24. Mai 2021, 22:43 Uhr

Gießen 46ers

Nach Wildcard für 46ers: Kritik unter den Jubelarien

Dank einer Wildcard können die Gießen 46ers ein weiteres Jahr in der Basketball-Bundesliga bleiben. Im Netz wird die Vergabe kontrovers diskutiert. Fans beider Lager und Spieler melden sich zu Wort.
24. Mai 2021, 22:43 Uhr
Mehr als treue Fans haben die Gießen 46ers, wie unser Foto vor der Corona-Pandemie zeigt. Doch trotz der Wildcard sehen die Anhänger des Bundesligisten auch Gründe für Beanstandungen. ARCHIVFOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers


Es ist die dritte Wildcard für die Gießen 46ers nach 2009 und 2012 in der Basketball-Bundesliga. Zur Erinnerung: Das Team aus Hessen hatte am Freitag im Bewerbungsverfahren Rasta Vechta ausgestochen, beide Klubs waren sportlich abgestiegen. Wie die BBL am Freitag mitgeteilt hatte, schloss sich die Gesellschafterversammlung dem Votum der Bundesliga-Vereine an und erteilte Gießen den Zuschlag.

Schon die reine Quantität sorgt für Gesprächsstoff. Doch auch die Sondersituation durch die Corona-Saison bestimmt die Kommentarzeilen. Auf der Facebook-Seite der BBL schreibt Michael K.: »Ich hätte nach dieser aufgrund von Covid-19 für viele Teams ungerechten Saison den Abstieg ausgesetzt... Mangelnde Vorbereitung aufgrund von Quarantäne, elf Pflichtspiele in zwanzig Tagen und, und...«

Bei der Abstimmung hatte Gießen mit 10:5 den Zuschlag bekommen. Ein Hauptgrund sei die sportlich bessere Platzierung gegenüber Vechta gewesen. Entsprechende Worte schlägt Matthias R. an selber Stelle an: »Herzlichen Glückwunsch an die Gießen 46ers. Da hat sich das Aufbäumen in den letzten Spielen gegen den Abstieg doch noch gelohnt.«

Chrissi N. argumentiert auf der Seite von Rasta Vechta, es sei besser, sportlich abzusteigen als sich in die Liga einzukaufen - dabei vergessend, dass es die Niedersachsen letztlich selbst versucht hatten. Wenig Gießener Gegenliebe gab es auch aus Weißenfels. Bereits 2004 wären die 46ers sportlich abstiegen, durften damals aber (ohne Wildcard) die Liga halten, weil dem MBC nachträglich die Lizenz entzogen wurde. Die Wölfe hatten sich beim Spieleretat übernommen und waren danach bis in die Regionalliga abgestürzt.

Das damalige Verfahren ging unter dem Schlagwort »Lex Gießen« in die Geschichte ein. Nutzer »MBC-Jerry« im Basketball-Forum Schönen Dunk schreibt: »Man sollte sich jetzt aber langsam von (...) Gießen 46ers in Wildcard Gießen 46ers umbenennen.« User alansmithee hätte lieber gar keine Wildcard gesehen: »Was soll das? Warum will man um jeden Preis diese Leiche am Leben erhalten? Es gibt schon einen Grund, warum man am Ende unten gelandet ist. Und es lag nicht an Corona o.ä.«

Insgesamt positiv und optimistisch fielen die Kommentare auf den Social-Media-Kanälen der 46ers selbst aus. Doch auch hier mischten sich kritische Töne unter die Jubelarien: »Ich freue mich zwar sehr, weil ich denke, dass Gießen in die 1. Liga gehört, finde es aber einigermaßen bedenklich, dass man sich die Erlaubnis dafür einfach so kaufen kann, so dass der sportliche Wettbewerb in dieser Saison eigentlich obsolet war«, beklagt Sascha V.

Fans anderer Ligen und Sportarten, aber auch Sportromantiker fühlen sich nicht zu Unrecht befremdet durch das Konzept. Gerade durch die unklare Lage in der kommenden Saison dominiert aber der Eindruck, Gießen habe den richtigen Schachzug gewählt. Schon als die Liga den Preis von 700 000 Euro auf zweimal 350 000 Euro in zwei Jahren staffelte, schrieb Schönen-Dunk-Nutzer Tor-T: »Drin bleiben ist deutlich leichter als wieder aufzusteigen, siehe Trier, Bremerhaven, Tübingen, Rostock und wie sie nicht alle heißen…« Hinzu kommt die Frage, wie sich das Zuschauerinteresse nach der Pandemie entwickelt.

Doch auch Spieler äußerten sich auf die eine oder andere Weise in den verschiedenen Kanälen. Ferdinand Zylka postete die frohe Kunde auf seiner Instagram-Seite, noch kurz bevor die 46ers selbst damit an die Öffentlichkeit gingen. Benjamin Lischka kommentierte die Vergabe ebenfalls auf Instagram mit einem Herz. Der gebürtige Gießener stand zuletzt in Bonn unter Vertrag. Am Rande des Playoff-Spiels Ludwigsburg gegen Bamberg wurde Bastian Doreth zu seiner Meinung befragt. Der Nationalspieler antwortete auf seine bekannt offene Art, er hätte lieber Vechta weiter in der Liga gesehen.

Versöhnliche Wort findet Erich im Basketball Forum »Lees Corner«: »Warum Gießen das macht, ist für mich auch nicht wichtig, denn ich find’s einfach erfreulich, wenn so ein Urgestein weiter in der Liga verbleibt. Nennt es Nostalgie oder was weiß ich was, es ist halt so.«

»Perfekt. Jetzt muss man in der nächsten Saison nur noch in die Halle dürfen«, verlautbart Thorsten H. auf der 46ers-Facebook-Seite - ein passendes Schlusswort - über alle Vereinsgrenzen hinaus.

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