21. März 2021, 21:01 Uhr

HSG Wetzlar

HSG Wetzlar verliert mit Anstand und Würde

Eine ersatzgeschwächte HSG Wetzlar hat in der Handball-Bundesliga beim deutschen Meister THW Kiel verloren. Mit 19:23 (10:12) - vor allem aber mit Anstand und Würde.
21. März 2021, 21:01 Uhr
Mit vereinten Kräften stemmt sich die stark dezimierte Mannschaft der HSG Wetzlar beim THW Kiel gegen eine deutliche Niederlage. FOTO: BERGMANN

HSG Wetzlar


Die HSG Wetzlar trat ohne Punkte die Heimreise vom Auswärtsspiel bei Meister THW Kiel an. Mit 19:23 (10:12) musste sich die Mannschaft von Trainer Kai Wandschneider dem Rekordmeister am Samstag geschlagen geben.

Dass beide Teams ersatzgeschwächt ins Rennen gingen, machte sich vor allem auf Seiten der Mittelhessen bemerkbar. Die Gastgeber mussten zwar auf Welthandballer Niklas Landin und Sven Ehrig verzichten, doch der Ausfall von Filip Mirkulovski, Stefan Cavor und Anton Lindskog wog bei den Grün-Weißen um Einiges schwerer.

Wetzlar hielt in der ersten Halbzeit noch gut mit und konnte sich nach Rückständen immer wieder heranarbeiten. Torhüter Tibor Ivanisevic zeichnete sich in der ersten Viertelstunde mehrfach aus und ermöglichte seinen Vorderleuten so nach einem 1:3-Rückstand sogar die 6:5-Führung durch Emil Mellegard (14.).

THW-Coach Filip Jicha reagierte und stellte seine Abwehr um. Mit der 3:2:1-Formation setzte Kiel die HSG-Angreifer stärker unter Druck. Ein 4:0-Lauf der Hausherren drehte das Spiel, ehe Trainer Wandschneider im Angriff mit dem siebenten Feldspieler dagegenhielt. Patrick Gempp gelang so in der 29. Minute der 10:10-Ausgleich, der aber schon der letzte in dieser Partie sein sollte.

»Ich denke, wir konnten Kiel nur in der ersten Halbzeit ein bisschen auf die Nerven gehen und bedrängen«, gab Wandschneider zu Protokoll. Zwar leistete sich auch der amtierende deutsche Meister einige Fehler, nahm aber eine 12:10-Führung mit in die Pause.

Nach Wiederanpfiff dauerte es fast fünf Minuten, ehe Harald Reinkind die beidseitige Torflaute beendete. Ballverluste und Torhüterparaden hatten die ersten Minuten geprägt. Doch nun bliesen die Kieler zum Angriff. Unterstützt von Torhüter Dario Quenstedt, der sich mit insgesamt zwölf Paraden auszeichnen konnte, setzte sich der THW Tor um Tor ab.

Coach Wandschneider hatte in der 45. Minute genug gesehen - zumindest vom Gegner - und bat seine Truppe zur Ansprache. Zwei Tore in einer Viertelstunde lautete die magere Ausbeute seiner Sieben. »In der zweiten Halbzeit war das eine klare Angelegenheit für Kiel«, so Wandschneider, »wir haben keine guten Lösungen für die 3:2:1-Deckung gefunden. Kiel hat bärenstark gedeckt und uns ausgekontert.«

Der THW machte beständig weiter und erhöhte in der 51. Minute per Siebenmeter von Niklas Ekberg auf 22:12. Die Partie war längst entschieden. An das Wetzlarer 31:22 in der Hinrunde verschwendete niemand mehr einen Gedanken.

Auf Seiten der HSG Wetzlar schlug am Ende noch die Stunde von Lenny Rubin, der seinem Frust freien Lauf ließ. Mit einem Dreierpack verkürzte der Schweizer auf 15:22 (54.) und setzte mit dem 17:22 drei Minuten später noch einen drauf. Die Wetzlarer kamen am Ende durch Mellegard gar noch bis auf 19:22 heran, ehe Ekberg mit dem 23:19 die Partie beendete.

»Unsere 3:2:1-Abwehr hat sich gegen den siebten Feldspieler sehr gut bewegt, hat gut dagegen gearbeitet«, lobte THW-Coach Jicha, machte aber gleich darauf auch seinem Unmut Luft. »Mit den letzten zehn Minuten bin ich definitiv nicht einverstanden. Das darf nach den Auswechselungen nicht so aussehen. Das ist gegen eine Mannschaft wie Wetzlar schade, wenn man nicht um jeden Ball kämpft und die letzten zehn Minuten abschenkt.« Aber auch das behäbige Spiel der HSG war dem ehemaligen Weltklasse-Handballer ein Dorn im Auge. »Es war das erwartete Spiel mit sehr langen Angriffen, darauf mussten wir uns einstellen. Wenn die Schiedsrichter das laufen lassen, ist das ein sehr schweres Spiel. Es ist lange her, dass wir Wetzlar besiegen konnten, deshalb freue ich mich umso mehr.«

»Wir waren lange ohne Torerfolg«, haderte Wandschneider ein wenig mit dem Spiel seiner Mannschaft, um aber sofort einzulenken. »Danach hat Kiel ein bisschen runtergefahren und wir konnten das Ergebnis freundlicher gestalten. Ich mache meiner Mannschaft keinen Vorwurf. Sie hat mit Leidenschaft gekämpft, sich nicht hängen lassen.«

Statistik

THW Kiel: Quenstedt, Anderson; Duvnjak (2), Sagosen (3), Reinkind (4), Jacobsen (1), Sunnefeldt, Weinhold, Wiencek, Ekberg (12/9), Dahmke, Zarabec, Calvert, Voigt, Horak, Pekeler (1).

HSG Wetzlar: Till Klimpke, Ivanisevic; Feld (1), Srsen, Henningsson (1), Björnsen (2), Ole Klimpke, Weissgerber, Holst (3/3), Fredriksen, Forsell Schefvert (1), Gempp (2), Mellegard (4), Rubin (5).

Im Stenogramm / SR: Blümel/Loppaschewski (Berlin). - Zeitstrafen: 6:4 Minuten. - Siebenmeter: 10/9:4/3.

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