17. September 2021, 22:32 Uhr

»Ich war ein Antifußballer«

Karl-Ludwig Büttel ist mit seinen 58 Jahren noch immer für die Fußballer der SG Utphe/Trais-Horloff/Inheiden in der Gießener Kreisliga B als Torwart aktiv. Damit zählt er nicht nur mit zu den ältesten Spielern der Liga, sondern gilt in Uthpe auch als echtes Urgestein, da er nahezu sein ganzes Leben für diesen Verein aktiv war.
17. September 2021, 22:32 Uhr
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Beim Theo-Jansen-Pokal 2020 stand Karl-Ludwig Büttel (im Tor) gemeinsam mit seinem Sohn Jannis-Luca auf dem Platz. Rechtes Bild: Karl-Ludwig Büttel nach dem Spiel. FOTO: BF

Es war der 15. August, als die zweite Mannschaft der SG Utphe/Trais-Horolff/Inheiden ihr erstes Spiel der neuen Saison in der Kreisliga B Gießen, Gruppe 2, bei der FSG Lollar/Staufenberg II bestritt. Im Tor der SG stand Karl-Ludwig Büttel. Büttel, bei seinen Mannschaftskollegen nur als »KaLu« bekannt, ist damit in seine 40. Saison bei den Senioren gegangen. 38 Jahre davon kickte er für Utphe, die anderen zwei war er auf einer kurzen Stippvisite beim SV Steinheim.

Auch wenn er heute kein Stammkeeper mehr ist und eher als Aushilfe einspringt, will er die Fußballschuhe noch lange nicht an den Nagel hängen. Dabei hatte sich »KaLu« in seiner Schulzeit überhaupt nicht für den Fußball interessiert. Dass er nun nach über 50 Jahren immer noch aktiv dabei ist, hätte er damals vermutlich selbst nicht für möglich gehalten. »Ich war als Schüler ein Anti-Fußballer und habe mich für andere Dinge interessiert. Ein Freund hat mich dann aber doch mal mitgeschleppt und da stand ich dann: Ein rothaariger, hagerer Junge in Sandalen, der sich mehr schlecht als recht versucht hat. Ich fiel auch eher durchs Stehen im Abseits auf«, erzählt er lachend von seinen Anfängen.

Als sich der eigentliche Stammtorhüter jedoch eines Tages verletzte, wurde der junge Büttel kurzerhand ins Tor gestellt, da ihn sein Trainer dort wohl besser aufgehoben sah. »Ich habe mich dann nach und nach im Tor hochgearbeitet und unglaublich viel dazugelernt.« Dies sollte der Beginn einer langen Laufbahn sein.

Büttel, der sich selbst als fleißigen und bescheidenen Fußballer bezeichnet, »der sich auch nicht beschwert hat, wenn ich mal in der Zweiten spielen musste«, wurde durch eben diese Eigenschaften von seinen Mannschaftskollegen und Trainern stets geachtet und mit Einsatzzeiten bis ins heutige hohe Fußballalter belohnt.

Besonders im Gedächtnis sind Büttel dabei vor allem die fußballerischen Hochzeiten des TSV Utphe in den 80er Jahren, wie auch die Jahre, als es fußballerisch wieder bergab ging, geblieben. Und natürlich auch die »legendären Trainingslager« , bei denen das Team unter anderem die kamerunische Nationalmannschaft getroffen hat.

Büttel, der in Utphe ein echtes Urgestein ist und in Hungen zudem als Statdverordnetenvorsteher aktiv ist, fühlt sich nach wie vor topfit. »Ich würde heute noch jedes Spiel machen, aber lasse lieber den jungen Spielern den Vortritt. Wenn mich der Trainer aber fragt, bin ich sofort bereit. Ich hatte das Glück ›nur‹ einen Kreuzbandriss und die üblichen Brüche, die ein Torwart so hat, davongetragen zu haben.« Dabei kann Büttel zudem auf seinen Sohn Jannis-Luca bauen, der ebenfalls für die SG Utphe/Trais-Horloff/Inheiden aktiv ist und ihn auch immer motiviert. »Mein Ziel war es immer, irgendwann mal mit Jannis zusammen auf dem Feld zu stehen. Letztes Jahr hat es dann beim Theo-Jansen-Pokal auch tatsächlich geklappt«, erklärt er voller Stolz.

Auch wenn sich der Fußball heute von dem von früher unterscheidet, denkt Büttel nicht, dass früher im Fußball alles besser war: »Natürlich war es anders. Früher haben wir alles nach dem Fußball ausgerichtet und jedes Dorf hatte seine eigene Mannschaft. Heute gibt es ja durch die ganzen anderen Sportarten erhebliche Konkurrenz. In meinen jungen Jahren gab es nur noch die Freiwillige Feuerwehr. Auch sind die Gesprächsthemen heute ganz andere. Aber dennoch sind das alles tapfere und gute Jungs, mit denen man auch einen Riesenspaß haben kann und noch viel dazulernt.«.

Und wenn »KaLu« mal nicht in der B-Liga zwischen den Pfosten steht, hält er sich in der Alte-Herren-Mannschaft fit oder unterstützt den Trainer. Die Spielgemeinschaft und vor allem Utphe darf sich somit also noch auf viele Jahre zusammen mit Karl-Ludwig Büttel freuen.



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