17. April 2021, 11:40 Uhr

HSG Wetzlar

HSG Wetzlar: Wo Mannschaft draufsteht …

… ist auch eine Mannschaft drin. Die HSG Wetzlar beglückt weiter Fans, Trainer und die Handball-Bundesliga
17. April 2021, 11:40 Uhr
So geht das! Till Klimpke und die HSG Wetzlar haben die Negativserie gegen die Füchse Berlin beendet. FOTO: VOGLER

HSG Wetzlar


Trainer Kai Wandschneider hat mit der HSG Wetzlar in seinen zehn Bundesliga-Jahren eine weitere Serie beendet. Das 29:27 (15:10) am Donnerstagabend über die europapokalgeschlauchten Füchse Berlin (»Unsere Vorbelastung war höher als die von Wetzlar«, Füchs-Coach Jaron Siewert) war der erste Heimsieg unter der Regie des scheidenden Chefcoaches seit dessen Amtsantritt vor neun Jahren.

Als die Mittelhessen letztmals am 4. November 2009 in der Rittal-Arena die Berliner mit 27:26 bezwungen hatten, saß noch Michael Roth als Trainer auf der Bank, waren Rainer Dotzauer und Axel Geerken die Manager, spielten Timo Salzer, Daniel Valo und Giorgios Chalkidis für die Grün-Weißen um Erstliga-Punkte.

Der kleine Abstecher in dieGeschichte unterstreicht die Bedeutung des Erfolges vom Donnerstag, der die HSG vorerst auf Rang sieben der Tabelle spült und sogar nach Europa schielen lässt. Was wäre das für ein Abschiedsgeschenk des beliebten Trainers an die mittelhessischen Handball-Anhänger!

Unmöglich wäre diese Saison-Variante nicht, da der deutsche Handball mit dem THW Kiel und der SG Flensburg/Handewitt noch zwei heiße Eisen im Champions-League-Wettbewerb hat und zudem mit den Rhein-Neckar Löwen, den Füchsen Berlin und dem SC Magdeburg drei Erstligisten gute Europa League-Cup-Chancen haben. Wie in vielen Spielzeiten zuvor, würde am Ende der Saison höchstwahrscheinlich also Rang sechs (inkl. DHB-Pokal-Platz) die Europapokal-Qualifikation gewährleisten. Diesen belegen aktuell mit nur noch einem reellen Punkt Vorsprung die mit 29:27 bezwungenen Füchse Berlin.

Wetzlars Kreisläufer Anton Lindskog sprach nach dem zwölften Saisonsieg von einer »fantastischen Deckungs- und Torwartleistung in der ersten Halbzeit«, Trainer Kai Wandschneider zudem »von starkem Umschalten, geduldigem und zweikampfstarken Positionsangriff« sowie einem Rückraum-Linken Lenny Rubin, »der auch mental immer stärker wird«.

Gegen die aller Champions-League-Illussionen beraubten, personell hochklassig besetzten Berliner (Nationalspieler Fabian Wiede: »Wir haben es nicht geschafft, uns richtig reinzuhauen«) holte die HSG Wetzlar selbst ohne die verletzten Olle Forsell Schefvert und Alexander Feld das Optimum aus ihren Möglichkeiten. Imponierend vor allem die spielerische Klasse, mit der der Monster-Innenblock der Füchse mit den Zwei-Meter- und 100-Kilo-Kolossen Jakov Gojun, Marko Kopljar und Mijajlo Marsenic immer wieder umgangen wurde. Imponierend die Abwehrarbeit, die die technisch starken Fabian Wiede, Jacob Holm und Marian Michalczik nicht zur Entfaltung kommen ließ. Und dann war da eben noch ein Lenny Rubin, der nicht nur aus der Distanz traf, sondern mutig in die Eins-gegen-eins-Duelle ging und dort permanent unter Bedrängnis und Stress die richtigen Entscheidungen zur Spielfortsetzung traf.

Die HSG Wetzlar hat wiederholt bewiesen, dass dort, wo Mannschaft draufsteht, auch eine Mannschaft drin ist und beglückt damit weiter ihre Fans, ihren Trainer und die Liga. Für die beiden nächsten Auswärttspiele bei der TSV Hannover-Burgdorf (Donnerstag) und bei der HSG Nordhorn-Lingen (Sonntag) rechnet Trainer Kai Wandschneider zumindest mit der Rückkehr von Alexander Feld.

Die Füchse Berlin hingegen rutschen immer tiefer in die Krise. Das 27:29 in Wetzlar war die vierte Niederlage in den vergangenen fünf Ligaspielen und der Abstand zur Spitzengruppe wird immer größer. »Für uns ist das eine Katastrophe. Ich glaube, wir haben jetzt fast die letzte Chance verspielt, irgendwie noch einmal ein bisschen oben anzugreifen, noch in die Top 4 zu kommen«, sagte Nationalspieler Fabian Wiede bei Sky.

Größere Ambitionen haben sich für die Füchse spätestens jetzt erledigt. »Mit der Niederlage wird es extrem schwer«, fuhr Wiede fort.

Ralf Waldschmidt/dpa

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