08. Oktober 2021, 23:04 Uhr

Rasantes »Dschang«-Team

08. Oktober 2021, 23:04 Uhr
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Von Wolfgang Gärtner
Eine Szene aus alten Zeiten: Dennis Curran (vorn) vom MTV 1846 Gießen und Dietrich Keller im Finalrückspiel um die deutsche Meisterschaft 1974/75 in Heidelberg. ARCHIVFOTO

Die erfolgreichsten Zeiten haben die Gießener und Heidelberger Basketballer hinter sich. In den 60er- und 70er-Jahren standen sich die Bundesliga-Teams vom MTV 1846 und dem USC das eine oder andere Mal im Finale um die Meisterschaft gegenüber. Wir blicken auf die beiden Endspiele 1975 zurück.

Wenn sich heute Abend (18 Uhr) die beiden aktuellen Mannschaften der Gießen 46ers und MLP Academics Heidelberg seit langer Zeit wieder mal in der Basketball-Beletage duellieren, dürften sich unter den Zuschauern in der Sporthalle Ost einige Ehemalige beider Klubs befinden.

In der Saison 1974/1975 holte der MTV 1846 Gießen den vierten deutschen DM-Titel an die Lahn. Die damaligen Protagonisten unter Trainer Klaus »Dschang« Jungnickel, der nach 16 Jahren im MTV-Trikot seine Basketball-Schuhe an den Nagel hing und nach drei Spieltagen das Team übernahm, und Manager Heinz-Ewald Hirsch, waren Hans Heß, Michael Breitbach, Roland Peters, Robert Minor, die Brüder Ulrich und Dieter Strack, Eberhard Bauernfeind, Dieter Krausch, Jörg Bernath, Henner Weigand, Thomas Scheld und Dennis Curran. Der US-Amerikaner Curran schlug wie eine Kanone ein - im Schnitt erzielte er 27 Punkte pro Spiel. »Hansi« Heß kam auf 17,5 Punkte im Schnitt. Er erinnert sich nur zu gerne an die Zeit: »Dschang« impfte uns das Sieger-Gen wieder ein.«

Nach der Hauptrunde belegten die Gießener im Süden Rang eins. Der entscheidende Schritt zum Einzug ins Halbfinale war der 77:70-Sieg bei Bayer 04 Leverkusen. Der MTV Wolfenbüttel wartete im Halbfinale, das an Spannung nicht zu überbieten war: Dem 81:80 in Gießen mit dem Gamewinner von Curran in der Schlusssekunde folgte das 78:78 bei den Niedersachsen. Das Endspiel Gießen gegen Heidelberg war perfekt

Der USC Heidelberg war für den MTV 1846 Ende der 60er- und der 70er-Jahre ein ständiger Kontrahent im Kampf um die nationalen Titel deutsche Meisterschaft und Pokal. 1972/73 gelang den Neckarstädtern unter Trainer Dick Stewart der achte DM-Titelgewinn. Eine Saison später begegneten sich die Rivalen im Finale mit Hin- und Rückspiel mal wieder. Bei den Heidelbergern war Center Dietrich Keller der Star. Der 2,09 m große Brettspieler harmonierte vor allem mit Hans Riefling - ein unwiderstehliches Duo, das auch auf höchstem Niveau in der Nationalmannschaft agierte. Zum Aufgebot von Trainer Hans Leciejewski, der zum Jahresende 1974 nach Unstimmigkeiten den Posten von Stewart übernahm, zählten u. a. zudem Rolf Bläsius, Hans-Peter Kaltschmitt, Wolfgang Lachenauer, Malek Abdul Mansour, Rainer Masgai und , Harald Rupp.

Am 1. März 1975 stand in der pickepacke vollen Gießener Osthalle das Hinspiel auf dem Programm. Das gesamte Spielfeld war umringt von sitzenden Fans - und sogar die Treppen hielten notgedrungen des riesigen Andrangs als Sitzplätze her. 4000 Zuschauer sorgten für einen Höllenlärm und peitschten ihren »M - T - Vau« nach vorne. Zur Halbzeit führte das Team um Kapitän »Bony« Breitbach mit 44:33. Vor allem dem gnadenlosen Tempospiel hatten die Heidelberger nichts entgegenzusetzen. Auch im zweiten Durchgang - damals wurde noch zweimal 20 Minuten gespielt, zudem gab es noch keine Dreier - hielt die hohe Intensität der Männerturner an. Curran spielte groß auf und kam beim 84:69-Vorlegen in Spiel eins schließlich auf 28 Zähler, zweistellig punkteten außerdem Dieter Strack (11), Peters und Heß (beide jeweils 10). Bei den Gästen trafen Keller (24) und Riefling am besten (14), Eine Woche später fiel in der ausverkauften Halle (2000) im Heidelberger Leistungszentrum die Entscheidung um die deutsche Basketball-Meisterschaft 1975. Der Gastgeber musste einen 15-Punkte-Rückstand aufholen. Für besondere Spannung war gesorgt. Und der USC führte bereits nach zehn Minuten mit 20:8. Das junge Gießener Team wirkte gelähmt, die Heidelberger spielten indes wie entfesselt auf. Zehn Punkte hatten die Neckarstädter beim 36:26 aufgeholt. Die zweiten 20 Minuten waren nichts für schwache Nerven. Mal stand der USC als Meister fest, mal der MTV. Erst als sieben Sekunden vor Schluss »Henner« Weigand einen unkontrollierten Ball erwischte und dieser zu Curran gelangte, der zum 56:67 aus Sicht der Gäste aus Hessen abschloss, war der vierte deutsche Meistertitel für den MTV 1846 Gießen perfekt. Diesmal war Heß mit 16 Punkten Topscorer der Gießener, gefolgt von Minor (13). Bei den niedergeschlagenenen Heidelbergern war Keller mit 25 Zählern bester Scorer. WOLFGANG GÄRTNER



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