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Kreisjugendfußballwart Klaus-Jürgen Schretzlmaier macht sich Sorgen

Noch immer geht nichts für Kinder und Jugendliche. Das gilt auch für den Fußball. Gießens Kreisjugendfußballwart Klaus-Jürgen Schretzlmaier, der am Dienstag 65 Jahre alt wird, äußert sich dazu.
02. März 2021, 12:00 Uhr
Michael Schüssler
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So war es vor Corona: Die Futsal-Endrunde des Nachwuchses in Wieseck im Februar 2017. Der damalige Klassenleiter Klaus-Jürgen Schretzlmaier (weißes Hemd und Mikro) bei der Preisverleihung der E-Junioren. Der 2020 zum Kreisjugendfußballwart gewählte Schretzlmaier hofft, dass der Nachwuchs bald wieder im Freien trainieren darf. ARCHIVFOTO: FRIEDRICH

Mitte Februar 2020 wurde Klaus-Jürgen Schretzl-maier zum neuen Kreisjugendfußballwart im Fußballkreis Gießen gewählt. Seit einem Jahr ist er nun der oberste Chef im heimischen Nachwuchsbereich, doch dem seit heute 65-Jährigen sind aufgrund der Corona-Pandemie die Hände gebunden. Nur kurzzeitig durften Kinder und Jugendliche einem geregelten Trainings- und Spielbetrieb nachgehen, ehe der erneute Lockdown wieder für Stillstand sorgte. Licht am Ende des Tunnels ist aktuell kaum wahrzunehmen - wir haben mit Klaus-Jürgen Schretzlmaier gesprochen.

Herr Schretzlmaier, seit Ende Oktober 2020 ist der Spielbetrieb im Juniorenfußball wieder ausgesetzt. Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie von der erneuten Zwangspause erfahren haben - und wie haben Ihre Kollegen, beispielsweise im Fußballkreis Alsfeld, Wetzlar und Marburg, reagiert?

Mein erster Gedanke war, hoffentlich dauert es nicht zu lange mit der Unterbrechung. Im letzten Jahr hätten wir zwar sowieso nur noch vier Wochen gespielt, aber immerhin wären die Kinder und Jugendlichen in der Zeit sportlich aktiv gewesen. Da die Hallenrunde auf gar keinen Fall gespielt werden konnte, war eine dreimonatige Spielpause eingeplant gewesen. Allerdings hätte man zum jetzigen Zeitpunkt wieder mit dem Training beginnen können, da das Wetter ja entsprechend ist. Glücklicherweise haben wir in der Region so geplant, dass die neuerliche Unterbrechung befürchtet worden war und somit kleine Meisterschaftsgruppen eingeteilt wurden. Somit ist im Jugendbereich noch nicht endgültig geklärt, ob die Saison annulliert werden muss.

Nun richtet sich der Blick des Sports auf die kommenden Tage, wenn die Entscheidungsträger der Politik wieder tagen. Was erhoffen Sie sich von diesem virtuellen Meeting?

Leider hat die Politik nicht die Entscheidung getroffen, die ich mir erhofft hatte. Zumindest Training in Gruppen von fünf oder zehn Spielern hatte ich erwartet. Aber leider schätzt die Politik das Infektionsrisiko als zu hoch ein. Nachvollziehen kann ich dies eigentlich nicht, wenn die Kinder stundenlang in der Schule, zwar mit Maske, nebeneinander sitzen und dann nicht auf den Sportplatz dürfen, wo doch erwiesenermaßen das Infektionsrisiko im Freien gegen null geht - im Gegensatz zum Transport in vollen Bussen in die Schule. Ich bin auf gar keinen Fall gegen Präsenzunterricht, dieser ist für die Kinder meines Erachtens sehr wichtig, aber auch die sportliche Betätigung sollte nicht aus den Augen verloren werden.

