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Löhe: »Es ist ein Ruck durch’s Team gegangen«

Drei Siegen aus vier Spielen! Der FC Gießen steht vor dem Sonntagsspiel in Pirmasens auf einem Nichtabstiegsplatz. Torhüter Frederic Löhe erklärt im Interview, woran das liegt.
23. Januar 2021, 06:00 Uhr
Sven Nordmann
SSV Ulm 1846 vs. FC Giessen, Regionalliga Suedwest, Fussball, Herren, 20.01.2021
Jubelt nach dem Sieg in Ulm und kann sein mitgebrachtes Kölsch anschließend in der Kabine verteilen: Torhüter Frederic Löhe. (Eibner)

Der 32-jährige erfahrene Schlussmann des FC Gießen, Frederic Löhe, bringt die Gründe für den Aufschwung des heimischen Fußball-Regionalligisten im Interview auf den Punkt: »Als Mannschaft kannst du so viel bewirken. Das verstehen langsam alle.«

Herr Löhe, Sie sind mit der Mannschaft nach einer Übernachtung im Hotel am Freitag aus Ulm zurückgekommen - wie haben Sie den 3:2-Sieg beim SSV Ulm und die Stunden danach erlebt?

Ich hatte es vorher im Gefühl, dass wir dort was holen und hatte auf Verdacht mal zwei Kisten Kölsch mitgenommen - damit die Jungs auch mal leckeres Bier bekommen. Zum Glück hat sich mein Gefühl bewahrheitet und ich konnte die Kisten nach dem Spiel mit in die Kabine nehmen. Da konnte jeder ein, zwei Bierchen trinken, wir haben im Hotel übernachtet, alles hat gepasst.

Was hat Sie zu Ihrem guten Gefühl vor dem Auswärtsspiel in Ulm veranlasst?

Klar, in Ulm muss man nicht zwingend damit rechnen - aber wir haben eine aufsteigende Form. Ich selbst bin auch ganz gut drauf. Und man muss einfach sagen, dass Micha Fink uns unfassbar gut tut. Er ist einer der nettesten Menschen, die ich bislang kennengelernt habe. Wenn er von seinen Spielen im Old Trafford erzählt, hören die jungen Spieler aufmerksam zu. Er hat eine Ausstrahlung. Auch seine erste Halbzeit in Ulm war nicht gut - aber er ist auf dem Platz, gibt Stabilität. Und wir haben es zuletzt geschafft, die dummen Fehler abzustellen.

Michael Fink wird Anfang Februar 39 Jahre alt. Sind Sie überrascht, dass er in Liga vier noch so gut mitwirkt?

Er hat brutale Qualität und ist fit, Chapeau. Er läuft nicht nur viel, sondern bringt auch Ruhe rein. Das hilft. Spieler, die sonst vielleicht zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind, können das ein bisschen auf ihn abwälzen und freier aufspielen.

Also haben sich die Verpflichtungen der Routiniers Michael Fink und Gino Parson, 41 Jahre alt, bislang bezahlt gemacht?

Auf jeden Fall. Gino kannte ich vorher nicht - aber man muss sagen, dass er ein lustiger und cooler Typ mit einer klasse Einstellung ist. Wie er von draußen gepusht hat, wie die Einwechselspieler uns angefeuert haben, das war beeindruckend. Ich habe das schon damals in meiner Zeit bei Alemannia Aachen gespürt: Als Mannschaft kannst du so viel bewirken. Wir hatten in Ulm abseits des Platzes von der Lautstärke her die Oberhand.

Erstmals wirklich auffällig wurde diese Veränderung beim Derby-Sieg gegen den TSV Steinbach Haiger, bei dem sich jeder FC-Spieler auf dem Platz gegenseitig lautstark anfeuerte. Ist in der Kurz-Winterpause ein Ruck durch die Mannschaft gegangen?

Wir haben uns als Mannschaft gefunden. Es werden auch Spiele kommen, in denen es nicht so läuft. Aber wenn du auf einer Welle bist, trotzt du den Widerständen und holst dir die Punkte. Ja, es ist ein Ruck durch’s Team gegangen.

Die aktuell vorherrschende Moral und Stimmung dürfte elementar für den langen Weg zum Klassenerhalt in der Regionalliga Südwest sein, oder?

Absolut. Wir müssen uns nur unsere erste Halbzeit in Ulm anschauen. Die war schlecht. Aber das muss man reflektieren und weitermachen. In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel gedreht. Es werden bei so vielen Partien auch Spiele kommen, die wir vielleicht mal verdient 0:2 oder unglücklich 0:1 verlieren. Daraus müssen wir Schlüsse ziehen und direkt versuchen, dagegenzuwirken. Der Trainer (Daniyel Cimen, Anm. d. Red.) hat recht, er hat das auch in der Halbzeitpause in Ulm gesagt: Wir dürfen verlieren, aber müssen uns nach dem Spiel immer sagen können: Wir haben alles versucht und gegeben. Das ist unser Job.

Am Sonntag in Pirmasens und am Folge-Wochenende in Kassel warten zwei Gegner, die derzeit genauso viele Zähler auf dem Konto haben wie der FC Gießen.

Das ist gut. Wir sind auf Augenhöhe - bei beiden ist es schwierig, das sind eklige Truppen. Das müssen wir annehmen.

Die Regionalliga Südwest scheint sehr ausgeglichen zu sein.

Man sieht es daran, dass der TSV Steinbach Haiger als Tabellenführer zuletzt durchaus glücklich beim Letzten aus Stadtallendorf gewonnen hat. Es wird oben spannend bleiben und unten aufgrund der Vielzahl an Absteigern sowieso. Es gibt dieses Jahr keine Ausnahmemannschaft wie den 1. FC Saarbrücken zuletzt. Es ist ganz, ganz eng. Jedes Spiel fängt bei null an. In Ulm habe ich nach zehn Sekunden der zweiten Hälfte gemerkt: Hier geht was. So muss es in jedem Spiel sein.

Abschließend: Die Basis für Erfolg in der Zukunft ist...

...dass wir jedes Spiel annehmen und versuchen, alles herauszuholen.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/sport/lokalsport-gaz/loehe-es-ist-ein-ruck-durch-s-team-gegangen;art1434,721153

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