07. Juli 2021, 06:02 Uhr

Wendelin Häusler

Lasagne und ein läschen Rotwein

Er läuft und läuft und läuft. Wendelin Häuslers Liebe zum Langstreckenlaufen ist ungebrochen. Die mittelhessische Lauf-Ikone feiert am 7. Juli ihren 75. Geburtstag.
07. Juli 2021, 06:02 Uhr
Die Laufikone Wendelin Häusler feiert heute seinen 75. ARCHIV

Eine große Party ist zum 75. Geburtstag nicht geplant. Wendelin Häusler will kein Risiko eingehen. »Ich bin noch nicht zum zweiten Mal geimpft - das ist mir zu gefährlich«, erklärt der langjährige Vorsitzende der LGV Marathon Gießen (mittlerweile Ehrenvorsitzender), dass Corona ihm einen Strich durch mögliche Feierlichkeiten gemacht hat. Das Telefon wird aber heute im Hause Häusler in Annerod nicht stillstehen. Wie der Jubilar selbst. Denn seinen Lauf auf seiner Hausstrecke wird sich der mittelhessische Spezialist auch an diesem für ihn ganz besonderen Ehrentag nicht nehmen lassen.

Wie sind Sie überhaupt zum Laufen gekommen?

Durch einen Arbeitskollegen, mit dem ich damals auf einer Baustelle in Gießen in der Diezstraße zusammen gearbeitet habe. Mit ihm bin ich von dort aus dann zum ersten Mal in den Philosophenwald gelaufen. Damals war ich 22 Jahre alt.

Was fasziniert Sie am Laufen so, dass Sie das heute noch tun?

Es hat mir immer viel Spaß gemacht und bereitet mir immer noch viel Spaß. Das Laufen hat mir immer gutgetan. Wenn ich durch den Wald gelaufen bin, konnte ich abschalten. Danach war ich ein anderer Mensch und konnte viele Sachen einfacher wegstecken. Damals haben wir dann die Laufstrecken immer weiter ausgedehnt. Es folgten die ersten »Zehner«, der Halbmarathon, Marathon, Bergläufe oder 100-Kilometer-Läufe. Ich schloss mich später dann der LGV Marathon Gießen an, bei der ich mehrere Jahre den Vorsitz hatte.

Gibt es für Sie eine Lieblingsdistanz?

Ich bin alle Strecken gerne gelaufen (lacht). Aber das Highlight war immer der 100-km-Lauf in Biel. Bei meinem letzten - dem fünften - bin ich 8:08 Stunden gelaufen, gleichzeitig meine Bestzeit.

Wie ging es Ihnen, nachdem Sie das erste Mal diese gigantische Strecke in den Beinen hatten?

Nach dem ersten Mal fiel mir alles sehr schwer. Da bin ich die Treppen anstatt vorwärts rückwärts hinuntergegangen. Die Beanspruchung war enorm, das war ich einfach nicht gewöhnt. Im Jahr darauf hatte ich mich noch intensiver darauf vorbereitet, die Trainingskilometer erhöht, 160 Kilometer die Woche standen da für mich an. Dann ging es mit der Regeneration sehr viel schneller. Wir hatten ein tolle Truppe zusammen mit Ernst Wodli, der alles organisierte.

Haben Sie sich vor den Läufen speziell ernährt?

Eine Zeit lang hat mir meine Lebensgefährtin am Abend zuvor Lasagne gemacht. Dazu habe ich ein Gläschen Rotwein getrunken. Das war es dann.

Wie war Ihr erster Marathon?

Den ersten bin ich in Mannheim gelaufen - der hieß Rote-Kreuz-Marathon. Da bin ich weit über drei Stunden gelaufen. Der hat mich so gestresst, dass ich zu mir gesagt habe, Marathon laufe ich nicht mehr. Das geht vielen Läufern so. Aber ein paar Tage später war das vergessen - und es folgten noch einige. 2:33 Stunden war meine Bestzeit.

Wie oft laufen Sie aktuell?

Zurzeit laufe ich in der Woche dreimal. Strecken von zwö lf bis 18 Kilometer. Halt, wie ich so drauf bin.

Stecken Sie das körperlich alles noch locker weg?

Vor zwei Jahren habe ich eine n Herzschrittmacher bekommen, weil ich mit dem Herzen Probleme hatte und mein Puls so hoch war. Zwischendrin bin ich auch das eine oder andere Mal gestürzt. Seitdem ich den Schrittmacher habe, ist da nichts mehr passiert.

Gab es für Sie größere Verletzungen?

Massive Probleme hatte ich mit der Achillessehne. Die längste Wettkampfpause, die ich d adurch hatte, waren acht Monate. 1986 hatte ich zudem einen schweren Arbeitsunfall (Häusler arbeitete als Elektroinstallateur). Da konnte ich eine lange Zeit überhaupt nicht laufen. Ich bin mit einem Aufzug abgestürzt. Die Gefahr war groß, dass ich meinen linken Arm verliere. Ich hatte aber Glück - durch den Sport war ich ganz anders belastbar. Als ich dann nach einem Jahr wieder anfing, zu laufen, habe ich einen Kapuzenpulli mit einem Durchgriff angezogen, sodass ich mit der rechten Hand die linke Hand festhalten konnte. Der Sport hat mich hart gemacht, da kann man schon verschiedene Sachen wegstecken.

Sie haben so viele Kilometer in Ihren Beinen. Welche Tipps können Sie geben ?

Die meisten Leute laufen viel zu schnell. Das macht sich ger ade im Wettkampf bemerkbar: Es wird wie verrückt losgelaufen - und bis Kilometer sieben geht es gut. Aber wenn die Strecken länger sind, kommt dann der Einbruch. Beim Marathon ist das Beste, wenn man bei Kilometer 38 ist und denkt, was, ich bin schon bei Kilometer 38 (lacht).

Welches sportliche Ziel haben Sie noch vor Augen? Sie starten noch in den Altersklassen.

Die ganze Zeit sind ja keine Wettkämpfe gewesen - und der Herzschrittmacher hat mich schon ein bisschen langsamer gemacht. Mein Ziel ist es, wieder zu starten, um zu testen, wie es geht. Und wenn das zu meiner Zufriedenheit abläuft, mache ich weiter. Wenn nicht, laufe ich nur noch für mich.

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