Sollte der Trainingsbetrieb im Jugend-Bereich wiederaufgenommen werden dürfen - wie könnte der Ihrer Meinung nach überhaupt nach der langen Pause aussehen?

Sollte Ende März, Anfang April wieder normales Training in Mannschaftsstärke erlaubt sein, so müsste drei bis vier Wochen intensives Training stattfinden, bevor an Spielbetrieb in der Meisterschaft gedacht werden kann.

Angesichts der Unterbrechung ist es allerdings kaum mehr möglich, die normale Saison mit Vor- und Rückrunde auch bei den Junioren zu absolvieren. Welche Pläne gibt es seitens des Hessischen Fußball-Verbandes - was ist Ihrer Meinung nach überhaupt realistisch, sofern wieder gespielt werden dürfte?

Hier sind wir im Kreis abhängig von den übergeordneten Klassen. Sollten diese auch in der Lage sein, von Anfang Mai bis Mitte Juni ihre Klassen in einfacher Runde - sprich Beendigung der Vorrunde - abzuschließen, so könnte die Meisterschaft gewertet werden, mit der Folge, dass Meister eventuell aufsteigen können. Dies hoffe ich, da bereits in der letzten Saison einige Mannschaften nach der Quotientenregelung nur knapp gescheitert waren und nun bei Annullierung der Saison wiederum mit leeren Händen dastehen. Diese Jugendlichen haben dann keine Chance mehr, ihren eigentlich verdienten Lohn mit Meisterschaft und Aufstieg zu feiern, da sie altersbedingt diese Gruppe verlassen müssen.

In der Vorsaison wurde der Abstieg ausgesetzt, ist dies für die aktuelle Spielzeit erneut ein Modell für den Jugendfußball?

In der Verbandsjugendausschusssitzung wurde beschlossen, dass es keine Aussetzung des Abstieges mehr geben wird - außer, wenn die Saison annulliert wird. Dann wird die Saison 2021/22 mit der Klasseneinteilung starten wie in der jetzigen Saison. Eine erneute Regelung - nur mit Aufsteiger - würde die höheren Klassen weiter aufblähen und die Kreise weiter ausbluten lassen

Die Sport-Verbände in Deutschland mahnen bereits seit Monaten, dass die Zwangspause vor allem im Nachwuchsbereich großen Schaden anrichten könnte. Der DFB samt seinen Landesverbänden appelliert ebenso an die Politik, die Plätze für Kinder und Jugendliche schnellstmöglich wieder zu öffnen. Wie schätzen Sie dies für den Jugendfußball ein?

Natürlich wird es durch die Zwangspause für die Vereine nicht leichter, Kinder und Jugendliche für den Fußballsport zu gewinnen beziehungsweise überhaupt bei der Stange zu halten. Auch ohne diese Corona-Pandemie haben wir von Jahr zu Jahr in einigen Kreisen teils erhebliche Verluste an Mannschaften zu beklagen. Noch sind wir im Kreis Gießen mit einem blauen Auge davongekommen. Ich weiß nicht, wie es jedem Einzelnen geht, wenn der Sport wieder anfangen kann. Aber mir selbst fällt es auch immer schwerer, mich zu motivieren und sportlich aktiv zu werden. Gerade Kinder brauchen noch mehr die Kontakte mit Gleichaltrigen als wir Erwachsenen. Sowohl für ihr psychisches wie physisches Wohl ist Sport eigentlich unerlässlich. Auch ist es nicht zu unterschätzen, dass durch diese Pausen die fußballerische Entwicklung nicht nur stagniert, sondern wohl auch teilweise abhanden kommt. Erwiesenermaßen kann dies nicht kompensiert werden, wenn der Fußball wieder startet. Dies wird sich dann bis ins Alter durchziehen. Selbstverständlich steht die Gesundheit der Kinder an erster Stelle und ich hoffe, dass die Politik hier auch entsprechend reagieren wird, wenn das Infektionsgeschehen es zulässt. FOTO: FRO

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