17. Mai 2021, 07:00 Uhr

RSV Lahn-Dill

RSV Lahn-Dill diesmal »nur« Zweiter

Der gehörig unter Druck stehende RSV Lahn-Dill kann den Matchball der Thuringia Bulls im Playoff-Final-Spiel zwei nicht abwehren. Nach dem 52:45 in der Wetzlarer Rittal Arena beenden die Bullen die Best-of-three-Serie nach zwei Siegen vorzeitig und verteidigen ihren DM-Titel in der RBBL.
17. Mai 2021, 07:00 Uhr
Pure Enttäuschung bei RSV-Forward Brian Bell nach der 45:52-Niederlage im zweiten Spiel der Playoff-Finalserie in der Rittal Arena gegen den alten und neuen deutschen Rollstuhlbasketball-Meister Thuringia Bulls. FOTO: VOGLER

Diesmal blickten die Thomas Böhme und Co. bei der Siegerehrung wehmütig in die Mitte der Wetzlarer Rittal Arena, als Andre Bieneck am Samstagabend nach dem 52:45-Erfolg die Trophäe überreicht bekam und anschließend zu seinem Team zum kollektiven Abfeiern fuhr. Vor knapp zwei Wochen war es der RSV Lahn-Dill, der sich an gleicher Stelle nach einem spannenden Endspiel im rein deutschen Duell gegen den alten Rivalen Thuringia Bulls die Krone des europäischen Rollstuhlbasketballs aufsetzte und mit dem 71:67 den Champions Cup gewann.

Die Konstellation war klar: Das Team von Trainerin Janet Zeltinger musste nach der 79:85-Verlängerungsniederlage vor einer Woche in Elxleben am Samstag das Spiel gewinnen, um die Serie auszugleichen und um sich die Chance zu erhalten, den nationalen Titel im Rollstuhlbasketball zu sichern. Daraus wurde nichts. Was waren die Gründe für das Scheitern?

»Wir haben gut verteidigt. Aber leider haben die Thuringia Bulls auch gut verteidigt. Und wir hatten ein paar Probleme im Angriff. Das ist Basketball, das passiert«, bilanzierte RSV-Cheftrainerin Zeltinger und lieferte die Ursachen für das scorearme Spiel gleich mit. Zahlen verdeutlichen die Schwäche beider Mannschaften in der Offensive: Der RSV traf von seinen 62 Würfen nur 21 (33,9 Prozent), davon 0 von 7 Dreiern, die Bulls 21 von 61 (34,4 Prozent) bei einem von 6 Dreiern.

Von Beginn an stand die Defensive im Vordergrund. Die beiden Mannschaften kennen sich aus dem Eff-Eff. Immer wieder wurde taktisch agiert, um die Scorer - so gut wie möglich - aus dem Spiel zu nehmen. Dennoch traf Böhme bereits nach zwölf Sekunden für den RSV. Es sollte aber die einzige Führung für den frisch gebackenen Champions-Cup-Sieger bleiben. Indes brachte die Truppe von Coach Michael Engel ihre Protagonisten in gute Wurfpositionen. So war es vor allem der Weltklassespieler Aliaksandr Halouski, der sich im Angriff effizient in Szene setzte. Der deutsche Nationalcenter, der in Minsk geboren wurde und in der Klassifizierung seiner Behinderung als ein 4,5-Spieler eingestuft ist (das sind die am wenigsten beeinträchtigten Akteure auf dem Spielfeld), bewies aus der Mitteldistanz sein weiches Händchen. Letztlich avancierte er zusammen mit seinem iranischen Teamkollegen Vadid Gholamazad mit 19 Punkten zum Topscorer. Obwohl der RSV seine Probleme im Abschluss hatte, betrug der Rückstand nach Viertel eins nur einen Zähler (12:13).

In den zweiten zehn Minuten griff Zeltinger zweimal ein und versammelte ihr Team zur Auszeit. Sowohl beim 16:19 (13.) als auch beim 18:23 (16.) reagierte sie prompt auf sich anbahnende Läufe des Gegners, die sie damit stoppen wollte. Zur Aufholjagd trug in diesem Abschnitt besonders Steve Serio bei. Der RSV-Aufbauspieler steuerte sechs Punkte zum 22:27-Halbzeitstand bei. Nach der Pause lagen die Bullen nach einem Zwischenspurt bereits mit 37:26 (27.) in Front, doch mit einem 6:0-Run verkürzte der RSV noch auf 34:39. Erneut legten die Thüringer vor, doch die Mittelhessen schlossen bis auf drei (44:47, 36., Michael Auprince) und auf fünf Punkte (45:50, 38., Auprince) auf. Fehlwürfe von Böhme, Auprince und Brian Bell verhinderten aber den möglichen Ausgleich.

»Es war ganz klar unsere Offense. Wir halten die auf 52 Punkte, aber vorne ging fast gar nichts rein. Dummerweise hatten heute mehrere von uns einen schlechten Tag - dann gewinnst du so ein Spiel nicht«, sprach RSV-Kapitän Böhme Klartext.

Die Enttäuschung stand auch Geschäftsführer Andreas Joneck ins Gesicht geschrieben. »Wir haben es ganz klar in den beiden Spielen nicht verdient, deutscher Meister zu werden. Der Titel geht hochverdient an die Thuringia Bulls.« Dennoch kann der RSV Lahn-Dill nach dem letzten Akt einer herausfordernden wie außergewöhnlichen Saison mit Stolz auf das Geleistete zurückblicken.

RSV Lahn-Dill: Mosler (2), Brown, Sagar, Mizan, Bell (8), Huber, Weiß, Serio (12), Breuer, Böhme (12), Beissert, Auprince (11). / Thuringia Bulls: Hager, Gholamazad (19), Visser, Kier, Bieneck (6), Podnieks, Albrecht (2), Halouski (19), Pierson (4), Freeman (2).

Schlagworte in diesem Artikel

  • Basketball
  • RSV Lahn-Dill
  • Rittal GmbH und Co. KG
  • Rittal-Arena Wetzlar
  • Rollstuhlbasketball
  • Wolfgang Gärtner
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen