08. April 2021, 22:22 Uhr

Rudern

Italien ist für Weber erste Station auf Weg nach Tokio

Marc Weber vom RC Hassia Gießen startet am Wochenende bei der Ruder-EM in Varese. Es ist der erste große Leistungstest auf dem Weg zu den Olympischen Spielen.
08. April 2021, 22:22 Uhr
Marc Weber hat gute Chancen auf die Olympia-Teilnahme. Am Wochenende startet der Gießener mit Stephan Krüger im Doppelzweier bei der EM in Varese. ARCHIVFOTO: FRANK BECK FOTOGRAFIE

Ostersonntag, 11 Uhr: Marc Weber, Ruderer vom RC Hassia Gießen, ist zu einem Zwischenstop in Gießen angekommen. In der Nacht zuvor ist er vom Ruderleistungszentrum Ratzeburg angereist. Weber greift seinen gelben Einer und geht zur Lahn. »Ich muss noch eine Einheit im Einer auf dem Wasser machen«, sagt Weber zu den wenigen anwesenden Ruderern seines Heimatvereins. Am Dienstag ging es weiter nach Breisach und von dort mit dem Auto zur Europameisterschaft nach Varese in der Lombardei - nicht mit dem Flieger, um das Infektionsrisiko in der Corona-Pandemie zu reduzieren. Es folgten Corona-Schnelltest in Italien, und heute geht es dann auf die Regattastrecke zum Einrudern, die Finals auf dem Lago die Varese starten am Sonntag.

Seit Oktober letzten Jahres befindet sich Weber im Bundesstützpunk der Nationalmannschaft und muss sich regelmäßigen Leistungsüberprüfungen im Team von neun Skullern unterziehen. Dabei pendelt der Neu-Gießener zwischen den Standorten Gießen und Ratzeburg. Mittlerweile ist klar, dass Weber zusammen mit seinem erfahrenen Teamkollegen Stephan Krüger (Frankfurter RG Germania) im Doppelzweier auf Platz eins zur Nominierung für Olympia in Tokio steht.

Während der Gießener Skuller als jüngeres Kadermitglied in der Nationalmannschaft des Deutschen Ruderverbands auf Erfolge im U23-Bereich zurückblicken kann (Im Einer 2018 Vizeweltmeister, 2019 Gold), ist Krüger seit vielen Jahren auf internationaler Ebene etabliert. Seine Karriere weist viele beeindruckenden Stationen auf. Bereits im Jahr 2008 saß er im Doppelvierer bei den Olympischen Spielen, bei Olympia 2012 und 2016 jeweils im Doppelzweier. »Es fehlt noch die Medaille bei den Olympischen Spielen für Stephan, und das wäre natürlich eine Riesensache, wenn wir das schaffen würden«, sagt Weber über seinen Teamkollegen.

Weber bleibt zurückhaltend, was die Chancen beim ersten großen Leistungstest in Varese gegen die europäischen Konkurrenz betrifft. »Der Zweier ist immer eng und eine der meistumworbenen Bootsgattungen im Rudern«, sagt der Hassianer.

Plan über den Haufen geworfen

Der vergangene Winter verlief anders als geplant. Der »Hessen-Zweier« um Trainer Karsten Timm hat mehrere Wochen in Breisach verbracht und dort trainiert. Der ursprüngliche Plan, in Portugal das Trainingslager aufzuschlagen, wurde pandemiebedingt umgeworfen. »Durch den Kälteeinbruch im Februar konnten wir in Ratzeburg kaum aufs Wasser und mussten uns auf Krafttraining und Ergometer beschränken«, erzählt Weber. Vorangegangen war eine Tortur von bis zu 20 Trainingseinheiten pro Woche auf dem Wasser und im Kraftraum der Ruderakademie. Das Duo aus Frankfurt und Gießen ist physisch sehr fit und erreicht Top-Leistungen im Ergometervergleich im Skull-Team der Akademie.

Das große Ziel für den Neu-Gießener bleibt das Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio. Die Verschiebung der Wettkämpfe in Tokio im letzten Jahr war eine erhebliche Belastung für die Hessen, da die Selektion und Vorbereitung auf die Wettkämpfe immer wieder neu angegangen werden musste. Die allgemeinen Restriktionen empfindet Weber nicht als großen Nachteil, die Zweier-Crew hat sich bewusst für die Vorbereitung in Deutschland entschieden, um Risiken zu minimieren.

Die EM wird eine entscheidende Rolle spielen, wie es in der Saison weitergehen wird, da die gemeldete Konkurrenz einen großen Teil der Weltspitze repräsentiert. »Im Doppelzweier ist das Feld so knapp, dass die Tagesleistung über die A-Final-Teilnahme entscheiden wird«, sagt Weber, der mit Krüger im Herbst 2020 bei der EM Siebter wurde. Frankreich, Irland, Niederlande, Litauen und Polen sind einige der Top-Nationen, die als Europäer auch die Weltkonkurrenz dominieren. Ziel von Krüger/Weber bei der EM ist es, in einem Rahmen von zwei bis drei Sekunden in der europäischen Spitze mitzufahren. Dann sollte das Ticket nach Tokio in greifbarer Nähe sein.

Bis zur Olympia-Nominierung warten nach der EM noch die beiden Weltcups in Zagreb (30. April bis 2. Mai) und Luzern (15. bis 17. Mai). Auf den Hassianer Weber kommen somit in den nächsten beiden Monaten harte Wettkämpfe zu - ein komprimiertes Programm zur endgültigen Etablierung in der Weltspitze.

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