOTO: ARCHIV

Sieben Spieltage sind in der Fußball-Kreisoberliga Süd absolviert, am Tabellenende steht der TSV Großen-Linden - mit 1:41 Treffern und null Punkten. Eine deprimierende Bilanz, zuletzt gaben die Lindener die Partie gegen die SG Birklar kampflos ab. Indiz dafür, dass es um die Fußball-Abteilung des TSV nicht gut bestellt ist. Am Sonntagnachmittag haben die Verantwortlichen um den ersten Vorsitzenden Michael Weisel die Reißleine gezogen, der TSV Großen-Linden meldet mit sofortiger Wirkung seine Mannschaft aus der Kreisoberliga ab und steht damit als erster Absteiger fest.

»Massive Personalprobleme machen ein Weiterspielen in dieser Liga nicht möglich. Diese Meldung machte der Verein in Person des 1. Vorsitzenden Michael Weisel am 5. Oktober«, teilte Gießens Kreisfußballwart Henry Mohr (Kleinlinden) mit. Rudi Hassler, seit den 90er Jahren beim TSV aktiv und seit 2019 auch Leiter Spielbetrieb, sagte: »Es ist traurig und erschreckend, aber uns haben die Leute gefehlt.«

In der Pressemitteilung des Vereins heißt es: »Wie am Sonntag schon in Erwägung gezogen, muss ich (...) verbindlich mitteilen, dass wir die erste Mannschaft aus der KOL abmelden bzw. zurückziehen müssen. Es ist uns aus diversen personellen Gründen nicht möglich, zwei Mannschaften aktiv im Spielbetrieb in der Kreisliga B und Kreisoberliga zu stellen. Die Argumente und Fakten haben uns (...) in der Spieler-/Vorstandssitzung überzeugt, sodass wir diesen Schritt gehen müssen. Somit stehen wir als Absteiger aus der Kreisoberliga fest und werden nächstes Jahr in der Kreisliga A Gießen neu ins Spielgeschehen eingreifen. «

Der TSV Großen-Linden ist damit erster Absteiger aus der Kreisoberliga Süd. Die 2. Mannschaft wird den Spielbetrieb in der Kreisliga B Gießen, Gruppe 2, weiter fortsetzen. Diese Mannschaft besitzt aber durch den Rückzug der ersten Mannschaft kein Aufstiegsrecht.

»Sehr bedauerlich, aber nach den Erkenntnissen der letzten Wochen für den Verein unvermeidlich«, fasst Mohr den Rückzug zusammen. Scheidet eine Mannschaft aus dem Wettbewerb aus, werden bisher erspielte Punkte und Tore nicht gestrichen. Die verbleibenden Spiele werden für die ausgeschiedene Mannschaft nach § 38 Nr. 2 der Spielordnung gewertet. (Das Spiel ist für den Verein mit 0:3 Toren als verloren zu werten.

Glanzzeit Mitte der 90er Jahre

Mitte der 90er Jahre begann der Höhenflug des TSV Großen-Linden. Mit Ottmar Wagner als Trainer und unter anderem Thomas »Tiger« Reubold, Steffen Binz, Mario Weber oder auch Rudi Hassler als Spielern zählte der Verein zu den besten Adressen im Fußballkreis Gießen, war nach dem Oberligisten VfB 1900 Gießen und dem damals ebenfalls in der Landesliga Mitte beheimateten FSV Steinbach (heute FSV Fernwald) durchaus als drittstärkste Kraft anzusehen. In der Saison 1996/1997 lieferte sich der TSV in der damaligen Bezirksoberliga Süd ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem FSV Braunfels um die Meisterschaft und dem damit verbundenen Aufstieg in die Landesliga Mitte - mit dem besseren Ende für den TSV, der den Direktaufstieg schaffte. Der FSV folgte aber über den Umweg Relegation dem TSV in die damals vierthöchste Klasse.

Aber nach der Saison 1998/1999 und nach insgesamt zwei Jahren erfolgte der freiwillige Rückzug aus dieser Liga aufgrund mangelnder Resonanz, der Neuanfang wurde in der damaligen Bezirksliga Gießen/Alsfeld gesucht. »Sportlich ist es sehr gut gelaufen. Aber der Rückzug ist schon traurig.« So lautete 1999 das Saisonfazit des damaligen Spielertrainers Volker Münn.

Es folgte nochmals ein Aufstieg, aber das war auch nur ein kurzes Intermezzo. Seit Jahren gehörte der TSV Großen-Linden derweil zu den etablierten Teams der Kreisoberliga Süd, nun aber muss der Klub den personellen Widrigkeiten in Form des sofortigen Rückzugs Tribut zollen. Dieser ist gleichzeitig aber auch die Chance für den TSV zum Neuanfang.



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