02. Mai 2021, 23:59 Uhr

Rollstuhlbasketball

RSV setzt sich die Krone der Königsklasse auf

Riesenjubel beim RSV Lahn-Dill: Der Rollstuhlbasketball-Bundesligist hat am Sonntag nach einem packenden Finale zum insgesamt siebten Mal den Titel in der europäischen Königsklasse geholt.
02. Mai 2021, 23:59 Uhr
So sehen Sieger aus: Das Team des RSV Lahn-Dill sichert sich in der Rittal-Arena den Champions-Cup-Titel. FOTO: VOGLER

Die Spieler des RSV Lahn-Dill fielen sich mit Tränen in den Augen um den Hals, die Rollstühle kippten, und am Ende war das gesamte Team eine einzige Jubeltraube. Nach einem nervenaufreibenden Finale gegen die Thuringia Bulls feierten die Mittelhessen am Sonntagabend mit dem 71:67 (32:26)-Sieg zum siebten Mal in ihrer Vereinsgeschichte den Titel in der europäischen Königsklasse. »Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, die Siegesserie der Bulls zu durchbrechen«, strahlte RSV-Kapitän und Topscorer Thomas Böhme nach dem Triumph gegen den Titelverteidiger und amtierenden deutschen Meister.

Auprince nervenstark

Lahn-Dill hat mit dem Finalsieg, den Michael Auprince 2,9 Sekunden vor dem Ende mit zwei verwandelten Freiwürfen sicherte, ein grandios verlaufenes Heimturnier in der Rittal-Arena unter Corona-Bedingungen gekrönt. Zuvor hatten die Mittelhessen die spanischen Teams von der Insel Gran Canaria im Viertelfinale (61:59) am Freitag und aus Madrid in der Vorschlussrunde (76:61) am Samstag bezwungen.

»Es war ein wirklich harter Fight«, sagte Böhme nach dem ersten rein deutschen Finale in der 46-jährigen Geschichte der Königsklasse. Dabei hatte sein RSV nach einigen Anlaufschwierigkeiten und einer Steigerung in der Defensive die Partie zunächst im Griff. Böhme selbst lief heiß und brachte sein Team bis zum Viertelende mit 13 Punkten (am Ende waren es 22) fast im Alleingang mit 19:9 in Führung. Doch die Bulls blieben bissig, stellten ihre Verteidigung um, kamen auf 22:25 heran und ließen sich auch von einem weiteren Zehn-Punkte-Vorsprung des RSV (32:22, 18.) nicht schocken. Beim 26:32 nach der ersten Hälfte waren die Thüringer noch gut im Geschäft.

»Die erste Halbzeit von uns war gut, doch dann kamen die Bulls stark aus der Pause«, bilanzierte Böhme. Die Thüringer verteidigten die RSV-Schützen, die in der ersten Hälfte noch gut aus der Mitteldistanz getroffen hatten, immer besser und nutzten auf der anderen Seite ihre Chancen - mit dem letzten Angriff des dritten Viertels sorgte Vahid Gholamazad für die 50:49-Führung der Bulls vor dem finalen Durchgang. Und der hatte es sich. Es entwickelte sich ein Kampf auf Biegen und Brechen. Mit einem 63:59 (37.) für die Gäste ging es auf die Zielgerade, in der Lahn-Dill letztlich doch noch an dem kampfstarken und emotional auftretenden Rivalen vorbeizog. »Wir haben in der Schlussphase wieder ruhiger gespielt, nachdem wir uns davor etwas von der Hektik der Bulls in deren Verteidigung haben anstecken lassen«, erklärte Böhme das Erfolgsrezept für die Crunch Time. Brian Bell glich gut 100 Sekunden vor dem Ende zum 65:65 aus, der starke Steve Serio mit dem 67:65 und der spät von der Bank gekommene Auprince aus der Bedrängnis mit dem 69:65 bei einer Restspielzeit von 50 Sekunden sorgten für die Vorentscheidung. Der nervenstarke Auprince machte von der Linie den 71:67-Endstand und den Champions-Cup-Titel perfekt. Danach brachen beim RSV Lahn-Dill alle Dämme.

Zurückhaltend beim Feiern

»Das war ein echter Teamerfolg. Wir haben im gesamten Turnier so viel von der Bank bekommen, das war so wichtig für uns«, freute sich Trainerin Janet Zeltinger, die mit ihrem Team am Abend im Hotel noch ein wenig feierte - aber mit angezogener Handbremse. »Wir genießen den Sieg, aber wir haben noch mindestens zwei Spiele gegen Thüringen vor uns«, sagte sie. Denn das Endspiel am Sonntag war nur Teil eins der Titelduelle zwischen dem RSV und den Thuringia Bulls. Schon am Samstag treffen sich beide Teams in Elxleben wieder - zum ersten von maximal drei Spielen der »Best of three«-Serie um die deutsche Meisterschaft. Die Partien zwei und - falls nötig - drei steigen am 15. und 16. Mai in Wetzlar. Und auch dann wollen die Mittelhessen am Ende wieder jubeln.

RSV-Geschäftsführer Andreas Joneck zog am Sonntagabend ein überaus positives Fazit des Turniers unter sehr schwierigen Bedingungen für alle Beteiligten: »Durch die Tatsache, dass wir einen stabilen Verlauf hatten und nicht einer der über 1100 Corona-Tests positiv war, dürfen sich alle Teilnehmer und die Sportart als Sieger fühlen«, sagte Joneck erleichtert - und beim Blick in die leere Arena fügte er etwas wehmütig an: »Es ist schon echt traurig, dass keine Zuschauer dabei sein konnten. Beim deutsch-deutschen Finale wäre die Bude sicher voll gewesen.« Der Titelgewinn dürfte ihn zumindest ein wenig darüber hinwegtrösten.

Finale / Lahn-Dill: Thomas Böhme (22/1 Dreier), Steve Serio (19/1), Brian Bell (14), Michael Auprince (10), Simon Brown (4), Ian Sagar (2), Annabel Breuer, Christopher Huber, Catharina Weiß, Peyman Mizan, Dominik Mosler. - Thüringen: Vahid Gholomazad (20), Aliaksandr Halouski (16), André Bienek (13), Jens-Eike Albrecht (8), Karlis Podnieks (6), Joakim Linden (2), Jitske Visser (2), Hubert Hager, Ian Pierson, Helen Freeman, Marie Kier.

Ergebnisse in der Übersicht

Viertelfinale

Thuringia Bulls - Rahden 77:66

CD Madrid - Porto Torres 81:45

Albacete - Bilbao n. V. 77:79

Lahn-Dill - Gran Canaria 61:59

Halbfinale

Thuringia - Bilbao 85:63

Lahn-Dill - Madrid 76:61

Endrunde

Um Platz 3: Bilbao - Madrid 71:95

Finale: Lahn-Dill - Thuringia 71:67

Platzierungsrunde

Rahden - Albacete 59:82

Porto Torres - Gr. Canaria 39:81

Platz 7: Rahden - P. Torres 78:43

Platz 5: Albacete - G. Canaria 62:54

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