22. März 2021, 06:15 Uhr

Gießen 46ers

Kollektives Kopfschütteln über Gießen 46ers

Nächste Niederlage für die Gießen 46ers: Der Tabellenletzte der Basketball-Bundesliga unterliegt 73:74 (47:35) gegen schwache Würzburger.Für kollektives Kopfschütteln sorgt die letzte Minute.
22. März 2021, 06:15 Uhr
Avatar_neutral
Von Sebastian Kilsbach
Rat- und fassunglos: John Bryant, Brandon Thomas und die Gießen 46ers haben trotz zeitweiliger 15-Punkte-Führung das Bundesliga-Heimspiel gegen s’Oliver Würzburg mit 73:74 in den Sand gesetzt. FOTO: FRIEDRICH

Egal, wohin man in der kaum besetzten Osthalle nach Spielende blickte: Wirklich begreifen konnten weder Team-Mitarbeiter, Verantwortliche noch zugelassene Journalisten, was vor allem die beiden US-Guards der Gießen 46ers in den letzten beiden Angriffen fabrizierten. Ein fast unfreiwillig komisches Schauspiel bei der schlussendlich mehr als demoralisierenden 73:74 (47:35)-Niederlage.

Nachdem Würzburgs Florian Koch auf 72:73 verkürzt hatte, waren noch 49 Sekunden auf der Uhr. Alles wartete auf einen schnellen Abschluss, damit die Gäste die Zeit nicht runterspielen können und Gießen noch einen weiteren Korbversuch bekommen würde. Stattdessen verzögerte Jonathan Stark das Spiel, ging erst nach zwölf Angriffssekunden in ein Play, dribbelte sich fest und verlor den Ball in Slapstick-Manier. In der Rückwärtsbewegung fielen die 46ers in einen tödlichen Sekundenschlaf. Murpyh Holloway konnte unbedrängt nach tiefem Zuspiel durch Koch zur Würzburger Führung ablegen. Irreal.

Warum überhaupt Stark und nicht Spielmacher Diante Garrett den Ball führte, schien unklar. Nach einer Gießener Auszeit - jetzt waren immerhin noch etwas mehr als 24 (!) Sekunden zu spielen, eine Ewigkeit im Basketball - übernahm der 90-fache NBA-Spieler schließlich Verantwortung. Doch auch Garrett war nach »Hero Ball« zumute. Im Mismatch gegen den größeren Power Forward Perry Jones ging der US-Amerikaner nicht zum Korb, sondern nahm einen schweren Wurf mit der Sirene, der deutlich daneben ging.

Während auf der Tribüne Kopfschütteln angesagt war, verließ Brandon Bowman noch vor dem Team-Huddle in schnellen Schritten wütend die Halle. Der Forward hatte als einer von wenigen mit seinem Einsatz mit dafür gesorgt, dass seine Farben im Schlussviertel einen offenen Kampf lieferten.

Gießen bleibt damit im Tabellenkeller und hat nur noch rechnerische Möglichkeiten auf den Klassenerhalt. »Insgesamt haben wir aber ein Spiel zweier Mannschaften gesehen, die durchaus zu Recht da stehen, wo sie stehen, denn richtig gut war das nicht«, bekannte Würzburgs Coach Denis Wucherer nach der Partie. Dass Gießen gegen ersatzgeschwächte Franken überhaupt so in die Bredouille kam, lag dabei erneut am dritten Viertel.

Angeführt von Brandon Thomas, der 16 seiner 18 Punkte in der ersten Hälfte erzielte, führten die Hausherren 18:4, 28:16 -, zur Pause schließlich 47:35 (!). Läuft es offensiv, wirken auch Körpersprache und Teamchemie positiver. Gegenseitig puschen sich die Spieler, in der Verteidigung wird mehr rotiert, es ist Feuer im Kessel.

»Wir sind alle enttäuscht, haben in der ersten Halbzeit viel investiert und einen guten Druck in der Verteidigung ausgeübt und uns endlich mal wieder leichte Körbe erarbeitet«, erklärt Rolf Scholz. Auch die Würzburger Druckerhöhung nach dem Seitenwechsel sei zu erwarten gewesen, man habe aber »keine passenden Antworten« darauf gefunden, so der Headcoach weiter.

Tatsächlich knickt das Team im Stile einer Schönwettermannschaft bei der kleinsten Gegenwehr immer wieder ein wie ein Strohhalm. Es ist kein Wunder, dass die Mittelhessen bereits unfassbare 19 mal in dieser Spielzeit das dritte Quarter verpatzten. Statt kommuniziert wird gemeckert, egal ob mit den Schiedsrichtern oder den Mitspielern. Isaac Hamilton haderte mit einer Entscheidung der Unparteiischen derart, dass er ein technisches Foul kassierte. Da er im ersten Durchgang bereits ein unsportliches Foul begangen hatte, musste der US-Guard die Halle verlassen. Für den dünnen Kader war das eine weitere Schwächung. Auch Alen Pjanic, der am Freitag umgeknickt war und geschont wurde, stand neben Chad Brown nicht zur Verfügung.

Erst in der 27. Minute erzielte Bjarne Kraushaar an der Linie den ersten Zähler des Viertels. Vorausgegangen war ein 11:0-Lauf der Gäste. Dass Gießen sich danach wieder konsolidierte, sogar um den Sieg mitspielte, ist eine der wenigen positiven Aussagen, die sich nach der 20. Saisonniederlage treffen lassen. Statt eines Happy Ends gab es aber eine der kuriosesten, makaber- und vernichtendsten Schlussminuten der jüngeren mittelhessischen Basketballgeschichte.

Diese auf Profiniveau fortzuschreiben, ist jetzt das Ziel des Bundesligagründungsmitglieds. Statt auf einen wundersamen Turnaround zu hoffen, gilt es ein Konzept für die Zukunft zu skizzieren. Aller Voraussicht nach in der Pro A.

Gießen: Stark (9), Hamilton (3), Kraushaar (1), Uhlemann, Garrett (6), Bowman (15), Zylka (5), James JR (8), Thomas (18, 5 Rebounds, 6 Assists), Bryant (8, 9 Rebounds).

Würzburg: Jones III (5), Ward (13), Böhmer, Obiesie (7), Haßfurther, Albus, Koch (13), Hunt (18), Ndi, Weitzel, Holloway (12, 7 Rebounds), King (6).



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos